Heinrichs' Tiefenökologie erstrebt einen Friedensschluss des Menschen mit der Natur, um ähnlich wie Ludwig Klages in Mensch und Erde" (1920) die Entgegensetzung von Kosmos und Mensch, von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften aufzulösen und über eine pragmatische ökologische Ethik hinauszugehen. Jenes führt zur benannten Ökologie des Denkens". Sie ist Teil menschlicher Innenwelt, deren Verschmutzung und Vernachlässigung die weitreichendsten Folgen für den Zustand der Außenwelt hat. Wir können im Sinne dieser Botschaft auch umgekehrt mit Schopenhauers Ethik des Mitleids sagen: Mit der Natur oder den Tieren beschmutzt oder schändet der Mensch zugleich immer auch sich selbst, und - wieder mit Heinrichs - erst im Denken vollzieht der Einzelne den Übergang von seiner Bewusstseinsverfassung zur ethischen Gesellschaftsverfassung, welche einer gesunden Natur aktiv Rechnung tragen kann. Alle Elemente sind unmittelbar verknüpft und müssen zur Beendigung gegenwärtiger ökologischer Selbstvernichtung in Rückkoppelung zueinander stehen. Dieser Aspekt, die Wiedergewinnung eines uralten kosmischen Bewusstseins, bedeutet dann Ökologische Spiritualität und nicht wiederum vom Markt instrumentalisierte einseitige Öko-Mode oder Öko-Religion.
Das Besondere des Werkes liegt in der Tat darin, dass letzte Grundstrukturen des Seienden (Ontologie), ja gar theologische Fragen als Voraussetzungen unserer Naturbegegnung in Relation zueinander gesetzt werden. Mag damit zwar die Gefahr drohen, aus den praktischen Fragen des Weltzustandes in die Höhen der Theorie auszuscheren - so gehört doch für jeglichen Wandel des Denkens gerade die ohnehin in jedem Menschen intuitiv gespürte Entschlossenheit dazu, die eigenen Ansichten zu hinterfragen und praktisch zu verändern. Der Schlüssel zur Praxis liegt in der erfahrbaren und zugelassenen Intuition des Einzelnen. Der Leser empfindet bei der Lektüre die im Titel steckende Frage womöglich als Zumutung, meint er doch, bereits fortschrittlich und naturfreundlich zu sein. Der Schritt zum bewussten Naturdenken aber ist damit noch nicht vollzogen. Wenn Menschen nur" bereit sind, ihre Augen, Ohren und Herzen vor dem Leiden der Natur, dem Wahn der Verschwendung von Ressourcen nicht zu verschließen, fehlt noch der letzte Schritt, nämlich diese Erkenntnis zu leben und ihr Fundament zu begreifen, dass wir zudem in der Natur unser eigenes Antlitz sehen. Erst das befähigt, aus dieser prinzipiell unlösbaren Verbindung mit allem, was lebt" empathisch tätig zu werden.
Ohne Zweifel: Freiwirtschaft, Humanwirtschaft oder Fairconomy verfolgen das Ziel, diese Perspektive im wirtschaftlichen Bereich zu stärken. Dennoch gehört unabdingbar ein Komplementärbewusstsein jener Ökologischen Spiritualität dazu. Sie ist die Voraussetzung auch dafür, dass die gesellschaftszerstörende Umverteilung des Geldes, die aus Geld ständig mehr Geld macht zugunsten jener, die bereits viel Geld besitzen, weitgehend aufhört.