Die Förderbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die nicht oder nur sehr begrenzt über Lautsprache verfügen, werden in den letzten Jahren erfreulicherweise immer deutlicher wahrgenommen. Meist wurden Angebote zur Unterstützten Kommunikation zunächst einmal von einzelnen Experten entwickelt, die sich an den unterschiedlichen Förderorten in diesen Bereich einarbeiteten. So vollzog sich die Einführung und Erprobung der neuen kommunikativen Möglichkeiten oft in Einzelfördersituationen oder in Kleingruppen, die aus dem Unterricht der Stammklassen herausgezogen wurden. Problematisch wird dies dann, wenn das außerhalb der Klassen entwickelte Sprachrepertoire nicht kontinuierlich aufgegriffen wird, um sich in der Erarbeitung aktueller Unterrichtsinhalte zu bewähren.
An dieser Stelle leistet dieses Buch einen wichtigen Beitrag, da es die Möglichkeit thematisiert, innerhalb eines projektorientierten Unterrichts einer Klasse der Schule für Geistigbehinderte eine unterstützt kommunizierende Schülerin in den verbalen Austausch mit hineinzunehmen. Man erfährt vieles über die Gruppe, in der das betroffene Mädchen lernt, über die Unterrichtsmaterialien und -sequenzen, die angeboten werden (z.B. zum Thema „Wald"). Es werden die Situationen aufgezeigt, in denen sie in besonderer Weise berücksichtigt und mit individuellen Aufgaben angesprochen wird. Wir erfahren detailliert, wie sie sich einbringen kann mit ihren kommunikativen Möglichkeiten, die nicht nur von ihren Lehrerinnen, sondern auch von ihren Mitschülern rezipiert werden sollen und können.
Die Darstellung in diesem reich bebilderten Buch ist in weiten Teilen sehr konkret - bis hin zur Reproduktion von Kopiervorlagen - und das ist wohl auch notwendig, um aufzuzeigen, wie die Lehrerinnen gearbeitet haben. Aber es ist sicherlich nicht möglich und auch nicht intendiert, diese Unterrichtssequenzen als Ganzes zu übernehmen. Der Leser kann jedoch am Beispiel dieser Schülergruppe sehen, wie weit unterstützt kommunizierende Schüler/innen einbezogen werden können. Die positiven Erfahrungen, die hier vermittelt werden, können ihn motivieren, sofern er vor einer ähnlichen Aufgabe steht, auch seine Unterrichtsgestaltung um Angebote und Aufgaben zu erweitern, die nichtsprechenden Kindern ein „Mitreden" ermöglichen.