Das ist ein nur kleines Buch (80 Seiten) des fernsehbekannten "Literaturpapstes". Mit persönlicher Färbung, flüssig und verständlich und gar nicht oberlehrerhaft geht er auf den Sinn und Unsinn von Literaturkritik ein. Natürlich, das ist sein Fazit, ist Literaturkritik absolut notwendig und zwar deshalb, damit die Literatur besser wird. Hierbei macht Reich-Ranicki deutlich, dass Literaturkritik nichts damit zu tun hat, dass Bücher zu Bestsellern werden, sondern dass es um die Substanz dessen geht, was Literatur ist und sein kann.
In seinem Essay streift er namhafte Größen (Goethe, Schlegel...) der Literaturkritik und bedauert mehr oder weniger, dass dieses Fach in Deutschland einen eher marginalen Stellenwert hat. Er führt das speziell in Deutschland darauf zurück, dass die Deutschen im Allgemeinen keine gesunde Einstellung zur Kritik haben und spricht mit Zitaten von Madame de Stael den so genannten deutschen Untertanengeist an, der konstruktive Kritik per se nicht zu lässt. Kritik und Freiheit bedingen einander, das heißt, wer sich nicht frei in seinem Denken und Urteilen fühlt, kann nicht wirklich kritisieren.
Insgesamt ist das Buch sehr lesenswert. Inhaltlich bleibt es auf einer allgemeinen Ebene, nicht zu abstrakt, sondern auch mit persönlichen Bemerkungen und endet mit Reich-Ranickis Überzeugung, dass jede sorgfältige und fundierte Kritik der Literatur mehr nützt, als das heute übliche schnelle und massenhafte Lob.
Empfehlung: Lesen - dazu muss man kein Literaturkritiker sein, sondern nur ganz normal an Literatur interessiert.