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Über Österreich zu schreiben ist schwer
 
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Über Österreich zu schreiben ist schwer [Gebundene Ausgabe]

Gerald Leitner


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Aus der Amazon.at-Redaktion

Kein Geringerer als Egon Friedell hat das gesagt: "Über Österreich zu schreiben ist schwer!" Und doch versuchen es die alpenländischen Autorinnen und Autoren immer wieder, mit wechselndem Erfolg. Und mit bisweilen gar nicht wechselndem Inhalt. Beispielsweise Karl Heinrich Waggerl: Dessen in der Anthologie abgedruckter Text "Lob der Heimat", 1950 bei einem Festakt in Salzburg vorgetragen, ist nahezu identisch mit einem älteren Text des Autors. Nur erschien dieser 1939 als jubelnde "Sonnwendrede" auf völkisches Tun.

Der Herausgeber Gerald Leitner, Geschäftsführer des österreichischen Büchereiverbandes, unterteilte sein Buch Über Österreich zu schreiben ist schwer in fünf Abschnitte. Die ersten vier reichen von 1945 bis in die Gegenwart und widerspiegeln aufschlussreich Eindrücke und Vorstellungen zu Kriegsende, Selbstfindung und Neuanfang wie auch zu Verschweigen und Hinweggehen. Wie gegensätzlich etwa kommt da der "Gruß des Dichters" von Alexander Lernet-Holenia daher und der kritische Text "Wien/November 1945" von Gerhard Fritsch! Auch des kürzlich verstorbenen Hans Carl Artmanns Dialektklassiker "nua ka schmoez how e xogt" bekommt im Zusammenhang mit manch antiquiertem Text eine neue, tiefere Bedeutung.

Die Mischung hält auch der letzte, fünfte Teil durch: Es sind alles Texte, die ausnahmslos im Jahr 2000 entstanden sind. Wozu der Herausgeber anmerkt, "Eindimensionalität ist die Sache dieses Bandes nicht". Nach Ilse Aichingers "Aufruf zum Misstrauen" aus 1946 wundert es kaum, wie die Texte aus jüngster Zeit klingen. Da ist das Suchende mit kritischer Distanz, kaum aber Feindseligkeit gegenüber dem Land. Ob das jetzt Robert Menasse ist, Peter Turrini, Marlene Streeruwitz, Antonio Fian, Gerhard Roth, Peter Henisch, Elfriede Jelinek und und und -- sie alle setzen sich mit dem Spannungsbogen aus Literatur -- Heimat -- Politik auseinander.

Um es mit Ilse Aichinger zu sagen: "Beruhigen Sie sich, armer bleicher Bürger des XX. Jahrhunderts! Weinen Sie nicht! Sie sollen ja nur geimpft werden! Sie sollen ein Serum bekommen, damit Sie nächstes Mal um so widerstandsfähiger sind! Sie sollen im kleinsten Maß die Krankheit an sich erfahren, damit sie sich im größten nicht wiederhole!"

Eine interessante Mischung zur Erkundung des zweifellos belasteten Begriffs Heimat von österreichischen Autorinnen und Autoren, mit erstaunlichen Beiträgen, Entlarvungen, Ausgrabungen. Man wartet gespannt auf Fortsetzungen! --Nils Jensen

Kurzbeschreibung

Erkundungen Österreichs vor dem Hintergund politischer Veränderungen. Mit zahlreichen Originalbeiträgen von: Friedrich Achleitner, Ilse Aichinger, Gerhard Amanshauser, H.C. Artmann, Ingeborg Bachmann, Otto Basil, Wolfgang Bauer, Christine Busta, Milo Dor, Hans Eichhorn, Antonio Fian, Willi Forst, Erich Fried, Gerhard Fritsch, Christian Fuchs, Karl-Markus Gauß, Elfriede Gerstl, Reinhard P. Gruber, Peter Handke, Peter Henisch, Paulus Hochgatterer, Ernst Jandl, Gustav Janus, Gerhard Jaschke, Elfriede Jelinek, Michael Köhlmeier, Hans Lebert, Alexander Lernet-Holenia, Max Mell, Robert Menasse, Ernst Molden, Joseph Georg Oberkofler, Andreas Okopenko, Helmut Qualtinger, Felix Pollak, Christoph Ransmayr, Elisabeth Reichart, Peter Rosei, Gerhard Roth, Gerhard Rühm, Robert Schindel, Margit Schreiner, Julian Schutting, Herta Staub, Marlene Streeruwitz, Peter Turrini, Vladimir Vertlib, Berthold Viertel und Karl Heinrich Waggerl.

"Über Österreich zu schreiben ist schwer", behauptete bereits Egon Friedell. Und dennoch -- oder gerade deshalb -- zählen die Erkundungen der Heimat zu den aufregendsten und interessantesten Projekten der österreichischen Literatur nach 1945. Der Missbrauch des Begriffs Heimat während der Diktatur des Ständestaates und des Nationalsozialismus nötigte eine neue Generation von österreichischen Schriftstellern zu einer radikalen Auseinandersetzung mit dem verordneten und pervertierten Heimatbegriff; gleichzeitig ist, und dies wird meist übersehen, ein fast verzweifeltes Bemühen feststellbar, eine neue, andere Heimat in Österreich zu entdecken.

Dass dieser Prozess keineswegs abgeschlossen ist, dass es Heimat gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Veränderungen immer wieder neu zu entdecken, gegen Vereinnahmung und Ausgrenzung zu schützen gilt, belegen die Beiträge dieses Buches eindrucksvoll.


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