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Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik
 
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Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik [Taschenbuch]

Hannah Arendt , Ursula Ludz
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 5 (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492250637
  • ISBN-13: 978-3492250634
  • Originaltitel: Some Questions of Moral Philosophy
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 102.525 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Hannah Arendt
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Hannah Arendt wollte wissen, was alle wissen wollen, die angesichts der NS-Verbrechen fassungslos sind: Wie konnte dies geschehen?« Franziska Augstein in ihrem Nachwort »Die Kraft ihrer Texte liegt darin, dass Arendts Denken an konkrete Geschehnisse gebunden ist wie der Kreis an einen Mittelpunkt.« Der Tagesspiegel

Kurzbeschreibung

Die große Philosophin nimmt hier ihre Idee von der »Banalität des Bösen« wieder auf. Sie denkt über Ethik und Moral, Gut und Böse nach. Ein starker Text von ungebrochener Aktualität.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Es tut mir leid, aber ich muss beiden Rezensenten widersprechen. Ich finde diese Vorlesung über das Böse grandios und das aus mehreren Gründen. Zunächst ist es sicherlich die sinnliche Präsenz und die persönliche Ansprache, die dem Arendtschen Stil inne wohnt und der in dieser Vorlesung in gesteigerter Form hervorsticht. Hier kann man ihr beim Nachdenken buchstäblich zu sehen. Sie spricht klar und ohne intellektuelle Attitüde, wobei die Sache, die verhandelt wird, sicherlich keine leichte Kost ist. Arendt ringt wirklich mit diesem Problem, denn sie ist und war von ihm existentiell betroffen. Diese Vorlesung über das Böse ist im Kontext der Eichmann-Debatte gehalten worden, in der Arendt heftig wegen ihrer Rede von der "Banalität des Bösen" angegriffen worden ist. Diese Vorlesung kann als Versuch gelesen werden, diese Charakterisierung des Bösen als banal zu reflektieren und zu erläutern. Wer also immer schon mal Wissen wollte, warum Arendt Eichmann Gedankenlosigkeit als Kern seiner banalen Boshaftigkeit vorgeworfen hat, dem sei diese Vorlesung wärmstens empfohlen. Eine weitere Frage, die in dieser Vorlesung behandelt wird, ist die Frage nach der moralischen Qualität des Denkens, also kann das Denken Unrecht und Ungerechtigkeit verhindern, und wenn ja, wie und warum. Ein dritter Grund, dieses Buch zu lesen, ist der originelle Überblick über die Geschichte der Moralphilosophie: Von Sokrates, Platon, Aristoteles, über Jesus, Paulus, Augustinus hin zu Kant und Nietzsche werden die Ansichten über das Böse dargestellt und kommentiert. Dabei verfährt Arendt so, dass sie die unterschiedlichen Autoren in ein Gespräch bringt, in dem es nicht so sehr um fertige Antworten und Lösungen, sondern immer um Anregungen zum weiter und selber Denken geht. Das mag den/die eine/n oder andere/n unbefriedigt lassen und enttäuschen, an sich ist es aber die beste Tradition der Aufklärung, Menschen zum eigenständigen, kritischen Denken anzuregen. In diesem Sinne endet das Buch auch mit der Aufforderung zum eigenen Urteil als Widerstandskraft gegen Opportunismus, Konformismus und die Banalität des Bösen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Was ist das Böse? Hannah Arendt, die 1933 aus Deutschland floh und über Umwegen nach Amerika ins Exil ging und dort nach und nach über die schrecklichen Details der "Endlösung" informiert wurde, hat sich bereits vor ihrer 1965 in New York gehaltenen Vorlesung "Some Questions on Moral Philosophy", die in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Über das Böse" vorliegt, an einem konkreten Beispiel mit dem Bösen auseinandergesetzt. 1961 verfolgte sie in Jerusalem den Prozess gegen Adolf Eichmann. Das wahrhaft Schockierende an Eichmann stellte für Arendt seine geradezu obszöne Normalität und Durchschnittlichkeit dar, wo man doch im Angesicht von sechs Millionen ermordeter Menschen eigentlich den Teufel in Menschengestalt erwartet hätte. Wohl auch die exemplarisch an Eichmann beobachtete Banalität des Bösen veranlasste Arendt dazu, sich auf allgemeinerer Ebene mit dieser Thematik auseinander zu setzen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: "Über das Böse" ist keine Fortsetzung des Eichmann-Buches. Nur sehr selten geht Arendt auf gegenwärtige Entwicklungen ein. Im Zentrum der Vorlesung steht ihre Auseinandersetzung mit der Moralphilosophie Kants und Aristoteles sowie deren Konsequenten für gutes oder böses Handeln. So entwickelt sie zuerst an Kant angelehnt ihren zentralen Maßstab für moralisch korrektes Verhalten: "Es geht bestimmt nicht um die Sorge für den Anderen, sondern um die Sorge für das Selbst, nicht um Demut, sondern um menschliche Würde, ja menschlichen Stolz. Maßstab ist weder die auf irgendeinen Nachbarn gerichtete Liebe, sondern die Selbstachtung" (35). Des Weiteren hält sie, wiederum mit Kant, fest, dass "moralisches Verhalten nichts mit Gehorsam gegenüber irgendeinen von außen gegebenen Recht zu tun" (36) hat. Hier kommt deutlich der Unterschied zwischen Legalität und Moral zur Geltung. Unweigerlich muss der Leser an dieser Stelle an Eichmann denken, der während des Prozesses stets betont hat, sich doch während seiner aktiven Tätigkeit im Dienste der SS immer penibel an geltendes Gesetz gehalten zu haben und somit doch selbst Opfer eines verbrecherischen Regimes gewesen zu sein. Aus der von Arendt aufgestellten Prämisse, dass das zentrale Kriteriums moralischen Verhaltens die Selbstachtung einer Person sei, entwickelt sie ihre Definition des Bösen: "Das größte begangene Böse ist das Böse, das von Niemanden getan wurde, das heißt, von menschlichen Wesen, die sich weigern, Personen zu sein" (101). Wieder denkt man an Eichmann, der sich selbst nie als handelnde Person, sondern lediglich als kleines Rädchen im Gesamtgetriebe des NS-Staates sah.

Das Böse als Flucht vor der Verantwortung, als die Weigerung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, als den permanenten Verweis auf als heilig geltende Befehlsketten. Ein Fazit ihrer Analyse liefert Arendt im legendären Abschlusssatz ihrer Vorlesung, der in einer Welt von Mitläufern und Wegsehern aktueller denn je ist: "Diese Indifferenz stellt [...] die größte Gefahr dar, auch wenn sei weit verbreitet ist. Und damit verbunden und nur ein bißchen weniger gefährlich ist eine andere gängige moderne Erscheinung: die häufig anzutreffende Tendenz, das Urteilen überhaupt zu verweigern. Aus dem Unwillen oder der Unfähigkeit, seine Beispiele und seinen Umgang zu wählen, und dem Unwillen oder der Unfähigkeit, durch Urteil zu Anderen in Beziehung zu treten, entstehen die wirklichen 'skandala', die wirklichen Stolpersteine, welche menschliche Macht nicht beseitigen kann, weil sie nicht von menschlichen oder menschlich verständlichen Motiven verursacht wurden. Darin liegt der Horror des Bösen und zugleich seine Banalität" (150).

Fazit: Große Philosophie von immerwährender Aktualität. Das Böse ist nicht das Monströse als das wir es gerne hätten, sondern die banal-alltägliche Gleichgültigkeit des Menschen, von der jeder auch einen Teil in sich selbst findet.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eine Denkschrift 6. April 2012
Von Edgar
Format:Taschenbuch
"Das Böse ist schnell getan, die meisten sind dazu in der Lage. Wenn »der Feind« einmal definiert ist,...."
Es sind ernüchternde Abschlussworte eines Versuchs den furchtbaren Auswuchs des Nationalsozialismus begreiflich zu machen. Und es kann in der Tat nur ein Versuch sein. Denn am Ende bleiben dem befangenen Leser auch hier wieder nur die vergeblichen Worte: "Es hätte niemals geschehen dürfen."
Doch trotz der Schwere und der Traurigkeit, die unvermeidbar das Argument betäuben, so spürt man bei Hannah Arendt aber auch immer noch etwas Lebendiges. Und diese Lebendigkeit macht aus dem Gedenken zugleich auch ein Schöpfen von Hoffnung für ein Morgen.
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