"Vielleicht liebe ich mein Leben nicht genug, um zum Autobiographen zu taugen", so schreibt er in dem Aufsatz MEINE ZEIT, der gleich zu Beginn dieser Sammlung abgedruckt ist. SEINE ZEIT, die Zeit Thomas Manns, der als Kind dereinst noch den alten Kaiser Wilhelm I. sah, der die Spätzeit der bürgerlichen Welt im ausgehenden 19. Jahrhundert erlebte, ebenso wie die beiden Weltkriege.
Die Texte in dieser Sammlung beinhalten Informationen zur Entstehungsgeschichte der Werke Thomas Manns, verschiedene Lebensläufe, Reisebetrachtungen, vor allem aus Frankreich und der Schweiz, Vorträge, Ansprachen, die Rede zur Verleihung des Nobel-Preises, aber auch Berichte über okkulte Sitzungen und Erlebnisse, Erinnerungen an die Kindheit, Erläuterungen zu seiner Arbeitsweise, Gedanken über den Alkohol und vieles, vieles mehr. Manches ist durchaus amüsant geschrieben, zum Beispiel die Taschentuch-Elevation, das Eröffnungsphänomen jener okkulten Sitzung. Anderes wiederum ist sehr theoretisch.
Einen einzigen großen Nachteil hat diese Sammlung: das Stichwortverzeichnis fehlt. Das ist gerade deswegen bedauerlich, weil viele Themen durchaus mehrfach angesprochen werden, sei es nun die Entstehungsgeschichte von einzelnen Werken Manns oder Details aus seinem Leben. Ohne Stichwortverzeichnis bleibt dem Leser aber nichts anders übrig als alles, wirklich alles akribisch durchzulesen.
Das Inhaltsverzeichnis findet sich übrigens am Schluss. Davor ist ein bibliografischer Nachweis zu den einzelnen Texten abgedruckt, in welchem der jeweilige Hintergrund erklärt wird.
Mein Fazit: Es lohnt sich, den Gedankengängen dieses schöpferischen Geistes zu folgen. Nicht immer ist die Lektüre einfach, aber die einzelnen Fragmente helfen bei der Formung eines Bildes. Und doch:
Nie kann der Mensch, wieviel er auch vollende,
Wie kühn er sei, sich zeigen als ein Ganzes,
Und was er ausführt, gleicht es nicht am Ende
Zerstreuten Blumen eines großen Kranzes?
(Platen, zitiert auf S. 489)