Zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt liegt hier nun eines der wichtigsten Werke der neuzeitlichen japanischen Philosophie vor. Nishida geht von der freilich nur introspektiv fassbaren (und von den Einsichten des Zen-Buddhismus beeinflussten) Wahrheit der „reinen Erfahrung“ aus, kommt zu dem Schluss, hinter jedem dieser „Erfahrungs-Moment-Atome“ müsse eine vereinheitlichende Kraft stehen, die er als „Gott“ identifiziert, und endet mit dem Postulat, man müsse sich im Sinne dieser vereinheitlichenden Kraft selbst „verwirklichen“.
Das Ende dieses kleinen Buches ist deutlich schwächer und für den europäischen Leser in seinen Schlussfolgerungen weitaus konventioneller als die Einleitung, die Besseres erhoffen lässt. Möglicherweise ist Nishida zu sehr bemüht, von der Einheit der Erfahrung im Zazen zur Einheit Gottes, wie ihn die westliche Philosophie denkt, oder gedacht hat, zu kommen. Auch das, was der Japaner unter Selbstverwirklichung schlussendlich versteht, ist reichlich um Anpassung an das damals im Kaiserreich gültige Verständnis des Menschen (in seiner kollektiven Eingebundenheit) bemüht. Dennoch sollten wir Europäer uns um diesen durchaus originellen Autor und frühen Vertreter einer vom „Westen“ inspirierten, aber doch durch und durch japanisch anmutenden, Philosophie bemühen.