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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Gegenentwurf,
Rezension bezieht sich auf: Ökonomie der Zerstörung: Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus (Gebundene Ausgabe)
Tooze bietet mit seinem Buch quasi den Gegenentwurf zu Götz Alys "Volksstaat" und nimmt in seinem Vorwort den Mund ganz schön Voll, wenn er die entgültige Richtigbewertung der Wirtschaft im Dritten Reich verspricht. Das größte Plus dieses Buches ist es, dass es dem Autoren gelingt, diese Versprechen fast gänzlich zu erfüllen.Wirtschaftliche Vorkenntnisse sind dabei an einigen Stellen ein Muß, meistens jedoch bleibt der Text allgemeinverständlich. Der Stil ist bisweilen recht blumig, begriffe wie "unter den Nagel reißen" fallen recht oft, aber bei einem so 'trockenen' Thema ist auch das eher ein Vorteil. Wie es sich für ein solches Buch gehört, ist es vollgestopft mit Tabellen und statistischen Angaben.Eindrucksvoll beschreibt Tooze die Entwicklung der Ökonomie im Nazi-Regime, angefangen von der um Autarkie bemühten Wirtschaft in den 30er Jahren, dem Aufbau eines beispiellosen Rüstungsprogrammes, der Agrar- und Arbeitsmarktpolitik bis in die Zeit des Krieges mit seiner nochmals verstärkten Rüstung, den mit dem Krieg einhergehenden wirtschaftlichen Problemen und dem "Wundermann" Speer. Tooze versteht es zu vermitteln, warum sich die Wirtschaftselite Hitler hingab, um welchen Preis die Rüstung Deutschlands aufrechterhalten wurde und warum sie schlussendlich scheitern musste. Besonders beeindruckend ist seine Synthese aus Ideologie und wirtschaftlichen Sachzwängen, die dem Genozid einen so neu formulierten 'wirtschaftlichen Sinn', bedingt durch die Ernährungslage des Reiches, gibt. Ebenso interessant ist sein Ergebnis, dass der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft '44 nicht nur das Ergebnis der Bombardierung, sondern auch Folge der inflationären Öknomie des Reiches war. Wenig überraschend sind denn auch die stärksten Passagen des Buches die ökonomischen und politischen Analysen, die belegen, dass die wirtschaftspolitische Führung weder reine, verspinnerte Ideologen waren, die sich wirtschaftlichen Sachzwängen verschlossen, noch unpolitische Technokraten, allen voran Speer. Schwächer hingegen wird Tooze jedoch bei seinen rein politischen und ideologischen Positionen, die er meist wiedergibt, ohne sie eingehender zu beweisen. Tooze teilt die Auffassung, dass der Krieg bereits 1941 beim gescheiterten Angriff auf die Sowietunion verloren war. Dieser Krieg war sowieso nur ein Mittel und Weg, um langfristig den erwarteten Krieg gegen die USA gewinnen zu können. Diese Positionierung ist nicht notgedrungen falsch, sie verschweigt aber gnädig, dass es auch andere, ebenso gut begründbare Analysen des strategisch-politischen Vorgehens und der ideologischen Einstellung Hitlers bzw. der NS-Führung gibt. So gerät Tooze wie manche angloamerikanischen Geschichtsschreiber einmal mehr in die Gefahr, alles wieder auf den Westen zu kaprizieren. Seine Bewertung des Strebens nach Osten etwa als schlichter, letzter großer europäischer Kolonialisierungversuch relativiert und abstrahiert so sehr, dass er kaum zu halten sein dürfte. Hier liegt auch ein Hinweis auf Toozes Schwäche, denn so sehr er Wirtschaft und Ideologie zu verknüpfen weiß, so sehr bleiben ihm die Momente, wo Wirtschaft keine Rolle spielt oder keine Erklärung bietet, ein blinder Fleck in seiner Untersuchung. Beispielhaft sei etwa genannt, warum Deutschland im Mai 1940 England und Frankreich auf dem Kontinent besiegen konnten. Fast patzig beschreibt Tooze den Grund dafür als 'militärische' Inspiration und ein unglückliches Ineinandergreifen der jeweiligen Operationspläne - recht monokausale Begründungsversuche in einem ansonsten um komplette Analysen bemühten Buch. Kleinere (Übersetzungs-?)Fehler, wie etwa die Bezeichnung der Panzer Tiger und Panther als Jagdpanzer kommen hinzu. Toozes Buch wird aber seinen Hauptanspruch der wirtschaftlichen Darstellung vollauf gerecht, daher nur ein geringer Abzug. Das letzte Kapitel, "Das Ende", bietet nochmal eine gute Zusammenfassung der Ergebnisse, beinhaltet leider auch eine abwertende en passant-Beurteilung der Nachkriegszeit sowie einen zu moralinsauren Schreibstil. Dies wirkt wie ein Fremdkörper in einem ansonsten sachlichen Buch, dass auch ohne erhobenen moralischen Zeigefinger die furchtbaren Konsequenzen der deutschen Kriegswirtschaft aufzuzeigen weiß. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Buch, auch fuer das heutige Deutschland,
Von Achim Duebel (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ökonomie der Zerstörung: Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus (Gebundene Ausgabe)
Tooze beschreibt eindrucksvoll am Beispiel der Wirtschaftsgeschichte der Nazizeit das auch noch heute latent vorhandene deutsche Dilemma: die Probleme eines wirtschaftlich und politisch Halbstarken, die eigenen Kraefte, die damit zusammenhaengende Notwendigkeit der Einbettung in die internationale Wirtschaft sowie die Konsequenzen fuer ihre Wirtschafts- und Aussenpolitik richtig einzuschaetzen.Besonders klar wird bei Tooze, dass der Krieg - obwohl politisch von Anfang an von Nazis und Teilen der Reichswehr gewollt - auch eine direkte Folge des in den deutschen politischen Eliten vorherrschenden Autarkie- und daraus folgenden wirtschaftlichen Regulierungs- und Lenkungswahns war. Ohne Handel (und die durch sie erzeugten Devisen) gab es Zugang zu lebensnotwendigen internationalen Rohstoffen und Arbeitskraeften aber nur gegen Gewalt. Eine Strategie der Importsubstitution war fuer ein mittelgrosses Land, wie Tooze eindrucksvoll Sektor fuer Sektor nachweist, zum Scheitern verurteilt. Ohne funktionierenden Preismechanismus und unter einer ideologisch gefuehrten, rigiden staatlichen Planwirtschaft wurden das knappe vorhandene Real- und Humankapital in gigantischer Art und Weise verschwendet: anstatt, wie die USA, diese Faktoren mit sanften staatlicher Anreizen in dauerhaften Konsum (in den 30er Jahren v.a. Wohnungen und Verkehr) zu lenken und so angetrieben von den Konsumenten aus der Weltwirtschaftskrise zu wachsen, verpulverte Deutschland seine - und spaeter die von den europaeischen Nachbarn geraubten - Ressourcen in einem anachronistischen Ruestungswettlauf, den es nur verlieren konnte. Nur wenige, wie Carl Goerdeler, stellten sich der Logik des nach innen und aussen zur Aggression verdammten Autarkiestaates entgegen. Ihre Namen werden in der allzu oft auf metaphysischer Ebene stattfindenden deutschen Debatte weitgehend vergessen. Mit Lust gibt man sich hierzulande etwa Goetz Aly's These vom raubenden Volksstaat hin. Der Wahrheit naeher duerfte aber Tooze kommen, der Raub und Mord treffend als die haesslichen Geschwister von Mangelwirtschaft und Knappheit identifiziert. Mit seiner Kernthese bietet dieses hervorragend geschriebene Buch damit auch noch fuer das heutige, in vielerlei wirtschaftlichen Lenkungsdebatten verharrende Deutschland reiche Lehren. Vor allem die eine: politische Eliten ohne Bezug zur wirtschaftlichen Realitaet und entsprechendes Verstaendnis sind im besten Fall ein teuerer Luxus, mit Ideologie und Aggressivitaet gepaart sind sie brandgefaehrlich. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3.0 von 5 Sternen
An wesentlichen Stellen mangelhaft,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ökonomie der Zerstörung: Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, daß zu diesem Thema die Struktur der Mefo-Wechsel nur auf einer halbenSeite abhandelt, kann trotz des vorhandenen Umfangs keine gute Beurteilung beanspruchen. Leider gibt es kein Sachwörterverzeichnis zum Inhalt des Buches. Mit Sachwörter- verzeichnis würde dieser Mangel deutlicher hervortreten. Die zeitlichen Abläufe werden teilweise verwirrend dargestellt, weil der Autor willkürlich Jahre zurück und wieder nach vorne springt. Hjalmar Schacht werden an einer Stelle Verantwortlichkeiten zugesprochen, obwohl Schacht nicht im Amt war und folglich diese Entscheidungen nicht treffen konnte. Gregor Strasser wird aus der Partei ausgestoßen, obwohl er noch Parteimitglied war. Immer wieder entsteht der Eindruck als habe der Autor einige Werke über Stresemann und Schacht als Leitfaden genommen und um diesen Faden seine Details und auch seine Interpretationen ausgewalzt. Das Buch gehört zu den wenigen Büchern, die sich mit dieser Thematik befassen. Deshalb 3 Sterne. Wäre mehr Literatur vorhanden, könnte das Buch wahrscheinlich nur 2 Sterne beanspruchen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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