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Ärzte als Hitlers Helfer
 
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Ärzte als Hitlers Helfer [Gebundene Ausgabe]

Michael H. Kater
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Europa Verlag Hamburg (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 320379005X
  • ISBN-13: 978-3203790053
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 5,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 752.794 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Ein Leben im Dienst der Menschlichkeit" fordert das Berufsgelöbnis von Ärzten heraus. Doch wie steht es darum, wenn das System, in dem die Ärzte praktizieren, keinerlei Menschlichkeit aufweist? Müssen sie sich gegen die Politik wehren oder sich mit ihr arrangieren, und wie gehen sie später mit ihrer Entscheidung um? Fragen, die sich im Zusammenhang mit deutschen Medizinern im Nationalsozialismus geradezu aufdrängen, kennt doch jeder die grauenvollen Menschenversuche des KZ-Arztes Josef Mengele. Doch Mengele war mit seinen relativ wenigen Kollegen in den Konzentrationslagern die schreckliche Ausnahme neben Tausenden "normaler" Ärzte im Nazi-Deutschland. Wie aber verhielten sich all diese Mediziner in der Diktatur? Dem ging der Geschichtsprofessor Michael H. Kater bereits 1989 in seinem Standardwerk Doctors under Hitler nach, das nun endlich in einer deutschen Übersetzung erschienen ist. Katers Erkenntnisse über die oft allzu systemfreundliche Medizinerkaste, deren Seilschaften auch nach dem Krieg hervorragend funktionierten und viele Ereignisse tief vergruben, war wohl lange Zeit zu brisanter Stoff für den deutschen Buchmarkt.

Der Amerikaner seziert mit akribischer Genauigkeit die Ärzteschaft im Nationalsozialismus. Sein Skalpell schneidet in die, die den neuen Forschungsmöglichkeiten jedes Quäntchen Humanismus opferten, es legt aber auch das angepasste Verhalten vieler der oben angesprochenen Ärzte in Alltagspositionen offen. Ausbildung, die Situation der Ärztinnen sowie der jüdischen Mediziner sind weitere Aspekte von Katers ausführlicher Arbeit.

"Die Bereitschaft", schreibt Hans Mommsen in seinem Vorwort, "rassisch und gesundheitlich unerwünschte Mitbürger auszumerzen und sich zum Diener einer verbrecherischen Züchtigungspolitik zu machen, war weit verbreitet". Diese Erkenntnis Katers über die "Götter in Weiß" macht seine Studie zu einem unverzichtbaren Beitrag in der Aufarbeitung des NS-Geschichte. --Joachim Hohwieler

Neue Zürcher Zeitung

Weisse Kittel, schwarze Uniformen

Ärzte im Nationalsozialismus – zwei neue Publikationen

Die deutsche Ärzteschaft verfügt in Gestalt der Bundesärztekammer über eine gut organisierte Interessenvertretung, die bestrebt ist, ein makelloses Bild ihres Berufsstandes in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Braune Flecken stören da nur, zumal auf dem strahlend weissen Ärztekittel. Doch Gestalten wie Hans Joachim Sewering, 1973 bis 1978 Chef der Bundesärztekammer, zeigen, dass nicht alle deutschen Ärzte ausschliesslich Unschuldsweiss trugen. Neben seinem Ärztekittel besass Sewering, der sich 1943 nachweislich an «Euthanasie»-Morden beteiligt hatte, nämlich auch die schwarze SS-Uniform. Derartige personelle Kontinuitäten zwischen NS-Zeit und demokratischer Bundesrepublik gab es auch in anderen Berufszweigen, doch in kaum einem lösen sie derartiges Erschrecken aus wie bei den Medizinern. Deren hohes Sozialprestige rührt gerade aus der Verpflichtung, jedes menschliche Leben unter allen Umständen zu schützen. 1933 bis 1945 fanden sich jedoch allzu viele von ihnen bereit, diesen kategorischen Imperativ zugunsten einer rassistischen Politik der «Auslese» und «Ausmerze» hintanzustellen.

Michael H. Kater, Historiker im kanadischen Toronto, hat sein zuerst 1989 veröffentlichtes Standardwerk «Doctors under Hitler» nunmehr endlich auch auf Deutsch publiziert. Der Titel «Ärzte als Hitlers Helfer» ist allerdings unglücklich gewählt, erinnert er doch an eine effekthascherische und durch geringes Reflexionsniveau gekennzeichnete Fernsehserie. Diese Vorwürfe kann man Kater gewiss nicht machen. Er zeichnet ein ausgesprochen differenziertes, auch sozialhistorisch fundiertes Bild der deutschen Ärzte im Nationalsozialismus, wobei er sich keinesfalls auf bekannte Figuren wie den berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele konzentriert. Gerade den normalen Ärzten, ihrer universitären Ausbildung und ihrem Berufsalltag wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Auch Aspekte wie die widersprüchlichen Professionalisierungs- und Deprofessionalisierungstendenzen oder die Rolle der Frauen werden ausführlich gewürdigt.

Das ernüchternde Urteil, die Ärzte seien «sicherlich einer der am stärksten nazi-orientierten Berufsstände im Dritten Reich» gewesen, lässt sich an zwei Zahlen illustrieren. In der NSDAP waren die Ärzte im Verhältnis 3:1 überrepräsentiert, in der SS sogar 7:1. Gerade die SS mit ihrem Anspruch, die Elite des künftigen völkischen Staates zu stellen, übte auf viele Ärzte eine so grosse Faszination aus, dass manche von ihnen der Versuchung nicht widerstanden, sich an grausamen – und wissenschaftlich obendrein wertlosen – Menschenexperimenten aller Art zu beteiligen oder sich zu Handlangern der «Euthanasie»-Aktionen zu machen. Widerstand gegen das NS-Regime wurde dagegen nur von wenigen Ärzten geleistet. Moralische Blindheit war die wohl am weitesten verbreitete «Krankheit» in Deutschland während der Jahre 1933–1945.

Der Antisemitismus unter Deutschlands Ärzten, gepaart mit dem äusserst eigennützigen Motiv, sich auf diese Weise lästiger Konkurrenz auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt entledigen zu können, führte dazu, dass etwa 40 Prozent der medizinischen Hochschullehrer aus Deutschland vertrieben wurden. Ebenso betroffen waren die einfachen Ärzte, von denen etwa 15 Prozent als jüdisch definiert wurden. Rund 50 Prozent waren es sogar unter den Kinderärzten. Ihnen, die entrechtet, ihrer beruflichen und privaten Lebensperspektive beraubt, vertrieben und ermordet wurden, ist ein von Eduard Seidler zusammengestelltes, im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin veröffentlichtes Nachschlagewerk gewidmet. In ihm sind alle, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden, aufgeführt, soweit ihre Schicksale rekonstruierbar waren. Wer Glück hatte, fand in einem von 31 Ländern auf allen Kontinenten Aufnahme; wer nicht, wurde in einem der Vernichtungslager ermordet oder in einem Ghetto dem Tod durch Hunger und Krankheit ausgeliefert. So unvollständig dieses Nachschlagewerk zwangsläufig auch sein mag – die Auflistung von über 600 Einzelschicksalen lässt erahnen, welches Ausmass an intellektueller und moralischer Verheerung mit der NS-Herrschaft einherging.

Christoph Jahr


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Pflichtlektüre für Ärzte 1. Oktober 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Es sollte Pflichtlektüre für Ärzte sein und ist eine hervorragende Lektüre für alle, die sich mit dem Gesundheitswesen während des Nationalsozialismus in Deutschland beschäftigen wollen. Aber es ist nicht nur Lektüre, sondern es ist eine unfassende Fundgrube zu allen Erscheinungen im nationalsozialistischen Gesundheitssystem. Hier erfährt man, wie es dem Nationalsozialismus gelungen ist, eine ganzes Gesundheitssystem ihren Interessen gemäß umzugestalten und wie große Teile der Mitarbeiter dieses Gesundheitssystems willfährige Helfer der Nationalsozialisten gewesen sind. Über 50 % der Ärzte zwischen 1933 -1945 waren Mitglied der NSDAP, und somit waren prozentual mehr Ärzte in der NSDAP als Juristen und Lehrer. Wie konnte so etwas möglich sein? Wie konnte sich ein Berufsstand, der sich die höchsten humanistischen Ziele - demonstriert in Eiden - auf seine Fahnen geschrieben hatte an einem politischen System so engagiert beteiligen, welches Menschen- und Rassenselektion auf seine Fahnen geschrieben hatte? Hier erfährt man auch, welchen Einfluß eine '"Reichsärztekammer"' (RÄK) ausgeübt hat und wie eine "'Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands"' (KVD) politisch unliebsame und jüdische Ärzte aus dem ärztlichen Beruf verbannt hat. Und man erfährt auch, welche Erscheinungen aus diesem nationalsozialistischen Gesundheitssystems in das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 übernommen wurden, einschließlich aktiv tätiger SS-Ärzte. Michael H. Kater ist ein erwiesener Kenner des nationalsozialistischen Gesundheitssystems, der über Jahre ein umfassendes Wissen zu diesem Thema zusammen getragen und ausgiebige Recherchen geführt hat. Als kanadischer Staatsbürger und jetziger Professor für Geschichte an der York University in Toronto ist er frei von jedem Vorwurf subjektiver politischer Interessenprägung, sondern urteilt als objektiver Sachkenner. Sein Buch, welches bereits 1989 in den USA unter dem Titel '"Docters under Hitler"' veröffentlicht wurde, ist erst 10 Jahre später in Deutschland erschienen. Vielleicht auch ein Hinweis darauf, wie schwer sich die Deutschen mit der Verarbeitung ihrer Geschichte tun, die man lieber 'verdrängen' als 'verarbeiten' möchte. Die Geschichte und die Fehler der Geschichte sind allerdings dazu da, dass man aus ihnen lernt und nicht, dass man sie verdrängt und letztlich immer wieder die selben Fehler macht. Die Deutschen scheinen allerdings hierzu eine große Neigung zu haben, neben der Neigung, immer von einem Extrem in ein anderes zu fallen, und immer mit chaotischen Folgen. Hier sind sie fast ein Lehrbeispiel für die Welt. Diesem Buch gebühren nicht nur 5, sondern 6 Sterne, ein zusätzlicher goldener Stern für den in jeder Fase flüssigen und für jedermann verständlichen Text von Michael Kater.
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