... und uns einiges über Yin und Yang zu erzählen hat, dass es einem/r das Herz (und nicht nur die Augen) zu öffnen vermag. Ich würde den Autor ja gerne zitieren, aber die Auswahl scheint schier unmöglich zu sein. Denn ich müsste eine ganze Seite zitieren, um die grandiose Komposition dieses Werkes nicht willkürlich zu zerreißen. Naja, mal sehn, vielleicht zitiere ich doch den einen oder anderen Satz.
José Ortega y Gasset verstand Philosophie stets als das Fragen nach der menschlichen Existenz schlechthin. In diesen Essays mit den Titeln "Vom Einfluss der Frau auf die Geschichte", "Meditation über den Rahmen", "Gespräch beim Golf oder Über die Idee des Dharma", "Züge der Liebe", "Schweigen, das große Brahman" u.a.m. behandelt er die Liebe wie einer, der weiß, wovon er spricht. Da zeigt er uns, auf welche Weise Verliebtheit als Phänomen der Aufmerksamkeit verstanden werden kann. Der goldene Schimmer, der die geliebte Person zu Beginn umgibt, wird vom Autor ebenso virtuos beschrieben wie sein Ursprung und seine Verbundenheit mit der mystischen Begeisterung. Auch was er das "metaphysische Gefühl" nennt, mit anderen Worten: die Karte, auf die ein Mensch sein Leben setzt (sei es Kunst, politischer Ehrgeiz, sinnliche Lust, Geld...), auch davon handelt dieses wirklich außergewöhnliche Buch.
"So ist die Liebe ihrem eigenen Wesen nach Wahl. Und da sie aus dem Kern der Person, aus der Seelentiefe aufsteigt, sind die Auswahlprinzipien, die über sie entscheiden, zugleich die innersten und geheimsten Wertungen, die unseren individuellen Charakter formen." (S. 177)
Dieses Buch ist für jeden Menschen, der an Philosophie, Psychologie, Theologie, Anthropologie... und am Verhältnis zwischen Liebe und Sexualität und an der unterschiedlichen Wirkung von Instinkt und bewusstem Wählen, schließlich an der Entdeckung des Selbst und der Bedeutung einer "Aussprache" als Zeichen wahrer Freundschaft interessiert ist. Und wer könnte behaupten, daran nicht interessiert zu sein? ... Eben.