Aus der Amazon.de-Redaktion
Musik aus Skandinavien ist meist etwas Besonderes, häufig losgelöst vom europäischen Festland und dafür enger verbunden mit der eigenen Umgebung. Isolation und eine gewaltige Natur nehmen da zudem erheblichen Einfluss, selbst bei Björk klingt das immer wieder durch und für einen Mann wie den Norweger Biosphere dient sie als Inspirationsquelle.
Sigur Ros kommen wie Björk aus Reykjavik, und sie müssen Empfindungen haben, die eng verbunden sind mit der Insel im Nordatlantik. Umringt von Mythologien und Naturschauspielen hat das Quartett eine eigene musikalische Sprache gefunden. Die ist langsam, nie laut oder aggressiv und doch immer unglaublich eindringlich. Sigur Ros gründeten sich 1994 als Trio und nahmen von ihrem letzten Geld ein Song auf, der es zu einem Kompilationbeitrag brachte. Vier Jahre später entern die Isländer für einen Sommer die heimischen Singlecharts und im nächsten Jahr avancierte Agaetis Byrjun zum Topseller auf Island. Nun war es an der Zeit, die Insel zu verlassen, um die betörenden Klänge (auch dank des exzellenten Londoner Labels Fat Cat) dem Rest der Welt vorzuspielen -- und die sollte zuhören.
Sänger Jon Thor Birgisson spielt seine Gitarre mit einem Violinenbogen und singt mit seiner Falsettstimme in femininen Höhen, Georg Holm streichelt den Bass, Orri Pall Dyrason geht zärtlich mit seinen Drums um und Kjartan Sveinsson zaubert wundersame Klänge aus den Keyboards. Die Musik fließt, umspült den Zuhörer bis er Teil eines Stroms aus Stimmungen wird. Der ist auch wegen der teilweise orchestralen Instrumentierung episch breit aber nicht pathetisch, und dem Rock wird die Luft bis auf Slo-Motion-Tempo abgewürgt. Sigur Ros sagen über sich selbst, dass sie keine Band sondern Musik seien und diese für immer ändern wollen. Mit Agaetis Byrjun ist ein Anfang gemacht und die Geschichte geht bestimmt weiter. --Sven Niechziol
INTRO
Allerorten wird dieses isländische Ding derzeit als das nächste große gehandelt. Big im UK sind Sigur Rós, sogar The Face, immer die Nase im Wind, bejubelte sie ehrfürchtig als "die letzte große Band des 20. Jahrhunderts." Und - kein Wunder - auf der Expo räumte man gehörig ab. Das Potenzial stilkonstituierender Breitenwirkung wird ihnen unterstellt. Mag sein. Allein, ihre elfengleichen Slo-Mo-Soundscapes, teils betulich und luftig, teils breitest orchestriert, sind nicht zwingend dazu angetan, Welten aus den Angeln zu heben. Da mögen ihre muttersprachlichen Elegien gerne dann und wann an edle Kompositionen von Air oder Polar erinnern, sogar mit Portishead in einem Atemzug genannt werden - stets holt sie vernebelnder Schwurbel ein, immer droht esoterisches Brimborium mit Räucherstäbchen, Weihrauch und kurioser Geistesverwandtschaft zu den Gesängen der Buckelwale. So sinnlich erfahrbar, weißt du, und neulich, im Anthroposophischen Zentrum, da haben die Sigur Rós als Stimmungsbildner fürs Oberton-Eurythmie-Theater gespielt. War echt total Tolkien. Man könnte "Agaetis Byrjun" gar vorwerfen, es tauge zur Beschallung von Weihnachts-Mehrteilern. Oder für Werbespots. Audi vielleicht, auch ein sich hip gerierender Direktversicherer käme in Frage. Die Tiefe nämlich, die hier vorgegeben wird, ist zweifellos die Abwesenheit von Wahrhaftigkeit. Was meint der NME? "Epische Stimmungsmusik." Grundgütiger! Ja, sind denn jetzt alle übergeschnappt? Muss ich nun allen Ernstes, auch wenn ich kein Wort dieses Albums verstehe, wegen seiner stimmungsimmanenten Botschaften über Wiedergeburt oder Erdstrahlen debattieren? Wozu war denn, bitteschön, das Zeitalter der Aufklärung gut? Hundsgemein auch, dass "Agaetis Byrjun" alles ist, nur nicht banal. Es schwingt sich perfide, dick aufgetragen vor sich hin falsettierend, zu einer großen Inszenierung auf, wirkt konstruiert und schlau. Intelligenter Tand eben. Ihr werdet darauf hereinfallen.
Rembert Stiewe / Intro - Musik & so
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Immer wieder ist von Magie und Traumlandschaften die Rede. Und selbst ein äußerst überstrapazierter Satz hat bei Sigur Rs seine Berechtigung: Diese Band ist einzigartig. Mit ihrem zweiten Album "çgaetis Byrjun" verzauberten die vier Isländer vor zwei Jahren die Welt. Jetzt folgt das dritte Werk - eins voller Überraschungen: Weder das Album noch die einzelnen Songs tragen Titel, und Jon Thor Birgissons Falsett-Gesang erklingt in der Fantasiesprache "Hopelandish". Ihre Musik ist pure Emotion, und Texte sollen die Höreindrücke nicht eingrenzen. Musikalisch aber halten sich die Überraschungen in Grenzen, alle Songs sind bereits von Konzerten bekannt. In der Tradition des Vorgängers kombinieren Sigur Rs symphonischen SloMo-Rock mit Elektronik. Bei anderen mag Stagnation ein Kritikpunkt sein, im Falle der Isländer ist man für ein weiteres Album voll entrückter Schönheit dankbar. (cs)
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