Yoko Tawada schreibt in zwei Sprache, Japanisch und Deutsch, und ist in beiden Sprachräumen mit ihren Arbeiten erfolgreich. Schnell fühlt man sich verleitet, sie mit einer Bezeichnung wie "Wanderin zwischen den Welten" oder ähnlichem Unsinn zu titulieren.
Yoko Tawada schafft es zwei Pole zu verbinden: Sie nähert sich ihrer Umwelt und der deutschen Sprache, für sie immerhin eine Fremdsprache, mit einer oft kindlich anmutenden Naivität und Neugierde. Sie ist aber keineswegs dumm, dem Aufmerksamen Leser entgeht keineswegs ihre Intelligenz, ihre Bildung und ihr subtiler Humor.
Der Umgang mit der fremden und der eigenen Sprache, die Gefühle, die sich für sie mit Sprache und Wörtern verbinden - dies sind die Themen, die im Mittelpunkt der Texte dieses Bandes stehen. Mal sind es kurze Betrachtungen und Überlegungen, mal kleine Erzählungen, in denen sie ihre Alltagsbetrachtungen kunstvoll mit der Suche nach ihrer eigenen Sprachheimat verwebt.
Der Leser staunt, wird amüsiert und nachdenklich. Wie oft sehen wir die Sprache doch als Selbstverständlich an. "Überseezungen" ist ein Buch voller literarischer Kleinode, in denen es immer wieder Neues und doch Vertrautes zu entdecken gibt.