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Über die Freundschaft
 
 
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Über die Freundschaft [Gebundene Ausgabe]

Jacques Derrida , Michel de Montaigne
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 90 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 3 (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518223313
  • ISBN-13: 978-3518223314
  • Größe und/oder Gewicht: 18,5 x 12,1 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Michel Eyquem de Montaigne
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das Bedürfnis nach Abgrenzung gegenüber der Dekonstruktion ist in der philosophischen Zunft hierzulande immer noch groß. Dabei mag es auch en vogue sein, Autoren wie Derrida den unpolitischen oder tendenziell reaktionären Charakter ihres Denkens vorzuwerfen. Derridas Philosophie hat indessen in den letzten Jahren eine neue Färbung angenommen. Angesichts einschlägiger Beiträge zu Rechtsstaatlichkeit sowie zur demokratischen Zukunft Europas, wird man Derrida nicht länger politische Indifferenz oder elitäre Ignoranz im Stile Heideggers vorwerfen können. Dies beweist auch das erst vor wenigen Monaten in deutscher Sprache erschienene Buch Politik der Freundschaft, dessen siebtes Kapitel der Suhrkamp Verlag nun als Sonderdruck gemeinsam mit Montaignes Essay Über die Freundschaft herausgegeben hat.

"O meine Freunde, Freunde gibt es nicht." Dieser wundersame Satz, dessen Ursprung sich nicht mehr rekonstruieren lässt und der noch von Montaigne als Aristoteles-Zitat ausgegeben wurde, bildet das Glied einer langen Zitatenkette. Für Jacques Derrida ist er Anlaß, an eine vernachlässigte Lesart zu erinnern, die aus der vokativen Anrufung ein Dativpronomen werden läßt: "Der, dem Freunde gegeben sind, dem ist kein Freund gegeben." Damit verschiebt sich der Akzent der Aussage: Die nahe liegende Deutung, nach der es keinen wahren Freund gibt, drängt sich nicht mehr unmittelbar auf. Vielmehr rücken die Zahlenverhältnisse in den Blick: Kann, wer mehrere Freunde hat, tatsächlich einen Freund haben? Es würde den Einsichten dekonstruktivistischer Lektürepraxis widersprechen, entschiede sich Derrida schlicht für die eine oder andere Lesart. Gälte es nicht vielmehr die Logik schlichter Entgegensetzungen, und sei es die besonders schillernde, von Carl Schmitt ins Spiel gebrachte zwischen "Freund" und "Feind" aufzubrechen?

Derridas verschlungene Interpretation legt solche Fragen nahe. Vor allem aber eröffnet sie die Perspektive auf eine, von der kanonischen Freundschaftskonzeption ausgegrenzte Vorstellung, nämlich eine Freundschaft jenseits der rein männlichen Schwurgemeinschaft. Eine Politik jenseits des Brüderlichkeitsprinzips: Das ist Derridas politische Hoffnung, die seine einmal mehr die Ketten der Tradition aufsprengende Lektüre unterschwellig leitet.

--Jens Kertscher

Kurzbeschreibung

Jacques Derrida fasziniert die zugleich politische und unpolitische Struktur von Montaignes Begriff: die Freundschaft am Anfang aller Gesellschaft und über die Gesellschaft erhaben. Über die Freundschaft präsentiert im ersten Teil Derridas Überlegungen und danach "Essai" in Hans Stiletts vielgelobter neuer Übersetzung.

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Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Keinem werden wir und keiner uns ganz angehören." (260)
(Balthasar Gracián, 1601-1658)

Scheint es vermessen, Freundschaft zum Privileg einer Epoche zu machen, fällt dennoch auf, dass im Schiller-Jahr 2009 die Jahrhundertwende um 1800 als die Epoche der Freundschaft sich zeigt. "O es wäre eine Freude, so eines Mannes Freund zu sein" steht im scheinbaren Widerspruch zu "O Freunde, es gibt keine Freunde". Hölderlins Wunsch ist kongruent der Aristotelischen Logik und genau Letzterem fühlt sich Michel de Montaigne verpflichtet, wenn er "Von der Freundschaft" berichtet, die ihn prägt aus dem antiken Wissen von Platon, Aristoteles, Cicero, Seneca und vor allem aus der Erfahrung einer eher freundschaftslosen Zeit der Kriege mit seinem Freund La Boétie. So wie Aristoteles Tugend und Vernunft, vor allem männliche, ausmachte als Basis einer Freundschaft, lesen wir auch bei Laertius, dass Aristoteles die Einheit zweier Seelen in einer und doch in zwei Körpern als die Maxime dieser Freundschaft ansah. Montaigne widmet sich diesem Gedanken, führt Beispiele aus dem alten Rom dazu und nimmt sich und La Boétie als Maßstab einer Vollkommenheit, wie "sie alle 300 Jahre" nur vorkommen könne als "eine wahre Freundschaft, die vom ganzen Menschen Besitz ergreift". Als ob die lange unerlebbare Zeitspanne Montaignes Gracians warnende Vorsicht treffen soll.

Jacques Derrida, der Meister der Dekonstruktion, führt die Begriffe Freund und Feind, kommend von Carl Schmitt und Nietzsche, zusammen. Nietzsches Aphorismus: "Freunde, es giebt keine Freunde", so rief der sterbende Weise; Feinde, es giebt keine Feinde! - ruf ich, der lebende Thor." verwandelt Freund und Feind zusammen zu einer Einheit in der Betrachtung, heraus aus der griechischen und römischen Prägung hinein in eine Augustinische Bedeutung, nämlich in einer Freundschaft zu Gott, dieser "einzigen Seele in zwei Körpern" und einer Liebe zum Feind über den Auftrag des Freundes (=Gott: Liebe Deinen Nächsten).

Doch wer sind wir und wo, wenn weder Freund noch Feind zur Ortsbestimmung dient? In dieser Zeit, die aus den Fugen ist, hilft Carl Schmitt Derrida, in dem er von der Strukturfrage der Zugehörigkeit oder Angehörigkeit redet, nämlich des Eigenen im Zusammenspiel der miteinander geteilten Eigenschaften, diese öffentlichen und privaten Lieben, die die Freundschaft bestimmen. So wie Aristoteles die Freundschaft als politische Größe oberhalb der Gerechtigkeit ansah, so hält Augustinus das Messianische bestimmend in der Freundschaft zu Gott, was Derrida als immerwährendes Kommen benennt und annimmt, dass es alles zerstörte, wenn es denn da wäre. Freundschaft als vollkommene Übereinstimmung der Seelen nach Aristoteles / Montaigne und im christlich augustinischen Sinn als geistige Übereinstimmung in einer Erwartung.

Der Rezensent empfiehlt den Montaigne Text zuerst zu lesen, um mit den Querverweisen Derridas besser umgehen zu können. Derrida schreibt seinen Gedankengang sehr verständlich, zeugt mit Hilfen der Antike, sei es Platon, Aristoteles oder Diogenes Laertius und Cicero und löst geschickt manches Paradoxon. Durch die gesamte antike Philosophie zieht sich die Wertschätzung von "philia" und "amicitia". Von Platon bis Cicero werden beide zur Grundlage des gelingenden Lebens. Mit Augustinus kommt die "christiana caritas" hinzu, die alle Menschen verbindet. Montaigne erst in der Renaissance bringt die Kontingenz des eigenen Ichs in einem anderen zum Vorschein und hilft dort die Fragen bzw Aussagen Aristoteles zu entziffern. Das Kantsche "zweckfreie Füreinander-dasein" wird in der Tugend kultiviert und nun, im Schiller-Jahr, wird wieder deutlich, was die Romantik im Imperativ: "An meinen Busen" meinte. "Wer ein Freund von allen ist, hat keinen Freund", so das Kantsche Urteil der aristotelischen Aussage, hin zu einer besonderen Singularität. Plutarch warnt gar vor Freundschaft nachahmenden Schmeichlern.

Mit dieser Dechiffrierung der Freundschaft, die Gleichheit vor Einzigartigkeit stellt und die Aussagen Aristoteles und Nietzsches analytisch beleuchtet, ist Derrida ein großer Wurf gelungen, den der Rezensent zu lesen empfiehlt. Der noch klagende Aristoteles: "O Freunde, es gibt keinen Freund" wird sich umstellen können und fröhlich rufen: "O Freunde, es gibt nicht nur einen Freund." Die Einzigartigkeit Montaignes und La Boétie wird bei Derrida Geschichte.

Zusatzempfehlung: Philosophie der Freundschaft.
--
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Jürgens "Bücher" TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch hat die Überschrift über die Freundschaft, es ist aber auch ein Essai über sittliche Grundfragen. Montaignes Gedanken zur Familie, zu den unterschiedlichen Schattierungen von Freundschaft und dem Sinn des Lebens sind lesenswert.
Der Leser erfährt in dem Buch so einiges zu den alten Philosophen, weil er deren Gedanken liebte (siehe Kopfzeile). Er verweist z.B. auf Äsops mehrdeutige Fabeln, deren doppelter Sinn oft übersehen wird. Senecas Briefe und die kurzen Texte von Plutarch, in ihrer einfachen und trefflichen Art enthalten für ihn große Wahrheiten, für ihn sind sie einfach das Beste und Nützlichste. Montaigne erklärt dem Leser, gerade im Alterum war bei nicht wenigen Menschen das Hauptziel die Weisheit, wohingegen wir heute, einfach unseren Neigungen und Begierden folgen, wie der Wind der Gelegenheit eben bläst.
Man sieht seine Gedanken sind eigentlich zeitlos, auch wenn sie bereits im Jahre 1580 veröffentlicht wurden.

Zitat aus dem Buch:

"Ein jeder Mensch weiß nur selbst, ob er feig und grausam ist, ob er gottlos oder fromm ist. Andere Leute sehn ihn nicht, sondern erraten ihn nur nach ihren ungewissen Vermutungen."
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