Viele Schüler haben es schon immer gewusst: Schule und Gefängnis haben einiges gemeinsam. Michel Foucault beschreibt in seinem Buch "Überwachen und Strafen" die Entwicklung des juristischen Strafsystems von der öffentlichen Anwendung von Martern -häufig bis zum Tod- hin zum, den Augen der Öffentlichkeit verborgenem, Entzug der Freiheit im Gefängnis. Dabei zeigt er, dass mit der Entwicklung der Gefängnisstrafen gleichzeitig die ganze Gesellschaft gefängnisähnlichen Strukturen unterworfen wurde -oder mit anderen Worten: Die Gesellschaft wurde diszipliniert.
Zunächst fand diese Disziplinierung in den Institutionen statt. Beim Militär, in der Schule, in den Fabriken und Hospitälern wurde wie im Gefängnis, nur nicht so rigoros, über die Körper und die Zeit der "Insassen" verfügt. Sie hatten zu einer festgesetzten Zeit an einem festgesetzten Ort zu sein und mit Ausnahme der Kranken mussten sie auch bestimmte Aufgaben in einer bestimmten Zeit erledigen. Um dieses für die Gesellschaft nutzbringende Verhalten sicherzustellen, wurden die Menschen überwacht, Prüfungen unterzogen und, falls sie ein unerwünschtes Verhalten zeigten, bestraft. Mit dem Aufbau einer staatlich organisierten Polizei schließlich fand die Disziplinierung auch außerhalb der Institutionen statt und weitete sich auf die ganze Gesellschaft aus. Spätestens an diesem Punkt erkennt der Leser, dass auch heutige staatliche Maßnahmen wie die Computerüberwachung, das Sammeln von Fluggastdaten und Telefonverbindungen oder die Überwachung öffentlicher Plätze mit Kameras nicht nur der Terrorismusbekämpfung dienen, sondern dass sie auch eine moderne Art der Disziplinierung der ganzen Gesellschaft sind. Diese Erkenntnis macht das Buch heute noch interessant und aktuell, obwohl es sich mit der Vergangenheit beschäftigt und die Originalausgabe schon 1975 erschienen ist.