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„Über den Dächern von Nizza" ist einer der leichteren Filme Alfred Hitchcocks und trotzdem voller typischer Motive des Regisseurs. Hitchcock bedient sich hier zweier seiner Lieblingsthemen. Zum einen erzählt er die Geschichte eines Unschuldigen, der entgegen sämtlicher Indizien, versuchen muss seine Unschuld zu beweisen, zum anderen...Sex.
Das erste Thema ist der hitchcocksche MacGuffin des Films. Ganz banal übersetzt könnte man sagen ein MacGuffin ist eine Art Finte mit der Hitchcock die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf ein bestimmtes Thema lenkt, welches die Geschichte vorantreibt, jedoch mit dem eigentlichen Kern der Geschichte nichts zu tun hat. In „To Catch a Thief" passiert genau das. Die Suche nach dem Juwelendieb, der „copy-cat", ist das Vordergründige, der Suspense der Geschichte ist jedoch der Sex und die Liebe. Gelingt es Frances John Robie um den Finger zu wickeln, oder nicht?
"To Catch a Thief" - Beide fangen einen Dieb, sowohl Garry Crant als auch Grace Kelly. Schöner Titel, großes Kino! Die deutsche Übersetzung ist da wohl eher ein Witz.
Aber zurück zum Sex. Heutzutage würde man Hitchcocks Werk wohl nicht als „gewagt" bezeichen, in den 50er Jahren jedoch waren die Leute von der Zensur noch ein bisschen strenger. So durften beispielsweise in den Strandszenen keine Bikinis gezeigt werden. Vor diesem Hintergrund könnte man die wunderschön eindeutig, zweideutigen Dialoge schon als gewagt kennzeichnen. („Do you want leg or breast?" „You make the choice" ; "I have a feeling that tonight you're going to see one of the Riviers's most fascinating sights...I was talking about the fireworks" um nur zwei Beispiele zu nennen.)
Schauspielerisch können sowohl Grace Kelly als auch Carry Grant voll überzeugen. Carry Grant, der eigentlich keine Filme mehr drehen wollte, konnte jedoch noch einmal von Alfred Hitchcock überredet werden. Gott Sei Dank, muss man sagen, denn scheinbar hat es ihm so gut gefallen, dass er im Anschluss noch „North By Northwest" („Der unsichtbare Dritte") mit Hitchcock zusammen gedreht hat. Was dem Weltkino da entgangen wäre!
Für Grace Kelly war es aber definitiv der letzte Film mit Alfred Hitchcock, bevor sie nach Monaco ging. Sie war eine der Lieblingsdarstellerinnen des Regisseurs - und das zurecht. Sie ist wunderschön und wirkt in jeder Einstellung unnahbar. Kelly entspricht in jeglicher Hinsicht dem hitchcockschen Bild der mondän reservierten blonden Schauspielerin (Zitat Hitchcock: „Ich brauche Damen, wirkliche Damen, die dann im Schlafzimmer zu Nutten werden"). Passt wie Faust aufs Auge, wenn mir dieser Kommentar gestattet ist...
Kurz erwähnen möchte ich aber auch noch die fabelhafte Jessie Royce Landis, alias Mrs. Stevens. Auch sie ist übrigens in „Der unsichtbare Dritte" zu sehen - als Carry Grants Mutter. Das Thema der Mutter ist auch ein sehr bekanntes Thema in Hitchcocks Filmen und Jessie Royce Landis wohl eine der gelungensten Besetzungen.
Was bleibt unterm Strich zu sagen? „Über den Dächern von Nizza" ist ein typisch hitchcockscher Film, der sogar mit zu den besten seines Genre zählt. Ansonsten enthält der Film viele typische Elemente, die man auch aus anderen Filmen des Regisseurs kennt, trotzdem kommt er frisch und mit viel Witz rüber. Der Suspense hält sich bei „To Catch a Thief" eher in Grenzen, ist aber nicht weiter schlimm, denn die Schauspieler sind atemberaubend. Alles in allem ein wirklich runder Film! Klasse!
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