Ein spannendes Buch zu einer spannenden Studie: Gabriele Klocke näherte sich mittels teilnehmender Beobachtung und themenzentrierter Interviews dem Kommunikationsraum Gefängnis - in ihrem Buch stellt sie die Ergebnisse ihrer umfangreichen Studie vor. Dabei konzentriert sie sich nicht nur auf die Perspektive der Inhaftierten, sondern beleuchtet auch Interaktionsmuster des Anstaltspersonals, vom Leiter der JVA bis hin zum Gefängnisseelsorger. Ihre Analyse ist dadurch weder einseitig noch langweilig, ich persönlich hatte das Gefühl ein komplexes, vielfältiges Bild der Sprachkultur im geschlossenen Strafvollzug (mit all seinen Widersprüchlichkeiten) vermittelt zu bekommen. Die Autorin bewegt sich im interdisziplinären Feld zwischen Soziolinguistik und Kriminologie, schreibt jedoch auch für Laien verständlich. Als besonders hilfreich empfand ich die Einführung in die Organisation einer Justizvollzugsanstalt und die theoretischen Vorüberlegungen. Als Wissenschaftler hat mich in erster Linie die ausführliche Diskussion der Erhebungsmethoden und der Ergebnisse interessiert - ich vermute, dass für Angestellte im geschlossenen Strafvollzug insbesondere die kritischen Anmerkungen der Autorin hilfreich sein könnten, um den eigenen Arbeitsalltag zu reflektieren und zu verbessern.