Er ist alles in einem: ein exzellenter Reporter (sachlich und distanziert, kritisch und engagiert), ein spannend und kompetent berichtender Schriftsteller, ein ausgewiesener "Fernseh-Macher" und last but not least ein promovierter Wissenschaftler der Slawistik: die Rede ist von Klaus Bednarz, der in den letzten Tagen des Jahres 2002 sein Buch und den Film "Östlich der Sonne" vorgestellt hat. Die Erwartungen waren hoch gespannt. Sie sind nicht enttäuscht worden. Wir gratulieren zu dem gelungenen Werk.
Der Inhalt des Buches ist rasch erzählt: Es geht um eine Reise vom Baikalsee nach Alaska. Abenteuer pur, Herausforderungen ohne Ende, der Traum eines jeden Off-road- und Extremreise-Freundes.
Dabei sind die Hindernisse, die sich den Reisenden (ein Sonderlob dem Kameramann des Filmes, dem atemberaubende Bilder gelingen, von denen einige wenige sicher eine besonders schöne Ergänzung des Buches wären) entgegenstellen, gewaltig und manchmal kaum überwindbar. Die Gruppe hat es mit Extrembedingungen der Natur zu tun (keine Wege, Eis und Schnee in uns unbekannten Mengen, Temperaturen unter minus 40 Grad etc.), und auch mit den Relikten alter russischer Kontrollmechanismen, skurril verquickt mit den desaströsen Folgen von Mißmanagement, Mafia-Unwesen und "neuer Marktwirtschaft".
Für mich sind neben den Reise- und Naturschilderungen die Begegnungen mit den Menschen dort im entferntesten Sibirien, die Schilderung der Lebensumstände, die Hinweise und bedrückenden Berichte über das unvorstellbare Elend und die Grausamkeiten in den Straflagern besonders wichtig. Unvergeßlich (in Film und Buch!) die bewegende Szene mit der Rede des armen, alten, einsamen Mannes am Grab seiner verstorbenen Mitgefangenen in Magadan. Hier wird aus dem literarisch fesselnden "Reisebericht" ein unschätzbares, ja, einmaliges historisches "Zeitdokument". Ich zähle das Buch zu den besten der letzten Jahre. Danke Klaus Bednarz!