Das Buch "Übergangsrituale" von Arnold van Gennep wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben. Eigentlich sollte ein wissenschaftliches Buch immer aktuell sein, war mein erster Gedanke, als ich das Buch lesen sollte. Aber als ich das Buch las, merkte ich, daß das Buch durch die Zeit keineswegs an Aktualität verloren hat. Van Gennep beschreibt in seinem Buch verschiedene Übergangsrituale, die, wie er sagt, dem Menschen den Übergang von einem zum nächsten Lebensabschnitt erleichtern sollen. Dabei werden die Rituale in drei Kategorien eingeteilt. Einmal in das Trennungsritual, dann in das Ritual des Übergangs und der Wandlung und schließlich in das Angliederungsritual. Van Gennep illustriert diese Kategorisierung mit dem Beispiel der Tür, die die Funktion hat, einen Übergang von der einen zur anderen "Welt" zu ermöglichen. So trennt die Wand eines Hauses zum Beispiel die "übrige Welt" von der "häuslichen Welt". Durch den Durchgang durch die Tür, trennen wir uns von der "übrigen Welt" und gehen über in die andere "häusliche Welt" und ein gemeinsames Mahl zum Beispiel wäre ein Angliederungsritual. Interessant an diesem Beispiel ist, wie oft wir unbemerkt im Alltag Übergangsriten vollziehen, ohne es zu merken. Der Autor gibt in seinem Buch sehr viele Beispiele für Übergangsriten aus vielen Kulturen der Welt, die wahrscheinlich auch Rituale sind, die es heutzutage in dieser Form nicht mehr gibt. Er beschreibt die Riten und Rituale chronologisch von der Zeit vor der Geburt über Geburt, Erwachsenwerden, Verlobungszeit, Heirat, gesellschaftlichen Aufstieg bis zum Tod, zu Trauerzeit- und Begräbnisritualen. Alle diese doch eigentlich vertrauten Rituale neu zu erkennen, macht das Buch so spannend. Außerdem ist garantiert, daß man nach Lektüre dieses Buches ein "offeneres Auge" für Alltagstätigkeiten bekommt, deren Ursprungsritual jene Handlungen besser verstehen läßt.