Mich hat am meisten die Schilderung der familiären Verhältnisse in Bann gezogen. Introvertierte Eltern, die ihrem einzigen Kind die eigenen Ängste und starr angewandten Überlebens-Mechanismen einzupflanzen versuchen. Angsteinflößend für sie ist dabei alles, was sich außerhalb der eigenen Wohnung abspielt, selbstverständlich auch Körperlichkeit, Bewegung und Sinnlichkeit. Wie schwierig der Ausbruch aus einem solchen System ist, wie viel Überwindung und Zweifel es kostet, andere, eigene Wege zu gehen, schildert diese Erzählung. Emanzipationsmittel ist dabei der Rudersport. Doch die Sprachlosigkeit gegenüber anderen Menschen, die Angst, nicht zu genügen, die Zweifel an sich selbst ziehen sich trotz Glücksgefühle durch Team-Harmonie, Sinnlichkeit und sportliche Erfolge von der ersten bis zur letzten Seite durch. Für mich ist es ein Buch, das schlicht und eindrücklich beschreibt, wie sehr die eigene Wahrnehmung der Welt durch die Sicht und Lebensform der Eltern geprägt ist und wie mühsam und auch nur bedingt möglich es ist, sich von dieser Sicht und Praxis zu befreien.
Nicht zuletzt ist es eine großartige Erzählung zum Thema Sprachlosigkeit.