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örtlich betäubt: Roman (Fiction, Poetry & Drama)
 
 
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örtlich betäubt: Roman (Fiction, Poetry & Drama) [Taschenbuch]

Günter Grass
2.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 1995)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342312069X
  • ISBN-13: 978-3423120692
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 210.441 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Günter Grass
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein Bekennerbuch intellektueller Distanz ... das heißt: seine Meinung über die Gesellschaft, in der wir leben und die wir zu verantworten haben, nicht nur in Literatur, sondern in den Tag umzusetzen.«
Werner Weber, Neue Zürcher Zeitung

Kurzbeschreibung

Berlin im Januar 1967. Ein junger Mensch will Zeichen setzen ...

Eberhard Starusch, einst Anführer der Stäuberbande in der ›Blechtrommel‹ und inzwischen »Studienrat für Deutsch und also Geschichte« in Westberlin, sammelt 1967 Material zu einem Wehrmachtsgeneral, der im Sandkasten den Zweiten Weltkrieg nachträglich gewinnen will. Doch die aktuelle Studentenrevolte wird für Starusch immer vordringlicher.

Dem empörten Aufschrei seines Lieblingsschülers, der als ritualisierten Protest gegen den Napalmeinsatz in Vietnam seinen Dackel auf dem Kudamm verbrennen will, setzt er die Traurigkeit seines Besserwissens entgegen: Wer die Welt radikal verändern will, müßte zuerst den Menschen abschaffen. Eine Zahnbehandlung wird Starusch zum Symbol des einzig möglichen Forschritts: Fiktive Dialoge mit seinem Zahnarzt zeigen, daß es nur die örtliche Betäubung gegen das Leiden an der Welt gibt, die kleinen Schritte in der Tretmühle der Vernunft. In ›örtlich betäubt‹, erschienen 1969, wird offensichtlich:

»Grass ist ein fanatischer Anhänger der Mäßigung. Er ist ein Gemäßigter, wie andere Menschen Extremisten sind. Er ist fast verrückt nach Vernunft«. Time Magazine


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
An seine erste Liebe, auch wenn sie längst vergangen ist, bewahrt man sich ja immer eine gewisse Anhänglichkeit. Mit den ersten Büchern ist es genauso. Das vorliegende Buch "Örtlich betäubt"von Günter Grass war der erste literarisch ernstzunehmende Lesestoff, den ich mir vor vierzig Jahren von meinem eigenen Taschengeld gekauft habe.
Gekauft habe ich mir das Buch damals, weil ich in den späten Sechzigern genauso alt war wie der Oberstufenschüler Philipp Scherbaum, die rebellische Hauptfigur von Örtlich betäubt", der seinen geliebten Dackel Max aus Protest gegen den Vietnamkrieg auf dem Kurfürstendamm verbrennen will. Heute bis ich genauso alt wie Scherbaums Lehrer, der Studienrat Eberhard Starusch, der seinen Schüler als lahmer Reformist am Ende von diesem Plan abbringt und ihn stattdessen dazu überredet, die Chefredaktion der Schülerzeitung zu übernehmen.
Aus Anlass dieser doppelten Übereinstimmung und des vierzigjährigen Jubiläums meines ersten selbstständigen Bucherwerbes habe ich das Werk noch einmal gelesen. Um es vorneweg zu sagen: Auch wenn ich längst kein Grass-Anhänger mehr bin, hat mich das Buch noch immer angesprochen, ich halte es sogar für eines der besten Grass-Werke nach der "Blechtrommel". Die Idee, das Leben des Studienrates Starusch im Zahnarztstuhl vor einem laufenden Monitor retrospektiv ablaufen lassen und ab und zu einem wenig Zahn(Erinnerungs)Schmerz hinzuzufügen, finde ich absolut gelungen. Die Schulszenen und die Auseinandersetzungen zwischen Lehrer und Lieblingsschüler sind zwar ein wenig antiquiert ( kein Schüler wird in unseren Pisa-Zeiten seinen Lehrer heute noch per Zuruf an die heilige Apollonia, die Schutzheilige der Zahnärzte erinnern, wenn dieser Lehrer zum Zahnarzt geht ), aber der Generationenkonflikt zwischen selbstbezüglicher Fernstenliebe (Schüler Scherbaum) und reformistischer Nahbekümmerung (Studientat Starusch) wird literarisch überzeugend vorgeführt.
Dass der Schüler Scherbaum seinem Dackel Max am Ende den Flammentod erspart, fand ich damals schon gut, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Motiv des brennenden Dackels finde ich sogar noch gelungener als früher, man denke nur an die Kaufhausbrandplänen der linksterroristischen Mörderbanden von Baader und Genossen. Den Studientat Starusch, eine linksdurchwirkte, halb entschlossene Greisennatur, konnte ich schon bei meiner Erstlektüre nicht leiden, und diese Abneigung hat sich bis heute eher noch verstärkt. Als literarische Zukunftsskizze entspricht der Studienrat Starusch allerdings genau jenem blutleeren Gutmenschentyp, aus dem sich heute - so paradox kann Geschichte verlaufen - im wesentlichen die politische Anhängerschaft von Günter Grass rekurriert. Wenn man will, könnte man sogar sagen, dass der Meister in dem vorliegenden Roman die Figuren, die ihm heute zujubeln, bereits vor vierzig Jahren konzipierte ( und zwar so, dass die heutigen Staruschs zu einem grossen Teil ehemalige Scherbaums sind). Alles in allem also ein wichtiges Buch, dass auch vierzig Jahre nach seinem Erscheinen mir jedenfalls noch etwas zu sagen hat.
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Berlin im Jahr 1967. Der Deutsch- und Geschichtslehrer Starusch leidet an Zahnschmerzen und philosophiert mit seinem Arzt über Seneca und die Anwendbarkeit stoischer Lehren. Sein Schüler Scherbaum, begabt und radikal, will auf dem Kurfürstendamm einen Dackel verbrennen, um auf die Napalm-Einsätze in Vietman aufmerksam zu machen. Staruschs Freundin hat eine BDM-Vergangenheit, Scherbaums Freundin Vero entwickelt sich zur Terroristin. Günter Grass, der, was man heute allzuleicht vergißt, einige Zeit als Skandalautor galt (und die Blechtrommel als pornographisch), der in durchaus nicht zimperlichen Reden Bundeskanzler Erhard einen Nazi genannt hatte, engagierte sich in den Sechzigern, unter dem Eindruck von Willy Brandt, für die SPD. Daß ein Kokettieren mit der Macht der Kunst niemals guttut, bewahrheitet sich auch an dem vorliegenden Buch. Allzu klischeehaft sind die Rollen verteilt: Der intelligente, aufrichtige Scherbaum, zu Recht empört über die Mißstände der Gesellschaft, lenkt am Ende realpolitisch ein. Die bornierte, starrsinnige Vero intrigiert und läßt nicht mit sich reden. Starusch sympathisiert mit Scherbaum, will aber von Revolution oder Rebellion nichts hören. Grass polemisierte damals gegen die radikale Linke: "Enzensberger hüpft fröhlich nach Kuba, während ich hier Schönwetter zu machen versuche für die Dynamisierung der Kriegsopferrente." - Von einem solchen Standpunkt aus mag man Politik machen können, Literatur niemals. Grass überzieht die Schilderung der gesellschaftlich brisanten Situation mit einem Schleim aus Reflektionen und Geschichtchen, der nichts durchläßt außer dem biedermeierlichen Seufzer: Ach ja, die Welt ist schon schlecht! Seine eingestreuten Erinnerungen an Danzig, in anderen Büchern prickelndes Anekdotengewimmel, sind hier angestaubte Nähkästchenkamellen. Wer sich nach dem Betrachten der Nachrichten gerne stundenlang in "ja aber auch, andererseits, man kann doch aber nicht"-Gedanken ergeht, wird an diesem Buch Gefallen finden. Allen anderen ist abzuraten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Mehr als 30 Jahre, bevor Grass den Nobelpreis bekam, war "örtlich betäubt" erschienen, nämlich 1969. Die Erzählsituation ist bemerkenswert: Ein Zahnpatient, Studienrat, früher Ingenieur in einem Zementwerk, erzählt seinem Zahnarzt während der Behandlung (!) typische Grass'sche Fragmente seines Lebenslaufs. (Ich mach mich anheischig, einen Roman zu schreiben, wo ein Taucher einem anderen während eines Tauchgangs die Geschichte einer unglücklichen Liebe erzählt!) Der Studienrat hat einen Lieblingsschüler, der als Zeichen seines Protests gegen den Einsatz von Napalm (es ist die Zeit des Vietnamkriegs) einen Dackel auf dem Kurfürstendamm vor aller Augen verbrennen will, was sein Lehrer verhindern möchte. Dazwischen schläft der Lehrer noch mit der militant linken Freundin seines Schülers - oder doch nicht? Dann auch mit seiner Kollegin (mit der eher schon - oder vielleicht doch nicht?), die seit Jahrzehnten Selbstbeknirschung wegen ihrer BDM-Vergangenheit übt (hier darf spekuliert werden, ob da vielleicht eine Selbstbeknirschung des Autors eingeflossen sein könnte, Stichwort: Waffen-SS). Schließlich verzichtet der Schüler doch auf die Hunde-Abfackelung und übernimmt die Schülerzeitung als Redakteur. - Das Ganze zerstückelt und zerbreit (pardon: natürlich in fragmentarisch-perspektivischer Brechung), um ja dem Ruf des Autors als großer, aber schwieriger Künstler zu genügen und es dem Leser möglichst schwer zu machen. Unter Kunstzwang eben.

Ein möglicher Wert des Romans besteht für Historiker der Zahnheilkunde darin, dass der Status quo der Dentalmedizin Ende der 60er Jahre detailliert ausgebreitet wird. Auch Zement-Freaks kommen auf ihre Rechnung, bei der Recherche ließ der Autor nichts aus.

Mit eiserner Disziplin durch die Schwarte gequält, eigentlich gings mir um die Hübener-Geschichte (Widerstand von Jugendlichen im Dritten Reich), die aber nur ganz randlich erwähnt wurde. Aber: Es hat sich nicht ausgezahlt, überhaupt nicht.
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