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Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft
 
 
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Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft [Gebundene Ausgabe]

John K. Galbraith
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 110 Seiten
  • Verlag: Siedler; Auflage: 1., Aufl. (23. September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886808211
  • ISBN-13: 978-3886808212
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 83.709 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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John Kenneth Galbraith
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"John Kenneth Galbraith - ewiger Streiter gegen die Mächtigen." (Die Zeit)

"Dies ist sicherlich die Stunde des John Kenneth Galbraith, des großen alten Mannes der amerikanischen Wirtschaftswissenschaften." (The Independent)

"Ein unbequemer Augenzeuge." (Süddeutsche Zeitung)

Kurzbeschreibung

John Kenneth Galbraith, einer der anerkanntesten und streitbarsten Ökonomen unserer Zeit, liefert eine ebenso knappe wie stilistisch brillante Kritik der heutigen Wirtschaft. Er zeigt, was passiert, wenn eine ungezügelte und selbstherrliche Privatwirtschaft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu dominieren beginnt.Ein dogmatisch gewordener Glaube an das vermeintlich segenreiche Wirken freier Märkte ist heute weit verbreitet. Die daraus resultierenden Irrtümer und Illusionen haben sich bei vielen Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Medien zu einer Unfähigkeit gesteigert, die Wirklichkeit richtig wahrzunehmen. Es ist dieser Realitätsverlust, der sie zu unschuldigen Betrügern macht.

In der Person Galbraiths vereinen sich ein großer wirtschaftlicher Denker und ein grandioser Stilist. Galbraith enttarnt die Floskeln des herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Jargons. So wird von freien Märkten geredet, wenn der Kapitalismus gemeint ist, und verschleiert, dass es hierbei immer auch um Fragen der politischen Macht geht. Er zeigt, wie es den Unternehmen gelungen ist, ihre eigene Bürokratie als effizientes Management zu verkaufen, während die staatliche Verwaltung zum Feindbild stilisiert wird.

Dieses Buch, die Frucht reicher politischer Erfahrung und jahrzehntelangen Forschens, zeigt Galbraith so scharfsinnig und angriffslustig wie eh und je. Er fordert einen Staat und eine Öffentlichkeit, die sich nicht länger von den großen Konzernen und mächtigen Lobbys entmündigen lassen. Galbraith ist Pflichtlektüre für jeden politisch und wirtschaftlich interessierten Leser.

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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Marktwirtschaft, wie sie an den Universitäten gelehrt wird, existiert nur im Lehrbuch. Der Hinweis auf den Unterschied zwischen reiner Lehre und der Wirklichkeit ist zwar nicht neu, doch populär. Auch der Ökonom und ehemalige Kennedy-Berater John K. Galbraith haut wortgewaltig in diese Kerbe, doch sprühen keine Funken. Seine Erkenntnisse sind, nicht zuletzt seit Enron und WorldCom, inzwischen zu bekannt, um zu überraschen: Aktionäre haben kaum Kontrolle über Manager, ganze Branchen leben vom "Rent-seeking" und damit von der Ausbeutung des Steuerzahlers, große Unternehmen sind genauso bürokratieanfällig wie staatliche Behörden, und der Konsument ist ein durch Werbung manipuliertes Wesen und somit kein freies Individuum. Mittlerweile gibt es auch in der ökonomischen Theorie Ansätze, diese Entwicklungen zu erklären und Korrekturmechanismen zu analysieren. Galbraith fordert schlicht mehr staatliche Kontrolle für die Konzerne; auf die Schwierigkeiten der Regulierungsmodelle in der Praxis geht er nicht ein. Wir empfehlen diese streitbare Schrift allen Lesern, die sich an der kritischen Debatte um Manager und Konzernmacht beteiligen möchten.
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45 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unschuldiger Betrug 9. Juli 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
John Kenneth Galbraith wird 95 und schreibt ein neues Buch: Über Managerskandale, wirtschaftsnahe Politiker und die Macht Greenspans.
Zu seiner Zeit, in den fünziger und sechziger Jahren, war John Kenneth Galbraith ein Weltstar, wie die Wirtschaftswissenschaft sie heute nicht mehr zu bieten hat. Im Winter wohnte der Harvard-Professor oft in seinem Haus im Schweizer Nobelskiort Gstaad, fuhr morgens Ski, schrieb dann und zeigte sich abends auf den Parties der Reichen. Seine kapitalismuskritischen Bücher wie "Die Gesellschaft im Überfluss" waren Bestseller, seine Auftritte gefeiert.
Dann wurde der geborene Kanadier verdrängt vom marktliberalen Konkurrenten Milton Friedman aus Chicago, und die Welt wollte andere Töne hören. Natürlich schrieb und stritt er weiter, und zu seinem Werk gehören nicht nur Wirtschaftsbücher, sondern auch ein witziger kleiner Roman namens "Ein beamteter Professor" über den Wissenschaftsbetrieb. Nun wurde John Kenneth Galbraith 95 Jahre alt - und so manche Einsicht von ihm ist wieder jung geworden.
Managerskandale in den USA und in Europa lassen sein altes Misstrauen wieder neu erscheinen. Ihm waren die unkontrollierten Chefs der Multis jedenfalls schon suspekt, lange bevor bei Enron der Boden bebte. Die Heuschrecken-Debatte in Deutschland kommt mitunter so ungelehrt daher, weil die Protagonisten ihren Galbraith nicht gelesen haben. Denn auch die Finanzindustrie betrachtete er schon kritisch, ehe die New Economy zusammenbrach.
Wenn dieser Kapitalismuskritiker, der den Glamour liebte und mit seinen Büchern ein wohlhabender Mann wurde, nun noch einmal zur Feder gegriffen hat, ist das allemal einen Blick wert. Was will er uns sagen in seiner 111 Seiten kurzen "Ökonomie des unschuldigen Betrugs"?

"Die Kernthese dieses Essays lautet, dass die Volkswirtschaftslehre, aber auch wirtschaftliche und politische Systeme im Allgemeinen, aus finanziellen und politischen Interessen und aufgrund kurzlebiger Modetrends ihre eigene Version der Wahrheit kultivieren. Diese hat nicht unbedingt etwas mit der Wahrheit zu tun. Niemand bestimmtes trifft eine Schuld; schließlich glauben die meisten Menschen das, was sie glauben möchten ... alle Menschen, die sich für ökonomische und politische Fragestellungen interessieren, sollten sich jedoch bewusst sein."

Die Kritik an selbstherrlichen Managern ist dabei nur eines von vielen Themen dieses Essays. Wichtiger ist dem Altmeister eine andere Verzerrung der Wahrheit:

"Ausführlicher werde ich auf jeden Abschied von der Wirklichkeit eingehen, der anhand des herrschenden volkswirtschaftlichen Credos schon länger zu beobachten ist und gravierende Folgen nach sich zieht."

Dann folgen Galbraiths Attacken. Und obwohl sie seine alten Themen und Thesen wiederholen, die er vor allem auf das heutige Amerika münzt, wirken sie doch viel frischer als die Angriffe vieler Antiglobalisierer, die doch seine Urenkel sein könnten - im Geiste oft aber leider nicht sind.

Gemessen an anderen Ökonomen war Galbraith stets ein Sprachkünstler. Als solcher weiß er, wie bedeutsam Wörter in der Auseinandersetzung sind. Nicht nur, dass der Kapitalismus heute "Marktsystem" heißt, regt ihn auf - als ob es nur um einen Mechanismus zur Koordinierung von Angebot und Nachfrage ginge und nicht eben um Macht und Ohnmacht. Den Unternehmen sei es auch gelungen, ihre eigenen Bürokratien als hoch effizientes "Management" zu verkaufen, während die staatlichen Verwaltungsgebilde allgemein verhasst seien. Den Unterschied zwischen beiden hält Galbraith indes für gering.

Irgendwie sind die Dinge aus seiner Sicht schlimmer geworden in den vergangenen Jahrzehnten. Friedmans Konterrevolution ist nicht spurlos an der Welt vorübergegangen. Heute lässt sich nach Galbraiths Meinung der Staat immer öfter von der Privatwirtschaft dominieren.

"In Wirklichkeit setzen die Unternehmen alles daran, Preise nach eigenem Belieben festzusetzen und künstliche Nachfrage nach ihren Produkten zu schaffen. Zu diesem Zweck nutzen sie das gesamte Instrumentarium der Monopol- und Oligopolbildung, der Produktgestaltung und -differenzierung, der Werbung und sonstiger Methoden ..."

Und wenn sie können, lassen sie sich dieses Gebaren vom Staat schützen. George W. Bush ist besonders offen für die Interessen der Ölindustrie, Gerhard Schröder liebt Autos - die Staatslenker haben verschiedene Vorlieben, aber Genosse der Bosse sind sie fast alle gern.

Keine Frage, die Lobbies der Industrie sind stark, und die Mächtigen schanzen sich laut Galbraith gegenseitig exklusive Informationen zu. Besonders deutlich zeigt sich diese dunkle Seite der Wirschaftsmacht in der amerikanischen Militärindustrie. Die meisten neuen Waffensysteme entwickelt sie von sich aus - und drückt sie dann beim Gesetzgeber durch.
Nicht nur der Konsument wird also durch die privatwirtschaftlichen Interessen via Werbung extrem beeinflusst, sondern auch der Wähler, meint der Kultur- und Kapitalismuskritiker, dem sein großer Kollege Paul Samuelson einmal vorwarf, er sei gar kein richtiger Ökonom. "Nichts könnte mich weniger berühren", sagte Galbraith dazu, und wirkte doch leicht verletzt. Er bezieht eben die Politik in seine Analysen ein und schaut auf die Institutionen, die den Bürger leiten.

Zum Beispiel auf die Banker und die Bankberater. Die Branche verkaufe Vorhersagen des Unvorhersagbaren, schreibt der Politökonom. Es sei schwer, sich ihr zu widersetzen, weil sie im Gewand von Professionalität und Macht daherkäme. Doch in Wirklichkeit seien alle Prognosen nichts wert, weil sich das Schicksal des Marktes oder eines Unternehmens nun einmal nicht vorhersagen lasse. Deshalb schrieben sie selbst ernannten Experten am liebsten das auf, was ihre Großkunden gerne lesen und hören. Selbst die Ökonomen an der Wall Street handhabten es kaum anders.

"Finanz- und Anlageberatung können sich eine Zeit lang durchaus auszahlen, aber dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Dies haben uns die letzten Jahre schmerzlich vor Augen geführt."

Weiter geht es im Takt der Mythen. Die Macht der amerikanischen Zentralbank und ihres Chefs Alan Greenspan ist für Galbraith ein Hirngespinst. Tatsächlich spielten Zinsraten in der Rezession so gut wie keine Rolle, weil kaum ein Unternehmen investiere. Im Boom investierten dafür alle, weil sie etwas verkaufen könnten. Die ist zwar alles arg vereinfacht beim großen Polemiker der Ökonomie, aber die Vergötterung von Greenspan fordert eine solche Antwort heraus - gerade von John Kenneth Galbraith, der in seinem Leben schon einiges gesehen hat und unter anderem für die USA die Folgen der Luftbombardements für Deutschland im Zweiten Weltkrieg untersuchte (und gegen eine Fortsetzung der Feuerstürme plädierte).

Immer wieder bekommen bei ihm aber Manager ihr Fett weg. Gesetze allein könnten sie nicht bremsen, wenn sie ihre Pflicht vergessen. Nur eine wachse Öffentlichkeit könne sie im Zaum halten. Doch genau da liegt das Problem: Im nächsten Boom ist alles vergessen.

Nicht jedoch bei Galbraith. Mehr als alles andere ist er ein Kritiker der Macht, die sich nicht rechtfertigen muss. Weil ihn der Instinkt dafür nie verließ, ist er interessant geblieben gerade für diejenigen, die den Kapitalismus fördert wollen und dem Markt zu seinem Recht verhelfen wollen.

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von hartmutw
Format:Broschiert
In diesem wirklich spannenden Essay, der sich an einem Nachmittag bequem lesen lässt, fasst Galbraith die Quintessenz seiner siebzigjährigen Tätigkeit in Wirtschaft und Politik zusammen.

Didaktisch sehr verständlich leitet er seine Rückschlüsse aus Beobachtungen von Gesellschaft und Schlüsselerlebnissen ab.

Seine Hauptthesen sind unter anderem

- Marktwirtschaft hat als Oberbegriff Kapitalismus ersetzt. Es gibt jedoch keine freie Marktwirtschaft, d.h. Güterhandel, da Politik, Werbung, Protektion, Manipulation etc. eine Rolle spielen.

- Unternehmen und Konzerne sind nicht an freiem Wettbewerb interessiert. Vielmehr versuchen sie, Nachfrage und Preisgestaltung so gut wie möglich zu steuern.

- In Anbetracht von PR, Werbung, Konzentration von Medienmacht und anderen Manipulationsmöglichkeiten kann nicht von einem freien, souveränen Verbraucher im Geiste der traditionellen Wirtschaftswissenschaften gesprochen werden.

- Die heutigen Indikatoren zur Beurteilung einer Gesellschaft (etwa das BIP) vernachlässigen Wissenschaften, Religion, Kunst, Bildung und soziales Niveau, sind insofern äußerst einseitig und dienen damit den Interessen der Konzerne.

- Die ständigen Forderungen nach Privatisierung führen dazu, dass Unternehmen immer mehr Aufgaben des Staates übernehmen, diese aber unter der Maßgabe von Umsatz- und Profitmaximierung zu Lasten der Allgemeinheit neu definieren.

- Arbeit macht frei - die Oberschicht. Arbeit als Selbstzweck oder gar Sinn des Leben zu propagieren, wie Leistungsträger es so oft und gerne tun geht an den Realitäten der großen Mehrzahl vorbei, die belanglose Tätigkeiten ausführen (müssen), um ihre Existenz zu sichern. Das Streben der Reichen und Mächtigen war in der Regel immer auf Vermeidung unmäßiger Arbeit abgestellt.

- Vorstand und Management arbeiten heute weigehend unkontrolliert, da Politik und Aufsichtsräte (bzw. das amerikanische Äquivalent, das Board of Dirctors) allzu willfährige Partner sind, die oft vom Management direkt oder indirekt abhängig sind.

All diese Thesen gab es so oder ähnlich natürlich schon mehrfach zu lesen. Bemerkenswert erscheint mir aber, dass mit Galbraith hier ein langjähriger Insider aus dem Nähkästchen plaudert. Lesenswert!
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