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Über das Wasser
  
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Über das Wasser [Audiobook] [Audio CD]

Hans Maarten van den Brink , Sebastian Dunkelberg
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Hörkultur Medien; Auflage: 1., Aufl. (2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3905808161
  • ISBN-13: 978-3905808162
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Im Sommer 1939 trainieren David und Anton in ihrem Zweier ohne Steuermann für die olympischen Spiele in Helsinki. Doch die Spiele finden nicht statt, der Krieg kommt dazwischen. Fünf Jahre später steht Anton in einer Winternacht vor den Resten des Clubhauses, alleine. David ist verschwunden. Was bleibt ist die Erinnerung an Glück, Harmonie und Freundschaft.

Auszug aus Über das Wasser. von H. M. van den Brink. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wir ließen uns treiben, im Boot und in Gedanken. Nicht weit stadteinwärts vom Verein aus gesehen lag ein großes Hotel. Es war weiß gestrichen und reckte seine Balkone stolz über das Wasser. Die unteren Terrassen standen besitzergreifend mit den Knien im Fluß. Träge ruderten wir daran vorbei. Ich spürte eine merkwürdige Bewegung im Boot. Als ich mich umdrehte, sah ich, daß David sich hingelegt hatte, einen Arm ausgestreckt, mit dem er den Riemen festhielt, den Körper zurückgelehnt, wobei sein Kopf fast auf dem Wachstuch der Bugbespannung lag. "Komm", grinste er, "leg dich hin. Wir klingeln dem Ober für ein schönes Glas Bier!" Vorsichtig lehnte auch ich mich zurück, ich zog die Beine an, landete aber doch unvermeidlich mit meinem Kopf auf Davids ausgestreckten Schienbeinen. Wenn ich ihn auch nur ein klein wenig drehte, würde meine Wange die Härchen auf seiner Haut berühren. Ich fühlte ihn atmen, ich konnte ihn riechen. Dicht unter mir bewegte sich ganz sacht das Wasser des Flusses. Hätte jemand von einem Balkon im obersten Stock des Grandhotels hinuntergeschaut, so hätte er zwei gebräunte Jungen, einer genau in der Verlängerung des anderen, liegen sehen, der Kopf des einen nicht weit vom Schoß seines Freundes entfernt, eng umschlossen von der Haut ihres schmalen Bootes, im Gleichgewicht gehalten von zwei dünnen Riemen. Bewegungslos, umgeben von blauem Wasser, kein Boot mit einer Besatzung, sondern ein Sarkophag. Niemand schaute hinunter. Wir schauten hinauf, an den breiten Fassaden empor zum Himmel, der fast so blau war wie das Wasser. Vielleicht auch genauso schwankte. Einen Moment lang wußte ich nicht mehr, was unten war und was oben. "Erhaben", sagte David. Erhaben und gemein, schoß es mir durch den Kopf. Wie die Schwäne, die vor der Terrasse schwammen. Und im selben Moment war das Gefühl, zwischen Himmel und Wasser zu schweben, auch wieder verschwunden. Ich mußte auf einmal an alles denken, was hinter dieser makellosen Fassade lag, an die Küchen und Toiletten, die Badezimmer und die schwammigen Leiber der Menschen, die sie benutzten, an den Kalk, das Blei, den Belag, das Holz, das an den Enden weich zu werden begann, die braunen Ringe und den grünen Schimmel auf dem Stuck, Männer und Frauen, wie Säcke voller Därme. Dieser ganze Turm aus verderblichen Materialien, der an diesem Ufer stand, seinen Abfall vielleicht in den Fluß leitete und mit den Fundamenten im Schlamm ruhte, so daß er jeden Augenblick einstürzen konnte und bis zu diesem Moment in jeder Sekunde, die Gott ihm schenkte, lautlos weiterfaulen würde. Alles, was existierte, mußte wieder verfallen, und ich wußte genau, daß ich mit diesem Verfall nichts zu tun haben wollte. Niemals. Ich gehörte dem Fluß. Ich durfte nicht älter werden, und es mußte Sommer bleiben. Mit einem Ruck richtete ich mich auf, streckte die Arme und sagte "Alles vorwärts - los!" Ohne zu warten, ob David auch tatsächlich bereit war, mir zu folgen, ruderte ich los. Das Boot setzte sich fließend und mühelos in Bewegung. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sprachlos 13. Januar 2002
Von Sidonie
Format:Gebundene Ausgabe
Mich hat am meisten die Schilderung der familiären Verhältnisse in Bann gezogen. Introvertierte Eltern, die ihrem einzigen Kind die eigenen Ängste und starr angewandten Überlebens-Mechanismen einzupflanzen versuchen. Angsteinflößend für sie ist dabei alles, was sich außerhalb der eigenen Wohnung abspielt, selbstverständlich auch Körperlichkeit, Bewegung und Sinnlichkeit. Wie schwierig der Ausbruch aus einem solchen System ist, wie viel Überwindung und Zweifel es kostet, andere, eigene Wege zu gehen, schildert diese Erzählung. Emanzipationsmittel ist dabei der Rudersport. Doch die Sprachlosigkeit gegenüber anderen Menschen, die Angst, nicht zu genügen, die Zweifel an sich selbst ziehen sich trotz Glücksgefühle durch Team-Harmonie, Sinnlichkeit und sportliche Erfolge von der ersten bis zur letzten Seite durch. Für mich ist es ein Buch, das schlicht und eindrücklich beschreibt, wie sehr die eigene Wahrnehmung der Welt durch die Sicht und Lebensform der Eltern geprägt ist und wie mühsam und auch nur bedingt möglich es ist, sich von dieser Sicht und Praxis zu befreien.
Nicht zuletzt ist es eine großartige Erzählung zum Thema Sprachlosigkeit.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Buch über das Rudern und über eine Freundschaft, die hätte entstehen können, wenn die Protagonisten mehr miteinander geredet hätten. so bleibt ein zarter Eindruck von dem, was hätte sein können, wenn der Graben zwischen den sozialen Schichten nicht so unüberbrückbar weit gewesen wäre, dass selbst Ruderer ihn nicht überwinden konnten. Zurück bleibt ein Gefühl der Melancholie und des Glücks, das nahezu jeder Ruderer kennt, die Ahnung von einem flüchtigen Einssein zweier Bewegungen, das sich ab und an einstellt und immer wieder erreicht werden möchte. Das Buch erzählt viel über die Faszination des Ruderns und drückt die Gefühle und Bewegungen, die wir Ruderer kennen, so vollkommen aus, dass sich jeder Ruderer darin wiederfinden wird, ohne es selbst so ausdrücken zu können. Zurück bleiben einige Fragen, die vielleicht andere Leser klären können und worauf ich sehr gespannt bin: a) Gibt es historische Vorbilder für die drei Hauptfiguren? b) Welcher Club ist gemeint? Die Beschreibung könnte sowohl auf den Ruderclub Nereus (allerdings auf der falschen Seite; in der Nähe der Berlagebrug) und de Hoop (in der Nähe der Nieuve Amstelbrug) in Amsterdam zutreffen. c) Wie kam Van den Brink auf die Idee, ein Buch über das Rudern in einer solchen historischen Situation zu schreiben? Er selbst ist erst nach dem Krieg geboren. Aber vielleicht hat er Erzählungen anderer gesammelt und zu einem Buch vereinigt.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kein Wort zuviel 27. Juni 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe das niederländische Original gelesen, daher kann ich über die Übersetzung nichts sagen. Das Buch ist eine Ich-Erzählung des aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Jungen Anton, der sich kurz vor Kriegsende an die Jahre 1938 und 1939 erinnert, in denen er gemeinsam mit seinem großbürgerlichen Kameraden David unter Anleitung des exildeutschen Trainers Dr. Schneiderhahn für die (dann ausgefallene) Olympiade 1940 das Rudern im Zweier ohne Steuermann trainiert. Die Beziehung der Figuren ist eigentümlich. David und Anton kommen sich außerhalb des Bootes nie näher, dennoch erscheint ihr Verhältnis homophil getönt. David und noch mehr Schneiderhahn bleiben ziemlich enigmatisch. Man kann vermuten, dass David Jude ist und der deutschen Besatzung zum Opfer gefallen ist. Schneiderhahn geht zwischendurch immer wieder einmal auf unerklärte Reisen, von deren letzter er nicht zurückkehrt. Es wird nur zaghaft angedeutet, dass es etwas mit widerständischen Aktionen zu tun hat.
Das eigentliche Thema des Buches ist das Glück, daß Anton in der Synchronisation der Bewegung, des Atmens und im Erschöpfungsschmerz verspürt und das ihm Befreiung aus der Enge des Elternhauses verschafft. Daß der Autor weder Davids noch Schneiderhahns Schicksal präzise auflöst, halte ich für ein bedeutsames Mittel. Die Situation kann in Antons Erinnerung nicht einfach trauernd bearbeitet werden, weil sie ohne dieses Wissen nicht endgültig abgeschlossen ist. Dies vermeidet Kitsch und Rührseligkeit bei diesem ansonsten sehr berührendem Buch. Es ist die große Stärke des Autors, kein Wort zuviel zu verlieren und damit eine ungewöhnlich konsistente Schildwerung des Glücks erreicht zu haben.
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