Gibt es heute tatsächlich noch Anhänger der Theorie, dass das Ende der fossilen Energieträger bei weitem nicht in Sicht ist? Ganz sicher ja und ohne Frage findet man diese Meinung nicht nur bei Vertretern der OPEC. Und vielleicht sieht die Lage wirklich nicht so düster aus, wie sie Richard Heinberg bereits 2003 in der ersten Auflage dieses Buches beschrieben hat. Gleichwohl sind viele seiner damaligen Prognosen eingetroffen, der Ölpreis hat 2008 einen nie für möglich gehalten Preis von 140$ pro Barrel erreicht und hat sich nach einem dramatischen Absturz Ende 2008 trotz krisengeschüttelter Wirtschaft wieder auf ein Niveau im Bereich von derzeit 100$ pro Barrel eingependelt. Es mag sein, dass man das schwarze Gold womöglich länger fördern kann wie Anhänger des Peak Oils vorhersagen, billig wird man es wegen der stetig steigenden Nachfrage sicher nicht mehr bekommen.
Diese erweiterte und aktualisierte Auflage beginnt mit einer hochinformativen Einleitung zu den Fragen was Energie ist, wie der Mensch gelernt hat sie sich zu Nutze zu machen und wie sie die Entstehung und möglicherweise auch das Ende ganzer Kulturen beeinflusst hat. Das ist manchmal etwas trocken, zeigt aber einige faszinierende Aspekte und Zusammenhänge auf, die mir bis dahin nicht bewusst waren.
Im zweiten Abschnitt werden Meilensteine der Energienutzung wie z.B. die Kohlerevolution oder der Beginn der Elektrifizierung erläutert und analysiert. Das dritte Kapitel ist dem Peak Oil gewidmet, jenes nach dem Entdecker dieses Zeitpunktes King M. Hubbert auch Hubbert Peak genannte Maximum der Ölförderung, nach welchem die Förderquote nur noch rückläufig ist. Wie dieser Peak berechnet wird und welche Daten ihm zugrunde liegen, wird ausführlich dargestellt. Hier erfährt man auch, dass es Anhänger einer Gegentheorie zum Peak Oil gibt, die die Meinung vertreten, dass es Energie im Überfluss gibt, da die Menschheit durch ständige technische Innovationen in der Lage sein wird, Ölfelder zukünftig besser auszubeuten als die heute in etwa möglichen 50%. Zudem wird sie in der Lage sein, so behauptet der Dänische Statistikprofessor Björn Lomborg, jederzeit Ersatzstoffe für die zu Ende gehenden Ressourcen zu finden.
Diesem Argument geht Richard Heinberg im 4. Kapitel nach, in dem er andere Energiequellen unter den Aspekten des EROEI (Energy Returned on Energy Invested), dem Erntefaktor und der energetischen Amortisation untersucht und mit denen des Erdöls vergleicht. Es gibt zahlreiche Alternativen, aber weder haben sie die hohe Energiegewinnrate die dem Erdöl lange Zeit zu Eigen war, noch ähnlich gute Eigenschaften was Transport und Umwandlungspotential betrifft. So kommt der Autor zu dem Ergebnis, das andere Energieträger, Sparmaßnahmen und die Steigerung der Energieeffizienz bestenfalls einen Zeitgewinn bringen.
In den folgenden beiden Kapiteln, die, um es vorsichtig zu formulieren, durchaus geeignet sind, bis dahin noch positiv gestimmten Lesern die Laune zu verhageln, geht es zunächst um die Auswirkungen einer abnehmenden Verfügbarkeit des Erdöl auf alle Bereiche des täglichen Lebens um dann abschließend ein relativ düsteres Szenario einer Welt ohne Erdöl zu zeichnen. Jedoch versäumt es Richard Heinberg nicht für viele der betroffenen Bereiche durchdachte und mögliche Handlungsstrategien und Empfehlungen aufzuzeigen.
Öl-Ende ist ein mit profunden Informationen gespicktes und von der ersten bis zur letzten Seite lesenwertes und meiner Meinung nach sehr gut recherchiertes Buch zu einem wichtigen Thema, das früher oder später jeden von uns betreffen wird. Ergänzt wurde es für die vorliegende Ausgabe mit aktuellen Zahlen und Fakten von Energieexperten der Ludwig Bölkow Stiftung. Es muss natürlich alles nicht so dramatisch verlaufen wie im Buch geschildert, aber es kann wohl kaum Schaden sich darauf vorbereiten. Nach diesem Buch ist man dem Ziel ein gutes Stück näher gekommen.