Aus zwei Perspektiven erzählt Munif in seinem Roman die Geschichte eines politischen Gefangenen: aus der Sicht des dreissigjährigen Protagonisten Radschab und aus derjenigen seiner älteren Schwester Anîssa.
Jahrelang hat der zu elf Jahren Haft verurteilte Radschab der Folter standgehalten. Doch schliesslich - seine Mutter ist gestorben, und die Frau, die er liebt, hat ihn verlassen - bricht er zusammen und ist bereit eine Art Widerruf zu unterzeichnen. Danach erhält er die Erlaubnis, in Frankreich seine schwere Krankheit, die er sich im Gefängnis zugezogen hat, behandeln zu lassen. Doch auch dies nur unter der Bedingung, dass er innerhalb einer bestimmten Zeit zurückkehrt und während seines Aufenthaltes im Ausland Landsleute bespitzelt. Kaum entlassen, bereut er seinen "Verrat" und schämt sich für sein "Versagen". In Frankreich beschliesst er, seine Erinnerungen niederzuschreiben und die Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat publik zu machen. Aber die politische Realität des Landes östlich des Mittelmeers holt ihn auch in Europa ein.
Der Roman ist eine beklemmend authentische Schilderung permanenter Gewalt, der die Menschen in den Gefängnissen östlich des Mittelmeers ausgesetzt sind. Der Leser erfährt jedoch nicht nur die Situation der Gefangenen, sondern auch, wie das Leben der Angehörigen außerhalb des Gefängnisses verläuft und wie sie mit der Situation zurechtkommen. Die erzählerische Professionalität zieht einen sofort in den Bann.