Kurzbeschreibung
Autorenportrait
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
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Nicht zum Zwecke persönlicher Größe suche ich das Supramental herabzubringen. Ich schere mich nicht um Größe oder Kleinheit im menschlichen Sinn. Ich ringe darum, ein Prinzip der inneren Wahrheit, des Lichts, der Harmonie, des Friedens in das Erdbewußtsein herabzubringen; ich sehe es oben und weiß, was es ist - ich fühle, wie es ständig von oben auf mein Bewußtsein herabstrahlt, und suche es ihm zu ermöglichen, das ganze Wesen in seine ureigene Kraft aufzunehmen, anstatt daß die Natur des Menschen weiterhin im Halblicht, im Halbdunkel bleibt. Ich glaube, es ist der letztliche Sinn der Erdevolution, daß die Herabkunft dieser Wahrheit den Weg einer Entwicklung von göttlichem Bewußtsein hier öffnet. Wenn größere Persönlichkeiten als ich nicht diese Vision und dieses Ideal vor Augen hatten, so ist das kein Grund, warum nicht ich meinem Wahrheitsempfinden und meiner Wahrheitsschau folgen sollte. Wenn die menschliche Vernunft mich als Narren ansieht, weil ich versuche, was Krishna nicht versuchte, so kümmert mich das nicht. Hier geht es nicht um X oder Y oder irgend jemand anders. Es geht um das Göttliche und um mich selbst - ob es der Göttliche Wille ist oder nicht, ob ich entsandt bin, Jenes herabzubringen oder den Weg für seine Herabkunft zu öffnen, zumindest mehr zu ermöglichen, oder nicht. Sollen mich alle verspotten, wenn sie wollen, soll die Hölle über mich kommen, wenn sie es wegen meiner Anmaßung will, - ich mache weiter, bis ich den Kampf gewinne oder untergehe. In diesem Geist suche ich das Supramental, nicht auf der Jagd nach Größe für mich selbst oder andere. (10-2-1935)
Ich hatte keinen Drang zur Spiritualität in mir, ich entwickelte Spiritualität. Ich war unfähig, Metaphysik zu verstehen, ich entwickelte mich zum Philosophen. Ich hatte kein Auge für die Malerei, ich entwickelte es durch Yoga. Ich transformierte meine Natur von dem, was sie war, zu dem, was sie nicht war. Ich tat dies auf eine besondere Weise, nicht mittels Wunder, und ich tat es, um zu zeigen, was getan werden könnte und wie es getan werden könnte. Ich tat es nicht aus irgendeiner persönlichen Notwendigkeit oder durch Wunder ohne jede Methode. Ich behaupte, wenn es sich nicht so verhält, dann ist mein Yoga nutzlos, und mein Leben war ein Fehler - eine bloß absurde Laune der Natur ohne Bedeutung oder Konsequenz. Ihr scheint alle zu glauben, es sei ein großes Kompliment für mich, wenn Ihr sagt, was ich getan habe, hätte keine Bedeutung für irgend jemanden außer mir selbst - das ist die verheerendste Kritik an meiner Arbeit, die man nur äußern könnte. Ich tat es auch nicht aus eigener Kraft, wenn Du damit den einstigen Aurobindo meinst. Er tat es mit Hilfe Krishnas und der göttlichen Shakti. Ich bekam auch Hilfe aus menschlichen Quellen. (13-2-1935)
... der Yoga ist gegen den eisernen Widerstand des Unbewußten herabgekommen, welches die Grundlage allen Widerstandes im Individuum und in der Welt gegenüber dem Sieg des Geistes und des göttlichen Werkes ist, der zu jenem Sieg führt. Die Schwierigkeiten als solche bestehen generell im Ashram ebenso wie in der Außenwelt. Zweifel, Entmutigung, Nachlassen oder Verlust des Glaubens, Dahinschwinden der vitalen Begeisterung für das Ideal, Verwirrung und eine Vereitelung der Hoffnung auf die Zukunft sind die üblichen Merkmale der Schwierigkeit. In der Welt draußen gibt es viel schlimmere Symptome, wie allgemein wachsenden Zynismus, die Weigerung, überhaupt an irgend etwas zu glauben, weniger Ehrlichkeit, immense Korruption, starke Beschäftigung mit Essen, Geld, Komfort, Vergnügen unter Ausschluß höherer Dinge und ein allgemeines Vorwegnehmen von immer schlimmeren Dingen, die die Welt erwarten. All dies ist, wie akut auch immer, ein vorübergehendes Phänomen, worauf jene, die etwas von den Funktionen der Weltenergie und den Funktionen des Geistes verstehen, vorbereitet waren. Ich selbst sah voraus, daß dieses Schlimmste eintreten würde: die Dunkelheit der Nacht vor der Morgendämmerung; daher bin ich nicht entmutigt. Ich weiß, was sich hinter der Dunkelheit vorbereitet und kann erste Zeichen seines Kommens sehen und fühlen. Jene, die das Göttliche suchen, müssen unbeirrt bleiben und an ihrer Suche festhalten; nach einiger Zeit wird die Dunkelheit nachlassen und schließlich vergehen, und das Licht wird kommen. (9-4-1947)