Enthüllungsjournalismus, die 10te, Klappe bitte. Gähn...und schon wieder tauchen die "ultimativen", bisher noch nicht bekannten neuen Dokumente aus den Tiefen sowjetischer Archive auf.
Das letzte, was wirklich neu war, war die Erkenntnis, dass Chrutschow, den befehl zum Mauerbau gegeben hat. Ansonsten gibt es akteull keine neuen Dokumente, die eine systematische Aggression - im Sinne von Planungen - gegen Mitteleuropa belegen!!!!!!!!!
Der Rest zum Thema "Präventivkriegsthese" ist eigentlich bestenfalls neu interpretierter kalter Kaffee von Aufsätzen aus den neunziger Jahren, die die Fachwelt nur sehr begrenzt zur Kenntnis genommen hat. Bei z. B. Glantz findet man Tabellen zur Truppenaufstellungen, die teilweise aus dieser "Schule" - übernommen wurden.
Neu ist bestenfalls an den Sichtweise der russischen Historiker, dass sie interessante "semantische Versuche" vornehmen. So wird ein Großteil der strategischen Planungen bzw. Planspiele aus den Jahren 1940/41, obwohl in der Anlage als defensive Planungen von der Roten Armee konzipert und auch so benannt (im Gegensatz zum Entwurf vom 15.05.1941 der präventiven Charakter hatte), ebenfalls zu Angriffsplanungen umbenannt.
Und siehe da als Ergebnis kommt zu Tage, Stalin plante einen Angriffs-krieg. Rubbish in, rubbish out.
Stattdessen:
1. G. Isserson (in Glantz: Soviet Military Operational Art, S.98):
"The old, experienced military leaders, who created Soviet military theory and could with high artfulness put it into practive, were no more and there were insufficient numbers of operationally prepared commanders at the beginning of war. Therefore, a painful drama, played out in the summer of 1941."
2. zum Shukow/Wassiliewsky Plan 15.05.41, Glantz (The Military Strategy of the SU, S. 88):
"Second, Soviet deployment on 15 May were insufficent for a mounting of such an offensive. Between them, the Western and Southwestern Fronts counted about 102 divisions. Strategic second echelon and reserve forces were just then beginning their depoyment forward and would arrive in stages between early June and mid July. Thus, to establish requisite force strength for the offensive, Zhukov`s plan could not have been implemented until mid-June (30 days) at the earliest, and by then the German force strength would have also risen. For Zhukov to reach his desired correlation of forces, the attack would have to occur after 60 day of preparatio (in mid-July). That, of course, would have been too late to pre-empt the Germans and deny them surprise."
Diesen zwei Zitaten ist eigentlich nicht hinzuzufügen, um die Lächerlichkeit der Unterstellung von "Angriffsplänen" - im allgemeinen - und der preemtiven Planung vom 15.05.41 - im speziellen - deutlich zu machen.
Vielleicht hätten sich diese neun selbsternannten "Militärhistoriker" mit der "Sowjetischen Felddienst Anweisung" - PU 36 - aus dem jahr 1936 beschäftigen sollen. Viellicht hätten sie die militärischen Planung dann ein wenig besser verstanden und wären auf den feinen unterschied zwischen "offensiv" und "aggressiv" gekommen. Das eine kennzeichnet eine operative Ausrichtung, die durch die PU 36 vorgegeben war und insofern hat sich die Rote Armee konform zu ihren eigenen Feldanweisungen verhalten, und das andere kennzeichnet einen Politikstil. Und das sind zwei - auch analytisch - völlig unterschiedliche Bereiche.
Aber das wird Suworow wohl nie verstehen.
Deswegen hier gerne auch nochmal die entsprechende Links zur Nachhilfe:
Deep Battle: The Brainchild of Marshal TukhachevskiiSoviet Military Operational Art: In Pursuit of Deep Battle (Soviet Military Theory and Practice)Alternativ hätten diese sogenannten Historiker vielleicht sich ein wenig mit der geostrategischen Gefahr beschäftigen können, der sich Stalin ausgesetzt sah. In diesem Fall hilft gerne Hillgruber ein wenig beim Nachdenken.
Der Zweite Weltkrieg 1939 - 1945: Kriegsziele und Strategie der großen Mächte