Ausgehend vom Positivismus der die Quelle der Erkenntnis auf das Beschreibbare und bloße Sammeln von Daten reduziert; Rückschlüsse auf die Erklärbarkeit der Welt aber nicht gestattet, beginnt im Prinzip "Über alles in der Welt".
Die bestehende Wissenschaftsphilosophie darf als positivistisch eingeschätzt werden. Der Irrationalismus ist ihr folgerichtiges Produkt.
Wen wundert es da, dass sich Angebote zur Suche nach vermeintlich höherem Erkenntnisgewinn immer stärker durchsetzen. Jüngst wurde in Regierungskreisen beispielsweise ein Verbot der Gentechnologie in der Landwirtschaft laut. Dieses wird aber etwa nicht wissenschaftlich, sondern als abzulehnender Eingriff in die "Schöpfung" begründet. Die Esoterik ist also längst auch in den Eliten dieser Gesellschaft angekommen. Konzerne wie Bertelsmann oder Siemens unterstützen anthroposophische Projekte. Etwa 230 Millionen Euro fließen jährlich aus Staatsmitteln an Waldorfschulen. Unter esoterischen Aufrufen findet man die Unterschrift von Bundestagsabgeordneten und Gewerkschaftern.
Der Gefährlichkeit dieser Entwicklung widmet die Autorin Claudia Barth dem Hauptteil ihres Buches. Dieser gliedert sich grob in zwei Stränge: Einen historischen und einen, der sich mit der Gegenwart nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Dabei geht sie auf prominente Vertreter wie Blavatsky, Steiner, Capra oder auch den Dalai Lama ein und beleuchtet Verbindungen wie die Wandervogelbewegung oder das Thule-Seminar.
Der Rückgriff der heutigen esoterischen Vertreter auf die gleichen Konstrukte ihrer Vorgänger verblüfft. Das beunruhigt, weiss man um die menschenverachtenden und rassistischen Auswüchse dieser Überzeugungssysteme.
Die Kompatibilität zwischen Esoterik und Faschismus wird anhand gemeinsamer zentraler Denkmuster herauskristallisiert . Die große Frage die Barth hierbei in den Raum stellt, ob die gleichen ideologischen Wegbereiter des Faschismus von einst, wieder dazu bedient werden, die bürgerliche Demokratie auszuschalten.
Das im Alibri-Verlag erschienene Buch, darf neben Jutta Ditfurths "Entspannt in die Barbarei" oder Colin Goldners Wälzer "Die Psycho-Szenze", quasi als Standardwerk für die Einführung in die Esoterik-Kritik gewertet werden. Es gibt einen interessierenden Überblick über wesentliche Elemente moderner Esoterik, sowie eine Einführung zu deren Entstehung, abgerundet durch weiterführende Literaturhinweise.
In eine nachdenkliche Unruhe stimmt das abschließende Plädoyer dieses Titels, welches für eine ausbeutungsfreie Gesellschaft, die als Grundlage für "die Möglichkeit zur Überwindung der irrationalen religiösen Bedürftigkeit" postuliert wird.