Pressestimmen
»[...] bei der Untersuchung der Frage, wie die Forschung, Darstellung und Wirksamkeit der Elektrizitätslehre gerade von dem Bereich der nicht-institutionalisierten Wissenschaft getragen und vorangetrieben wurde [...] leistet Hochadel wertvolle wissenschaftliche Pionierarbeit. [...] Die quellenkritische Absicherung der vorliegenden Monographie bewegt sich dabei auf einem sehr hohen Niveau. [...] Hochadels Monographie ist für jeden (Wissenschafts-)Historiker, der sich mit Naturwissenschaft und Aufklärung im 18. Jahrhundert sowie mit Fragen der Popularisierung der Naturwissenschaften beschäftigen will, unverzichtbar.« (Heiko Weber, Sehepunkte, Rezensionsjournal f. d. Geschichtswissenschaften, 4/2004, Nr. 5)
»Kulturhistorisch behandelt er (Hochadel) nicht den Vorabend der modernen Physik, sondern den des modernen Physikers. Dass Hochadels hervorragende Studie dabei zu einer Fülle von interessanten Ergebnissen kommt, liegt an ihrer Konzentration auf einen Personenkreis, in dem der Autor Praktiker des Wissens am Werke sieht.« (Michael Adrian, Frankfurter Rundschau)
»Hochadel eröffnet auf eindrucksvolle Weise neue kulturhistorische Perspektiven auf die Aufklärung.« (Friedrich Steinle, Süddeutsche Zeitung)
Kurzbeschreibung
Oliver Hochadel zeigt die Rolle der umherziehenden Elektrisierer in der Verbreitung des Phänomens Elektrizität. Die Auseinandersetzung damit zwang die universitären Wissenschaftler zur Definition ihres Berufsstandes. Oliver Hochadel zeigt die Rolle der umherziehenden Elektrisierer in der Verbreitung des Phänomens Elektrizität. Die Auseinandersetzung damit zwang die universitären Wissenschaftler zur Definition ihres Berufsstandes.
Das Phänomen der Elektrizität war das Modethema der Physik in der Aufklärung. Seit etwa 1740 sorgten magisch leuchtende Kopfaufsätze, geheimnisvoll bewegte Glockenspiele und die Entzündung von Weingeist durch eine Degenspitze für großes Aufsehen auch weit über akademische Zirkel hinaus. Der adlige Hof, der bürgerliche Salon, aber auch das Gasthaus und die Jahrmarktsbude wurden zum Schauplatz funkensprühender Versuche.
Wer aber waren diese elektrisierenden Vorführer? Mit Hilfe einer Vielzahl bisher unbekannter Quellen rekonstruiert der Autor die faszinierende Subkultur der umherziehenden Elektrisierer und Instrumentenmacher, die Geschäft, Spektakel und Popularisierung zu verbinden wußten. Diese Fußtruppen der Aufklärung machten sich um die Einführung des Blitzableiters ver dient und lockten ihr Publikum mit den Heilungsverheißungen der medizinischen Elektrizität.
Konflikte mit den universitären Praktikern der Elektrizität gehörten zur Tagesordnung. Der heftige Wettbewerb um zahlende Zuschauer, gesellschaftliche Respektabilität und die Deutungsmacht über die Phänomene veranlaßte die Physikprofessoren, sich in aller polemischen Schärfe von den wissenschaftlichen Handlungsreisenden abzugrenzen: Man selbst sei seriös und voll Forschergeist, nicht marktschreierisch, repetitiv und betrügerisch. Diese Absetzungsrhetorik verfestigte sich zu einer Definition dessen, was einen Wissenschaftler ausmacht - und was nicht. Die elektrisierenden Schausteller wurden zur Negativfolie für das sich allmählich herausbildende Selbstverständnis des modernen Naturwissenschaftlers