Wer alt ist, wird zu einem lebendigen Geschichtsbuch, in dem die Enkel genussvoll blättern können. Wer alt ist, wird gebraucht und kann noch immer ein erfülltes Leben führen. Meint zumindest der Hirnforscher Ernst Pöppel.
Und er kann das auch belegen. Seine zehn im Buch versammelten Thesen über das Älterwerden werden jeweils von seinen eigenen Forschungen bestätigt. Die Medizinjournalistin Beatrice Wagner hat sie anschaulich und mit vielen witzigen und interessanten Anekdoten angereichert zusammengefasst.
Eine Selbstreflexion Pöppels und Tipps zur Umsetzung in jedem Kapitel machen aus einem interessanten Ausflug in die Welt der Psychologie einen praktischen Ratgeber. Wie überaus vernetzt der Wissenschaftler in der Welt der Bedeutsamen ist - wie der Autor in dem Buch vielleicht etwas zu häufig betont - zeigt sich darin, dass sich so bekannte Menschen wie Schauspieler Mario Adorf, Aufklärer Oswalt Kolle, Politiker Bernhard Vogel oder Werbe-Ikone Verona Pooth für Pöppels Projekt zu einem Interview bereit erklärt haben. Ihre sehr offenen, persönlichen Worte bilden einen bereichernden Abschluss der vierteiligen Kapitel, deren ungewöhnlicher Aufbau eine abwechslungsreiche Lektüre garantiert.
Der reife Leser kann sich zunächst wohlig in Pöppels Worte einkuscheln: Wer alt ist, lernt noch immer dazu. Wer alt ist, kann noch immer gut aussehen. Wer alt ist, kommt sich selbst näher. Das geht runter wie Öl in einer Welt, in der die Alten immer nur einstecken müssen. Nur: Von nichts kommt nichts, auch bei Pöppel.
Eigeninitiative ist gefordert. Tipps zum ersten Anstoß gibt Pöppel reichlich. So regt er etwa an, regelmäßig Gedichte auswendig zu lernen - und stellt als Anreiz gleich eines ans Ende jedes Kapitels. Pöppel selbst erklärt ermutigend, dass das Lernen für ihn im Alter einfacher geworden sei. Reife Menschen dächten zwar nicht mehr so schnell wie Jüngere, dafür aber gründlicher.
Im Alter hätte man Zeit, dass zu tun, was man schon immer unternehmen wollte. Man könne wieder genießen, in sich ruhen und ein intensives Leben führen. Ein strukturierter Tagesablauf helfe dabei, rät Pöppel.
Er nimmt den Lesern die Angst vor dem Alter und gibt ihnen keine Ausreden, diesen Lebensabschnitt nicht zu genießen. Dass viele Tipps und Thesen genauso für jüngere Menschen gelten, verzeiht man ihm da gerne. Geht der Hirnforscher doch mit gutem Beispiel voran - nicht nur bei seinen Experimenten, die er in der Regel zuerst an sich selbst ausprobiert. Pöppel hat sich mit seinen nunmehr 70 Jahren noch nicht zur Ruhe gesetzt, sondern ein lebendiges, kurzweiliges Geschichtsbuch erschaffen, in dem seine Enkel noch lange genussvoll blättern können.