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Über mein Land: Russlands Weg ins 21. Jahrhundert
 
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Über mein Land: Russlands Weg ins 21. Jahrhundert [Taschenbuch]

Michail Gorbatschow
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 232 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (1. Dezember 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548363172
  • ISBN-13: 978-3548363172
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,3 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.118.746 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Gorbatschews neueste Apologie

Eine Lanze für die Sowjetunion – Abrechnung mit Jelzin

Auch bald neun Jahre nach dem Verlust jeglicher Macht wird der erste und letzte Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschew, nicht müde, die von ihm 1985 als frischgebackenem Generalsekretär der KPdSU lancierte Politik der Perestroika und Glasnost als historische Wende zu dem damals ohne Unterlass verkündeten «neuen Denken» und damit zur Demokratisierung des Sowjetstaates anzupreisen. Im weiteren hält er in seinen öffentlichen Äusserungen unbeirrt an der Ansicht fest, die Sowjetunion sei zu «retten» gewesen. Als Hauptverantwortlichen für das von ihm beklagte Verschwinden des Sowjetstaates von der Weltkarte nennt er – wie könnte es anders sein? – seinen langjährigen Herausforderer und Machtrivalen Boris Jelzin. Um die Perestroika und die letzten Züge des Sowjetreiches als Staat geht es auch in dem neuesten Buch von Gorbatschew mit dem Titel «Über mein Land».

Verteidigung der Oktoberrevolution

Der Autor hält an der Meinung fest, die Oktoberrevolution sei im Grunde von Gutem gewesen. Während es der Ablauf der damaligen Ereignisse nahelegt, sie als einen von wenigen Berufsrevolutionären gekonnt angezettelten Putsch zu betrachten, schreibt er, der Umsturz sei das Ergebnis einer Erhebung breiter Schichten der durch Krieg und Instabilität verarmten und demoralisierten Bevölkerung gewesen. Vor dem Hintergrund dieses Gedankenschemas ist es nicht weiter verwunderlich, dass Gorbatschew den Animator und Hauptverantwortlichen der blutigen Revolution vom 25. Oktober / 7. November 1917 und ihrer noch viel blutigeren direkten Folgen, Lenin, in denkbar günstigem Licht erscheinen lässt. Der erste Sowjetführer wird von der Verantwortung für den Bürgerkrieg, der Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, quasi reingewaschen. Ebenso wird verschwiegen, dass die Geburtsstunde der Staatsterrors sowjetischer Prägung in die Zeit von Lenins fast unumschränkter Herrschaft fiel. Auf diese Weise ist es leicht, die Schuld für alle Übel, vom millionenfachen Justizmord bis zur Überbürokratisierung, dem längst überführten Schwerverbrecher Stalin in die Schuhe zu schieben.

Verzicht auf Unterdrückung

Gorbatschew widmet den vom dokumentarischen Gehalt her wohl gewichtigsten Teil seines Buches der politischen Entwicklung in seinen beiden letzten Amtsjahren, 1990 und 1991. Der Ablauf der Ereignisse, der schliesslich im Dezember 1991 in die Auflösung des Sowjetstaates mündete, war an dramatischen Konvulsionen nicht arm. Nationalitätenunruhen in nichtrussischen Gebieten, Massendemonstrationen in russischen Städten und, schliesslich, der Augustputsch von 1991 liessen das Bild eines Regimes im Zustand der Agonie aufscheinen. Gorbatschew hat es jedoch vermieden, in jener Phase, in der ihm, zumindest bis zum 19. August 1991, militärische Machtmittel zu Gebote standen, massiv gegen aufbegehrende Russen und Nichtrussen vorzugehen. Er hat damit, so kann angenommen werden, grösseres Blutvergiessen vermieden, was ihm gewiss hoch anzurechnen ist. Ähnliches kann von seinen Machtnachfolgern Jelzin und Putin nicht gesagt werden. Für die Gewalteruptionen, zu denen es in Tiflis (bereits 1989) und Vilnius kam, lehnt er, wie schon damals, jede direkte Verantwortung ab. Er wiederholt vielmehr seinerzeit öffentlich angestellte Vermutungen über Machenschaften von Betonköpfen um das Politbüromitglied Ligatschew und Verteidigungsminister Jasow.

Der Schiffbruch des Unionsvertrages

Ausführlich schildert Gorbatschew auch seine Bemühungen um den Abschluss eines Unionsvertrages, mit welchem der Sowjetstaat in seinen hergebrachten Umrissen, allerdings zuletzt unter Verzicht auf das nicht mehr zu haltende Baltikum, hätte am Leben erhalten werden sollen. In einem – freilich von mehreren nichtrussischen Sowjetrepubliken boykottierten – Referendum wurde das Vertragswerk schliesslich am 17. März 1991 mit klarem Mehr (76,4 Prozent der Stimmen) gutgeheissen. Auf die Volksabstimmung folgte ein langwieriger Streit um die Benennung des «neuen» Staates, der nach Gorbatschews ursprünglichen Vorstellungen sich noch sozialistisch hätte nennen sollen. Die Diskussion kreiste in der Folge um unverbindliche Formeln, die der Benennung «Gemeinschaft unabhängiger Staaten» (GUS) auffallend nahe kommen. Eine formelle Entscheidung kam nicht zustande und wurde letztlich durch die Auflösung der Union obsolet.

Gorbatschew bedauert diese Entwicklung, für die er nicht zuletzt Intrigen und Unehrlichkeiten Jelzins verantwortlich macht, zutiefst und schliesst mit den Worten: «Die Union wäre zu retten gewesen. Die Gründung einer neuen Union ist möglich.» Als Mitgliedstaaten stellt er sich die drei slawischen Ex-Sowjetrepubliken Russland, Ukraine und Weissrussland sowie Kasachstan vor. Er kann sich anscheinend auch heute noch nicht zur Einsicht durchringen, dass die Existenz des Sowjetstaates, und zuvor auch die des russischen Reiches, nie auf breiter und von den Völkern des Landes als solche empfundener Legitimität beruhte.

Christoph Güdel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Die Zeit, 11.05.2000
Klaus Bednarz macht aus seiner Enttäuschung über dieses Buch keinen Hehl. Er geht sogar so weit, dass er die Vermutung äußert, Gorbatschow habe möglicherweise die "Realität in Russland aus den Augen verloren", zumindest da, wo der Autor die Zukunft Russlands in einer Union mit Weißrussland, der Ukraine und Kasachstan sieht. Auch sonst kann Bednarz dem Buch nur wenig abgewinnen. Er vermisst Visionen, neue Erkenntnisse. Stattdessen scheine es dem Autor vor allem darum zu gehen, dass auch nachfolgende Generationen seine Verdienste anerkennen. Diese Verdienste will Bednarz keineswegs leugnen. Ihn stört jedoch die "Selbstgerechtigkeit und Blindheit eigenen Fehlern und Irrtümern gegenüber" und nennt als Beispiel dafür Gorbatschows Verhalten gegenüber den nach Unabhängigkeit strebenden baltischen Staaten. Dies mache den Leser "nur noch ratlos", resümiert Bednarz.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Analyse des Endes der Sowjetunion, 13. Januar 2005
Von 
Amarczon - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Über mein Land: Russlands Weg ins 21. Jahrhundert (Taschenbuch)
Michail Gorbatschow - Über mein Land: Russlands Weg ins 21. Jahrhundert

In zwei Teilen gibt der ehemalige Präsident der UDSSR, Michail Gorbatschow, in diesem Buch die Entwicklung des eigenen Landes von der Oktoberrevolution 1917, bis zum Zerfall 1991 wieder.

Teil Eins, "Das Erbe der Oktoberrevolution", beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung der Lage Russlands vor der Oktoberrevolution. Es folgt eine ebenfalls recht knappe (ca. 100 Seiten) Beschreibung der Entwicklung der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution bis zur Regierungszeit von Gorbatschow selbst.
Hier beginnt der zweite Teil des Buches: "Die Union wäre zu retten gewesen". In diesem Teil, der ebenfalls rund 100 Seiten umfasst, erläutert Gorbatschow genau, wie es zum Ende der Sowjetunion gekommen ist. Angefangen bei der Perestroika und Glasnost, über den fast zustande gekommenen Vertrag der neuen Union souveräner Staaten, bis zum Minsker Abkommen, dass das Ende der Sowjetunion besiegelte.

Die Geschichte Russlands im 20.Jahrhundert wird hier nur sehr grob umrissen. Die Regierungszeiten von Lenin, Stalin und Chrustshow werden nur kurz angerissen, über Breshnew, Andropow und Tschernenko wird fast nichts bis gar nichts geschrieben. Speziell im Falle von Lenin, kommt auch die Kritik etwas zu kurz. Gorbatschow räumt zwar ein, dass Lenins Machtübernahme blutig verlaufen ist, aber wie gewaltsam sie wirklich war, bzw. wie gewaltsam die folgende Diktatur von ihm war, die Millionen Menschen das Leben gekostet hat, wird nicht weiter erwähnt.
Der erste Teil fällt insgesamt also etwas zu knapp aus.

Der wichtige Teil der Buches ist dann der zweite. Gorbatschow berichtet ausführlich über seine Amtszeit. Dabei legt er natürlich Wert auf die großen Reformen im Rahmen der Perestroika und Glasnost, sowie den neuen Unionsvertrag, der eine komplette Erneuerung des Sowjetischen Systems zur Folge gehabt hätte. Dabei beschreibt er vor allem seinen Kampf, diese Reformen gegen die Kritiker möglichst schnell voranzutreiben. Großen Wert legt er auch (absolut zu Recht) darauf, dass alle seine Handlungen auf demokratischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen beruhen mussten, und nicht wie in der totalitären UDSSR vor ihm, auf der Anwednung von Gewalt.
Dieser Teil, dessen Schwerpunkt auf den beiden letzten Amtsjahren Gorbatschows, 1990 und 1991 liegt, ist durchweg lesenswert und auch von hohem dokumentarischen Wert.
Selbstverständlich muss man sich aber auch immer vor Augen halten, dass Gorbatschow nicht immer objektiv schreiben kann. Immerhin war er selbst die zentrale Person dieser Zeit.

Kritikpunkte in diesem Teil des Buches sind zwei Dinge: Einmal vermisse ich wenigstens ein paar Eingeständnisse von eigenen Fehlern, und zum anderen ist es nicht ganz nachvollziehbar, wenn Gorbatschow das Buch mit dem Fazit beendet, dass eine neue Union mit den Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland möglich wäre.
Übersieht man aber diese etwas seltsame Einschätzung, und ist man sich darüber bewusst, dass die Betrachtungen und Bewertungen nicht immer ganz objektiv sein können, so erfährt man doch recht viel über die kritischen Jahre in der Sowjetunion zu der Zeit der großen Reformen, bis zum Zerfall. Und unter diesem Gesichtspunkt, ist das Buch durchaus lesenswert!

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