Kurzecks Sprache wirkt wie ein Sog, Halbsätze oft, aneinander gereihte Assoziationen. Der Ich-Erzähler lässt den Leser teilhaben an seinem prekären Leben -junger Schriftsteller, wie immer kein Geld - an sein er Sicht der Welt an seinen schmerzlichen Gefühlen, an seiner Verzweiflung. Trennung von der Partnerin nach neun Jahren. Die Sorge um die gemeinsame Tochter Carina, vier Jahre. Anrührend, wie er sich in ihre Welt einfühlt: "Frag deine Füße, ob sie eine Wärmflasche wollen." "Die Stofftiere schlafen schon, müssen aber besser zugedeckt werden." Die kindliche Erlebensweise wird deutlich spürbar. Kurzecks Beobachtungen sind detailgenau, als wolle er alle 24 Stunden des Tages getreulich festhalten. Wenn der Ich-Erzähler sich schnell einen Espresso kochen will - verkocht, nur mit Wasser gekocht, Wasser vergessen - immer neue Versuche, siebenmal falsch, dann empfindet man wie er: ein Tag voller Niedertracht. Zwischen Gegenwart, jüngster Vergangenheit und weiter zurückliegender Zeit bewegt sich Kurzeck vor und zurück und webt eine Erzählung von selten verspürter Nähe. Er überzeugt sowohl durch die Echtheit der Gefühle als auch durch seinen wachen Anteil nehmenden Blick auf Menschen unterschiedlichster Herkunft in der Großstadt Frankfurt, auf ihre Lebenswelten. Selten hat mich ein Buch derartig fasziniert.