Unser grosser Held schleicht sich mit falscher Identität auf einer Party der gehobenen Gesellschaft ein, erregt die Aufmerksamkeit der Damenwelt, nimmt an der Präsentation einer Superwaffe teil, die der Gastgeber illegalerweise versteigern will, stiehlt sich dann davon, schleicht sich durch die Luftschächte ins Büro seines Widersachers, legt dabei einige Wachmannstatisten um, klaut danach den Datenkristall mit den Informationen der Superwaffe, der nebenbei bemerkt für alle gut sichtbar in einem Glaskasten aufbewahrt wird, und stürzt sich dann unter Feindfeuer vom obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers in die sturmgepeitschte Nacht - und dann geht ein Geheim-Fallschirm auf, den er die ganze Zeit unter seinem Abendjackett versteckt hatte.
*Schnitt*
An diesem Punkt ist der Prolog zu Ende, und man kann beinahe die Titelmelodie eines James Bond-Films im Hintergrund hören. Hier habe ich dann ernsthafte Zweifel bekommen, ob mir der Rest des Buches gefallen würde.
Aber weiter: Unser CBT-Bond kehrt zu seinem Hauptquartier zurück, spricht bei seinem Chef vor, wird auf einen neuen Auftrag geschickt und bekommt dann noch von seinem "Q" neues Spielzeug. Und auf seiner nächsten Mission trifft er zufällig die Frau wieder, auf die er schon im Prolog aufmerksam wurde. Später soll er natürlich umgebracht werden, und... aber das reicht jetzt mit den Spoilern (und Klischees).
David Gibbs, so heisst unser CBT-Bond, ist mehr als deutlich an den allseits bekannten Superagenten angelehnt, um nicht zu sagen geklont. Frauen, flotte Sprüche, hochtechnisches Spielzeug, umfassende Fähigkeiten (ich wäre eher überrascht gewesen, wenn er KEINEN Mech steuern könnte), kritische Situationen, aus denen er jedes Mal unverletzt wieder entkommt - passt alles perfekt in einen Bond-Film. Aber ins Battletech-Universum? Ist das nicht etwas zu "unrealistisch" (sofern man in einer fiktiven SciFi-Umgebung überhaupt von Realismus sprechen kann)?
Meiner Meinung nach nicht, denn Diel präsentiert Gibbs und seine Taten immer wieder mit einem guten Schuss Selbstironie. Das gelingt ihm zwar nicht immer, manchmal sind Gibbs Äusserungen z.B. einfach nur peinlich, aber es wird zum Ende des Romans hin immer besser, besonders wenn Gibbs selbst etwas mehr Sarkasmus zeigt. Und auch die Handlung wird mit der Zeit nicht mehr ganz so vorhersehbar wie am Anfang. Da verzeiht man dann auch das absolut typische und durch und durch klischeehafte Bond-Ende.
Aber der Roman besteht ja nicht nur aus Gibbs, sondern beinhaltet auch diverse andere Handlungsstränge, wobei die meisten auf der allerhöchsten Ebene der Sphären- und Sternenbundpolitik spielen. Die Darstellung vom Koordinator des Kombinats ist zwar etwas... nun... ungewöhnlich, zeigt aber deutlich eine der grossen Schwächen in einem totalitären Staatssystem auf. Alles in allem gefallen mir die Romankapitel mit der Sphärenpolitik sehr gut. Zwar berühren sie die Storyline von Gibbs nicht besonders oft, wodurch der Roman nicht ganz wie aus einem Guss wirkt, aber das kann auch daran liegen, dass die Handlung von 2599 bis 2605 geht, und dadurch erzwungenermaßen ein paar Zeitlücken entstehen.
Zum Kern der Geschichte, der "Verschwörung, die bis in die allerhöchsten Regierungskreise hinaufreicht und zum Ersten Lord des Sternenbundes zu führen scheint", muss ich leider sagen, dass ich nach dieser Ankündigung im Flappentext etwas mehr erwartet hätte. Ok, es ist nicht wirklich enttäuschend, aber da der aufmerksame Leser die Lösung bereits nach knapp 200 Seiten kennt, ist es auch nicht sonderlich überraschend, wenn Gibbs es schliesslich selbst herausfindet. Diel könnte mit seinen Hinweisen ruhig noch etwas sparsamer sein, bei "Wahnsinn und Methode" war es ja ähnlich.
Mechgefechte haben wir eines, und das ist nicht besonders beeindruckend, aber so etwas hat in einem Roman dieser Art nicht unbedingt was verloren, von daher ist es in Ordnung. Was mir persönlich nicht gefällt ist der Übergang zwischen Kapitel 14/15, hier könnte noch kurz beschrieben sein, wie Gibbs eigentlich plötzlich in ein anderes Sternenreich gekommen ist, denn mit Sicherheit haben seine Peilsender keine Reichweite von mehreren Lichtjahren. Ein paar Sätze, dass er sein Ziel in den Raumhafen verfolgt und ihn dort beim Buchen eines Fluges beobachtet hat, oder was ähnliches, wäre ganz nett, denn ich bin beim ersten Lesen darüber gestolpert und habe mehrfach blättern müssen. Und die Flucht des Attentäters ist auch wieder so ein Part, bei dem selbst der SciFi-Realismus Risse bekommt.
Positiv: Wir wissen jetzt, woher der Shandra-Scoutwagen seinen Namen hat, und ausserdem passt das Titelbild des Buches diesmal zum Inhalt. Aber jetzt Schluss mit der ganzen Besserwisserei, und her mit meinem Fazit:
Würde das Buch alleine von Gibbs handeln und so bleiben wie am Anfang, käme es nicht über 2 Sterne hinaus. Da sich die Story unseres CBT-Bonds mit der Zeit aber besser entwickelt und etwas unberechenbarer wird, gibt es noch einen Stern dazu. Den Rest mit der Sphärenpolitik und den anderen Protagonisten kann ich uneingeschränkt als "sehr gut" bezeichnen, also 5 Sterne. Zusammengenommen ergibt sich daher eine Endbewertung von 4 Sternen, insgesamt gesehen ist das Buch also gut bis sehr gut. Zwar hat es ein paar Schwächen, ist aber auf jeden Fall besser als "Wahnsinn und Methode", Diels erster CBT-Roman. Ich freue mich daher ehrlich auf sein nächstes Werk.