Neue Zürcher Zeitung
Hinweise auf Bücher
Der «andere» Ödipus des Sophokles
rib. Das zweite erhaltene Ödipus-Drama des Sophokles, der postum im Jahr 401 v. Chr. von einem Enkel des Dichters aufgeführte «Ödipus auf Kolonos», hatte ein wechselvolles Schicksal. Trotz dem Lob der alexandrinischen Philologen fand es in der Antike kaum Nachfolge und gewann erst im 18. Jahrhundert als Grundlage für Opernlibretti an Bedeutung. Für Hegel die vollendetste antike Tragödie, stand das Alterswerk später im Schatten des «König Ödipus» und der «Antigone» und wurde nur selten aufgeführt. Den Stoff des Dramas fand Sophokles in einer Lokalsage des attischen Demos Kolonos vorgebildet. Nach lebenslanger Wanderung kommt der von Theben ausgestossene Ödipus in den heiligen Bezirk der Eumeniden auf dem Hügel Kolonos und stirbt dort als Bettler, fern von seiner Heimat. Als Heros wird er, in dessen Leid sich die Macht der Götter offenbarte, zum Segen für das Land, das ihn am Ende seines Lebens aufnahm. Die lange nicht mehr greifbare deutsche Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt liegt nun in einer Taschenbuchausgabe vor. Den Anmerkungen des Übersetzers und des Herausgebers sind eine knappe Darstellung der Wirkungsgeschichte sowie ein Kapitel über die Darstellungen des greisen Ödipus in der bildenden Kunst von der Antike bis in die Gegenwart hinzugefügt.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Klappentext
»Im König Oidipus sehen wir den tragisch geschlagenen Menschen, den die Gottheit in das tiefste ausdenkbare Elend stürzt. Im Oidipus auf Kolonos erkennen wir ein erhabenes Paradoxon: derselbe Mensch, den die Götter so furchtbar trafen, war zu gleicher Zeit ein Auserwählter. Dadurch, daß sie ihn zum großen Beispiel machten, ist sein grauenhafter Sturz in einem auch Erhebung gewesen. So rufen sie ihn nun am Ende seiner qualvollen Wanderschaft in das erhöhte Dasein eines Heros.«
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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