Kennen tut man ihn eigentlich nicht, ausser von Dschungelbuch. Von selber würde man wohl diesen Titel nie lesen, da ich aber immer schon mal diesen Autor kennenlernen wollte, kam es mir gerade recht, ihn als vorgeschlagenen Titel der Lesegruppe zu lesen. Kipling (1865-1936) schrieb diesen Roman 1896, einer Zeit, wo noch Zola, Twain, Maupassant oder Storm und Fontane noch schrieben und der u.a. auch unter dem Titel "Die mutigen Kapitäne" und "Brave Seeleute" vormals veröffentlich wurde. Gisbert Haefs der Übersetzer dieser neuen Ausgabe von 2007 hat ganze Arbeit geleistet an einem Werk, das zu grossen Teilen in Umgangssprache und Slang und "obskuren Geheimdialekt" geschrieben wurde und eine Unmenge an seemännischen Fachbegriffen enthält. Eine Herausforderung für einen Übersetzer, die ihn bis an die Grenze des Übersetzbaren oder eben nicht mehr Übersetzbaren bringt.
Rudyard Kipling erzählt darin die Abenteuergeschichte des reichen und verzogenen Millionärssohns Harvey Cheyne. Während einer Atlantiküberquerung, fällt er vor der Küste Neufundlands über Bord und wird von Kabeljaufischern gerettet und aufgenommen. Da die Fischer nicht daran glauben, einen reichen Millionenerben aufgefunden zu haben, bleibt Harvey nichts anderes übrig, sich dort einzufügen, und dort wie jeder andere Fischer auch, sein Brot hart zu verdienen. Er lernt dadurch die Welt der Fischerei, in allen ihren Nuancen und Rauheiten kennen. Eine Geschichte, wo Rauheit und Abhärtung eine "charakterliche Läuterung" bringt und somit eine innere Wandlung, aber auch von dem damaligen rauhen Seeleben mit all ihren Schicksalen und Eigentümlichkeiten erzählt. Es war war wohl Kiplings Interesse, diese Welt so nah und wahrheitsgetreu wie möglich zu erzählen, was wohl die vielen umgangssprachlichen Dialekt-Konversationen erklären lässt. Eine nahezu emotionslose Erzählung, wo ein verwöhnter junger Mann auch 'mal eine "Abreibung" einfacher Fischer hinnehmen muss. Haefs selbst schreibt in seinem Nachwort: "Kipling ist einer der wenigen Literaten, die sich mehr mit der Welt als mit häuslichen Emotionen beschäftigen."
Im Nachwort des Übersetzers hat man ein wenig den Eindruck, dass hier ein Kipling-Anhänger etwas zu berichtigen, zu korrigieren, oder im Namen des Autors zu schützen hat. Gisbert Haefs bricht die Lanze für einen englischsprachigen Autor, der ursprünglich in Bombay geboren wurde und als erster englischer Schriftsteller den Literaturnobelpreis erhielt. Für mich war dieses Buch alles andere als eine Lesefreude, die vielen Fachausdrücke sind ermüdend, der Erzählstil nüchtern und für mich über weite Strecken farblos, zu sachlich gehalten, im Dialekt gewöhnungsbedürftig. Mich persönlich hat dieses Buch nicht überzeugt. Auch einen gewissen Spannungsbogen habe ich vermisst. Schon alleine die Idee über Bord zu gehen und dann von Fischern gerettet zu werden, hat es Unglaubhaftes an sich. Wer jedoch einen Seemannsroman vor gut 100 Jahren lesen möchte, um zu erfahren wie das damalige Leben aussah, bekommt hier Einblicke in eine längst vergessene Welt.
Der ursprünglich 1901 erschienene Roman
Kim: Roman gilt als eines seiner bedeutensten Werke. Rudyard Kipling begann ursprünglich als Journalist, wo er für anglo-indische Zeitungen schrieb. Seine Schriftstellerkarriere begann er 1886 mit Kurzgeschichten. Daneben hat er verschiedene Gedichtbände veröffentlicht, von denen angeblich nur 5% seines Werkes übersetzt wurden.