"Die oberste Priorität darf nicht mehr lauten, an Öl ranzukommen, sondern muss lauten, vom Öl wegzukommen."
Im Grundsatz kennen wir alle das Problem mit dem Öl und wir ahnen auch die Verbrechen die dahinter stehen. Vom Grundsatz ausgehend, breitet dieses Buch die Facetten der weltweiten Hierarchie und Geschichte des Ölgeschäfts aus. Es führt uns in nahezu jedes Land, in dem das Öl eine bedeutende (sprich: zentrale oder große) Rolle als Exportgut spielt. Alle diese Länder, abgehandelt unter schlichten Kapitelüberschriften wie -Gier-, -Plünderung-, -Verkommenheit-, -Entfremdung-, sind auf unterschiedliche Arten mit dem Öl durch die Hölle und durch große Traditions- und andere Umbrüche gegangen, jedes Land hat seine ganz persönliche Odyssee mit dem schwarzen Gold hinter sich. Doch eines zeigt das Buch bei allen auf, subtil und in verhaltener Betrachtung, aber trotzdem eindeutig: In keinem dieser Länder ist das Öl Segen, es bleibt ein großer Fluch. Ganz abgesehen von seiner Wirkung in der Nutzung.
Selten hat mich ein Sachbuch so beeindruckt; es ist eines der besten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Es ist nicht nur exzellent geschrieben, in einem prägnanten, informativen und sehr einfachen Stil, der trotz seiner Leichtigkeit so gut wie nie ausfällt, nein, es ist auch wirklich ein Werk, das man, zwar nicht vom wissenschaftlich-enzyklopädischen, aber vom menschlichen Standpunkt, in Gesamtdarstellung und Botschaft, als ein zentrales Werk über das Öl ansehen kann. Denn aus den Geschichten der einzelnen Katastrophengebiete, den Geschichten der Menschen, entspringt ein Gesamtbildnis des Rohstoffes Öl an sich; ein erschreckend chauvinistisches Portrait. Das Buch schafft es, dass man nicht (nur) Ekel, sondern Furcht, Scham und Demut empfindet. Es ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Beiträge zu der Diskussion über die Zukunft!
Denn auch dazu hat das Buch von Maass - wie auch zur (Er-)Klärung der Vergangenheit - viel beizutragen. In einem abschließenden Epilog bringt der Autor nämlich nach seinen Tatsachenberichten und Analysen auch noch eine kleine/s Ideenübersicht und -repertoire an, in dem er relativ unspektakulär, aber klug, uns auffordernd den folgenden Satz nah bringt, in dem dieses abschließende Kapitel gipfelt: "Wir verfügen über genügend Lösungsansätze; woran es mangelt, ist Entschlossenheit." Die Frage ist, "ob wir tun werden, was wir tun können."
Und ich empfehle ausdrücklich dieses Buch, weil das eine ganz wichtige Botschaft ist!
P.S.: Wer ein-zwei bescheidene Beispiele für die sprachliche Brillanz sehen will, lese bitte den ersten Kommentar.