Über zwanzig Jahre ist es her, dass der damals fünfjährige Jens auf Öland spurlos verschwand. Seine Mutter Julia konnte aufgrund der Ungewissheit, was mit Jens geschah, niemals mit dem Verlust abschließen, wurde depressiv, trank und nahm Tabletten.
Als dem Großvater Gerlof ein "Beweisstück" in Form einer Kindersandale zugespielt wird, kehrt Julia nur widerwillig von Göteborg nach Öland zurück.
Was zunächst nach einer üblichen Kriminalgeschichte klingt, entwickelt sich zunehmend zu einer sehr viel umfassenderen Erzählung über Öland, seine Landschaft und deren Bewohner.
Parallel zu dem Haupterzählstrang, der auf Öland Mitte der 1990er Jahre spielt, wird die Geschichte von Nils Kant erzählt. Beginnend mit dem Jahr 1936, in dem Nils beschuldigt wurde, am Ertrinken seines Bruders Schuld zu sein, wird sein wechselvolles Leben über Jahrzehnte verfolgt. Denn viele Ölander halten Nils auch für den Mörder von Jens, obwohl Nils damals schon tot war.
Johan Theorin vermittelt eine melancholische, bisweilen düstere Gesamtstimmung. Die kurzen Herbsttage, der Nebel, die Kargheit der Insel, scheinen dabei die Menschen zu prägen: verschlossen, schweigsam, geheimnisvoll.
In ruhigem, sehr stimmungsvollem Schreibstil baut der Autor die Spannung in diesem mysteriösen Kriminalfall auf, der immer wieder unvorhersehbare Wendungen nimmt. Die Charaktere sind facettenreich und glaubwürdig beschrieben. Theorin lässt seine Protagonisten eine Entwicklung durchmachen, die besonders im Wandel der Vater-Tochter-Beziehung zwischen Gerlof und Julia nachvollziehbar dargestellt ist.
Johan Theorin hat mit "Öland" einen ungewöhnlichen Kriminalroman geschrieben, dem man die Liebe des Autors zu der Insel und seinen Bewohnern anmerkt.