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Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Michel Foucault , Walter Seitter
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

20. Dezember 1993 suhrkamp taschenbuch (Buch 2271)
Marter, Bestrafung, Disziplin, Gefängnis - das sind die vier großen Themen in Michel Foucaults erfolgreichem und fesselndem Buch über die Geburt des Gefängnisses, mit dem er eine schonungslose Inventur der Entwicklung der Gefängnis- und Bestrafungsstrukturen seit Mitte des 19. Jahrhunderts vornimmt und die modernen Gesellschaften als "Disziplinargesellschaften" ausmacht.

Wird oft zusammen gekauft

Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses (suhrkamp taschenbuch) + Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) + Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Preis für alle drei: EUR 42,99

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Paul-Michel Foucault wurde am 15. Oktober 1926 in Poitiers als Sohn einer angesehenen Arztfamilie geboren und starb am 25. Juni 1984 an den Folgen einer HIV-Infektion. Nach seiner Schulzeit in Poitiers studierte er Philosophie und Psychologie in Paris. 1952 begann seine berufliche Laufbahn als Assistent für Psychologie an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Lille. 1955 war er als Lektor an der Universität Uppsala (Schweden) tätig. Nach Direktorenstellen an Instituten in Warschau und Hamburg (1958/1959) kehrte er 1960 nach Frankreich zurück, wo er bis 1966 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand arbeitete. In diesem Zeitraum erschien 1961 seine Dissertationsschrift Folie et déraison. Histoire de la folie à l'âge classique (dt.: Wahnsinn und Gesellschaft). Er thematisierte darin die Geschichte des Wahnsinns und das Zustandekommen einer Abgrenzung von geistiger Gesundheit und Krankheit und die damit einhergehenden sozialen Mechanismen. 1965 und 1966 war er Mitglied der Fouchet-Kommission, die von der Regierung für die Reform des (Hoch-)Schulwesens eingesetzt wurde. 1966 wurde Les mots et les choses – Une archéologie des sciences humaines (dt.: Die Ordnung der Dinge) veröffentlicht, worin er mit seiner diskursanalytischen Methode die Wissenschaftsgeschichte von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert untersuchte. Nach einem Auslandsaufenthalt als Gastprofessor in Tunis (1965-1968) war er an der Reform-Universität von Vincennes tätig (1968-1970). 1970 wurde er als Professor für Geschichte der Denksysteme an das renommierte Collège de France berufen. Gleichzeitig machte er durch sein vielfältiges politisches Engagement auf sich aufmerksam. In diesem Kontext entstand die Studie Surveiller et punir (dt.: Überwachen und Strafen). 1975-1982 unternahm er Reisen nach Berkeley und Japan sowie in den Iran und nach Polen.



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41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das Gefängnis ist nur eine Facette 11. September 2003
Von Ein Kunde
Die Grundaussage von "Überwachen und Strafen" läßt sich ungefähr auf folgenden Nenner bringen: Das Gefängnis ist nur eine Facette, eine Abteilung allgegenwärtiger Disziplinierungsmechanismen der modernen Gesellschaft, die laut Foucault, im Grunde eine Disziplinargesellschaft ist, die ohne subtil wirkende Disziplinierungstechniken nicht das wäre, was sie gegenwärtig ist. Am Gefängnis werden diese Strukturen nur besonders deutlich und das Gefängnis ist gleichzeitig das Versuchslabor, an dem diese Strukturen getestet und ausprobiert werden. Der Verbrecher wird dabei zum Delinquenten. Und der Delinquent ist das menschliche Versuchsobjekt, das sich die moderne Gesellschaft aussucht, um ihre Disziplinierungstechniken ausprobieren zu können, ehe sie sie sublimiert, verfeinert, abändert und dann überall anwendet. Das Verbrechen wird nicht bekämpft oder beseitigt, es wird zum Objekt einer immer wieder neu erprobten Methode, es wird dadurch gezämt und gesühnt, indem es als Gegenleistung die Disziplinierungstechniken der modernen Gesellschaft rechtfertigt.

Das ist die atemberaubende und fesselnd geschriebene Grundthese dieses Buchs.

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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
"Seitdem vor 150 oder 200 Jahren Europa seine neuen Strafsysteme geschaffen hat, sind die Richter Schritt für Schritt - im Zuge einer noch weiter zurückreichenden Entwicklung - darangegangen, über etwas anderes als die Verbrechen zu richten: über die 'Seele' der Verbrecher." Die Seele? "Die Seele: Gefängnis des Körpers." Es gibt, so Foucault, eine Tendenz weg von den absoluten Gottesgerichten und leidenschaftlichen Hinrichtungsfestlichkeiten hin zu kalten, nicht eingreifenden, sondern einschränkenden Strafen. Einsperren statt ausstellen, beobachten statt bestrafen ist die Devise dieser neuen Technik Es wird nicht mehr mit kathartischer Wirkung ein Exempel statuiert, an dem sich alles entlädt, sondern es wird allgemein das Nicht-Entladen propagiert. Dieser Übergang, schreibt Foucault, sei allerdings kein Übergang von einem ausgeklügelten Spektakel hin zu einer vernünftigen, abstrakten Bestrafung, sondern vielmehr ein technischer Übergang "von einer Bestrafungskunst zu einer anderen, die nicht weniger gelehrt ist". Diese Lehren, diese Techniken der Betrafung untersucht Foucault in seinem mit vielfältigem Archivmaterial angereicherten Buch. Ausführlich schildert er Hinrichtungsrituale (man hat ihm deshalb ein morbides Vergnügen an derlei Schauspielen unterstellt), in denen oft das Verbrechen nachgespielt wurde (zB wurden die Verurteilen teilweise mit der Mordwaffe hingerichtet), aber auch den architektonischen und organisatorischen Aufbau moderner Gefängnisse. Weniger theorielastig, und, für mich, besser verständlich als in seinen anderen Büchern, zeichnet Foucault eine Geschichte der gesellschaftlichen Repression und Normierung. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Auch 25 Jahre nach seinem Tod bleibt Michel Foucault einer der einflussreichsten Intellektuellen weltweit. Bis heute spielen die von Foucault mitgeprägten Begriffe von der "Macht" und dem "Diskurs" eine gewichtige Rolle und werden heftig diskutiert. Der Philosoph und Soziologe untersuchte so unterschiedliche Gegenstände wie Krankenhäuser, Psychiatrien, Gefängnisse oder die menschliche Sexualität und erschloss daraus, auf welche Art und Weise das, was wir Menschen in verschiedenen historischen Epochen als Wahrheit anerkannt haben, vom herrschenden Diskurs produziert worden ist. In seiner Darstellung "Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses" untersucht Foucault die unterschiedlichen Praktiken des Strafens in verschiedenen Zeitaltern und wie so Wahrheiten und Machtverhältnisse produziert worden sind beziehungsweise produziert werden.

Strafen ist sicherlich einer der Konstanten in der Geschichte der Menschheit. Die Art und Weise des Strafens habe sich im Lauf der Jahrhunderte zwar gründlich geändert, so Foucault, doch eines sei immer gleich geblieben: Objekt des Strafens sei nie ausschließlich der einzelne Mensch gewesen. In den Institutionen und Praktiken des Strafens habe sich immer ein bestimmter Diskurs manifestiert, der durch das Strafen einer bestimmten Wahrheit zur Geltung verholfen habe und somit zuallererst immer ein Instrument der Macht gewesen sei: "Es formiert sich ein Wissen, das Techniken und "wissenschaftliche" Diskurse einschließt und sich mit der Praxis der Strafgewalt verflicht" (33). Dabei wehrt sich Foucault gegen die naive Annahme, dass ein bestimmtes Verhalten an sich ahnddungswürdig sei. Vielmehr sei es so, dass es an erster Stelle die Macht sei, die überhaupt erst das Wissen über das, was ahndungswürdig sei, produziert: "Eher ist wohl anzunehmen, daß die Macht Wissen hervorbringt [...]; daß es keine Machtbeziehung gibt, ohne daß sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert" (39). Hier haben wir es wieder mit der für Foucault typischen Terminologie zu tun. Die Macht, welche Wissen produziert und somit einen bestimmten Diskurs formiert, welcher den Menschen in seinem Denken und Handeln bewusst und/oder unterbewusst bestimmt. Doch was ist sie eigentlich, diese mysteriöse Macht, die dazu in der Lage ist, zu bestimmen, was der Mensch überhaupt erst denken kann? Hier gibt Foucault bezüglich seines Untersuchungsgegenstandes, dem Gefängnis, eine sehr deutliche Antwort: "In der hierarchisierten Überwachung der Disziplinen ist die Macht keine Sache, die man innehat, kein Eigentum, das man überträgt; sondern eine Maschinerie, die funktioniert. [...] In Wirklichkeit ist die Macht produktiv; und sie produziert Wirkliches. Sie produziert Gegenstandsbereiche und Wahrheitsrituale: das Individuum und seine Erkenntnis sind Ergebnisse dieser Produktion" (228f. + 250). Dahinter verbirgt sich die düstere Annahme, dass die Freiheit des Menschen nur eine Illusion ist, die uns von den Produktionsstätten der Macht vorgegaukelt wird.

Was ist nun, so Foucault, das perfekte Gefängnis, der perfekte Disziplinierungsapparat?: "Der perfekte Disziplinierungsapparat wäre derjenige, der es einem einzigen Blick ermöglicht, damit alles zu sehen" (224). Diesen perfekten Überwachungsraum bildet für Foucault das Panoptikum, eine architektonische Entwicklung aus den 1830er Jahren, die es einer Person ermöglicht, Hunderte von Gefangenen im Blick zu haben, ohne dass diese in der Lage sind herauszufinden, ob sie gerade überwacht werden oder nicht. Doch das Prinzip des Panoptikums beschränkt sich nicht nur auf die Organisation von Gefängnissen, es umfasst das gesamte gesellschaftliche Leben: "Das Panoptikum hingegen hat verstärkend und steigernd zu wirken; nicht um der Macht willen und nicht, um einer bedrohten Gesellschaft das Leben zu retten, organisiert es die Macht und macht sie ökonomischer und wirksamer: es geht darum, die Gesellschaftskräfte zu steigern - die Produktion zu erhöhen, die Wirtschaft zu entwickeln, die Bildung auszudehnen, das Niveau der öffentlichen Moral zu heben; zu Wachstum und Mehrung beizutragen" (267). Das panoptische Prinzip der absoluten Kontrolle und Überwachung finde sich also in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch und vor allem in den Schulen, wo die kommenden Generationen überwachter Individuen herangezogen werden.

Fazit: Was ist die Essenz aus Foucault Denken, was bleibt von ihm übrig? Kein Denker vor und nach ihm hat so präzise und mit solch einer eingehenden Terminologie die gesellschaftlichen Mechanismen analysiert, die den Menschen in seinem Alltag, seinem Denken, in seiner Existenz bestimmen. Von Kindergarten, über Schule, bis zum Arbeitsplatz und zu den zahlreichen Ämtern, die unseren Alltag bestimmen; die panoptisch allumfassende Macht ist überall und es gibt kein Entkommen, nur ein Arrangement. Wer an einer grundlegenden Diskussion von den Konzepten Macht, Diskurs und Wahrheit interessiert ist, dem sei Foucaults Die Ordnung der Dinge wärmstens empfohlen.
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