Der Titel des Buches, sein Untertitel "Eine Deutschstunde" und die Bezeichnung auf dem Buchrücken "Ein deutsch-deutsches Geschichtsbuch" sind entweder überambitioniert oder bewusst irreführend gewählt. Denn es handelt um nicht weniger - aber auch nicht mehr - als eine Zusammenstellung von Artikeln, die die Autoren (in der DDR geboren) zwischen 2004 und 2009 in anderen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht haben, mithin eine Zweitverwertung. Diese Artikel beschäftigen sich meist mit bekannten Kulturschaffenden (Schauspieler, Regisseure, Schriftsteller) bzw. dem Kulturbetrieb der ehemaligen DDR. Sie sind durchweg fundiert und mit Sachkenntnis, ja mit Liebe zu Theater und Film, sowie sprachlich geschliffen geschrieben. Die Kulturlandschaft DDR wird politisch in ein System eingebettet, das nach Ansicht der Autoren von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.
Das lässt sich zwar hören, die geografische Fixierung auf den Osten Deutschlands kann gleichwohl nicht als "ungeteiltes" Erbe oder als "deutsch-deutsche" Geschichtsschreibung bezeichnet werden. In ihrem Prolog widmet sich Kerstin Decker - scheinbar unvermeidbar - der Unrechtsdebatte. Sie versteigt sich zu der These, die Frage ob die DDR ein "Unrechtsstaat" gewesen sei lasse sich nicht beantworten, weil die DDR nie ein Rechtsstaat habe sein wollen. So verstehe ich die Autorin jedenfalls und kann ihrer naiven Logik nicht folgen.