Höchst interessant für philosophisch interessierte Leser ist, wie Elias die Kant'schen apriori-Kategorie Zeit als Irrtum der Geschichte abtut. Sein Gegenentwurf, wonach eine Vorstellung der Kategorie Zeit keineswegs angeboren, sondern abhängig vom Entwicklungsstand der Gesellschaft, in der man lebt, ist, wird an einigen Stellen historisch nachzuzeichnen versucht. In so genannten primitiven Gesellschaften, gebe es z.T. gar keine Begrifflichkeit für Zeit. Am Beispiel von Priestern wird veranschaulicht, wie sie u.a. als erste Herrscher über die Zeit Macht erlangten und so Ernte- und Aussaatzeiten regulierten.
Ich hätte mir allerdings eine noch stärker historisch belegte Darstellung gewünscht. So bleibt es neben dem Priesterbeispiel neben Ausführungen zur Einführung von Kalendern häufig sehr im Allgemeinen, was Elias ausführt. Der typisch soziologische "Schwafelstil", d.h. eine Ballung von z.T. eher komplizieren Begriffen, hinter denen eine überschaubare Menge an Inhalt steckt, schmälert den Gesamteindruck etwas. Aber das scheint mir für soziologische Literatur leider normal. Dennoch halte ich die Ausführunge insgesamt für sehr lesenswert, insbesondere, wenn man sein Weltbild gerne in Wanken bringen lässt und für neue Perspektiven offen ist.