Wir hätten mehr daraus machen können.
Die wichtigsten Kunden der IBM sind andere Unternehmen. IBM macht dann einen guten Job, wenn es einen Beitrag zum Erfolg seiner Kunden leistet. Insofern ist es ein guter Gedanke, ausgerechnet mit dem Werbung zu machen, was man selbst bei sich ausprobiert hat. Zu zeigen, wo es IBM im eigenen Haus gelungen ist, eine Transformation - also eine Veränderung von Organisation und Prozessen - erfolgreich hinzubekommen. Sell what you use, das ist nach wie vor ein Erfolgsrezept. Und tatsächlich sind Veränderungsprozesse eine der größten Herausforderungen der Kunden der IBM, und ja, die IBM kann hier in vielen Fällen hilfreich sein. Und ja, das Unternehmen ist in deutlich besserer Form als noch vor fünf bis zehn Jahren.
Aber warum dann so eine Werbebroschüre als Buch verpackt? Das, was hier gleich zu Beginn als Stärke verkauft wird, nämlich der Verzicht auf einen namentlich genannten Autor, erweist sich dann beim Lesen als große Schwäche des Buches. Vieles, was hier erzählt wird, wirkt wenig konkret. Merkwürdig reibungslos verlaufen hier die einzelnen Aspekte des Kulturwandels, nie gibt es konkrete Probleme, sondern immer nur kleine, lösbare Herausforderungen. Kritische Auseinandersetzungen mit der Strategie, ein nach meiner Erfahrung wesentliches Mittel, um überhaupt das Buy In für Veränderungen zu erhalten, bleiben im Buch außen vor. So kann ich das Buch als Leitfaden für andere Unternehmen in ähnlicher Lage kaum empfehlen.
Ich hätte mir hier weit mehr Mut gewünscht. Jeder, der selbst in einem großen Unternehmen arbeitet, weiß, dass es immer Stärken und Schwächen gibt. Dass es kein Licht ohne Schattenseiten geben kann. Dass kein Unternehmen ohne Diskussion, ohne Streit erfolgreich sein kann. Dass Manager mal gute Tage haben und mal schlechte. Warum hat sich das Unternehmen hier nicht einmal etwas weiter geöffnet und gezeigt, dass der Weg noch nicht abgeschlossen ist, auch niemals abgeschlossen sein kann? Warum fehlen wirklich persönliche Stellungnahmen, die über ein gelungenes Marketing hinausgehen? Das hätte dann den Lesern und den Kunden wirklich weiterhelfen können. Und es hätte deren Bindung an das Unternehmen verstärkt.
Beim nächsten Mal deshalb dann doch bitte einen Autor, und möglichst einen guten.