Ich hätte es ja gleich wissen müssen, als der Buchhändler mir dieses Exemplar schenkte. Als Dreingabe für ein anderes Buch dieser Autorin. Ein Ladenhüter wahrscheinlich, den er endlich loswerden wollte. Ich habe mich nur bis zur Hälfte durchgequält. Die Charaktere - klischeehaft. Da ist die Etepetete-Frau aus Lübeck, ganz reservierte Hanseatin mit Seidentüchlerin. Lebt in einer Villa mit Messingtürklinke und Kamin, trinkt Tee, heißt natürlich Wullweber. Die edlen Mokassins nicht zu vergessen. Aber, aber, das böse lauert unterm Seidentuch. Das vesteckt die Etepete-Frau das "schillernde Hämaton", für das natürlich der gut situierte, aber gewalttätige Ehemann verantwortlich ist. Was für ein überraschender Einfall (gähn).
Eine Sprache, dick aufgetragen, ja mitunter kitschig. Maulwürfe werden zu "samtenen Wühlern". Oder Sätze, wie diese: "Die Rosen an der Hauswand ... hatten zarte 'Blüten getrieben. Das Franzosenkraut blühte sogar, und die Schneeglocken wollten es ihm nachtun..." Nicht zu vergessen, die Katze die "begeistert tazent" nach ihrem Frauchen tritt. Grrrrr.
Aber wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul...