Es gibt Texte, die allein mit Worten, Ideen und Argumenten den Lauf der Weltgeschichte nicht nur verändert sondern mitbestimmt haben. Lockes "Über die Regierung" gehört mit Sicherheit zu dieser Reihe von Werken. Wer es gelesen hat, erfährt mehr über die Welt, in der er lebt, und über die Ursprünge so vieler gesellschaftlicher Einrichtungen, die so umfassend das moderne Leben prägen, dass man schon vergessen hat, dass sie keine Selbstverständlichkeit sind. Von unsereren Staatsauffassungen bis zu unseren Staatsverfassungen, von unseren politischen Institutionen bis in die Ideengeschichte unserer politischen Parteien - die Locke'sche These von der naturrechtlich begründeten Souveränität des Menschen hat so weite Kreise gezogen, dass wir in (verwirklichten) Locke'schen Ideen "schwimmen", von ihnen, auch in unserem individualistischen - eben liberalistischen - Selbstverständnis, allzeit umgeben, eingehüllt sind, wie, ja, wie Fische im Wasser... die das Medium gar nicht mehr sehen, in dem sie ihr Leben verbringen. Historische Lektüre, zumal wenn sie so einfach verständlich und argumentativ weitgehend stringent daherkommt, wie in der Abhandlung "Über die Regierung", kann einem hier die Augen öffnen dafür, warum die Moderne, unser aller Zeitalter, so ist, wie sie ist!