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am 8. April 2008
Danach selbstbewusst und aufrecht gehen
Im Transit-Verlag Berlin erschien ein Buch über die Kindheit und das Erwachsenwerden von Ernst Jacobi. Hoffentlich findet es viele Leser

Der Schauspieler Ernst Jacobi lebte etliche Jahre in Zaglau, im Mühlviertel, bevor er sich endgültig in München niederließ. Er betätigte sich in den letzten Jahren auch als Autor von Hörspielen. Und als Fotograf und Fotokünstler. Davor war er als Schauspieler an großen deutschsprachigen Bühnen in Berlin, München, Zürich und Wien und in vielen Filmen für Film und Fernsehen zu sehen. Unter anderem in Die Blechtrommel" von Günter Grass. Zehn Jahre seines Lebens als Schauspieler verbrachte Jacobi am Wiener Burgtheater. Er besuchte nach dem Abitur das Max-Reinhard-Seminar.

Mittlerweile ist er fünfundsiebzig und macht reinen Tisch. Und verfasste einen Rechenschaftsbericht"(S. 217). Und das nicht, wie mittlerweile oft bei Schauspielern üblich, in Form einer eitlen Autobiografie, die bisweilen nur auf name-dropping fußt und Schauspieler-Eitelkeit. Sondern primär in Form einer Schilderung seiner Jugendjahre, die zwangsläufig parallel zur Machtergreifung der Nazis verlief. Die damaligen Prägungen und Irritationen begleiteten Jacobi, wie sein Buch zeigt, bis ins hohe Alter.
Genau darüber ist nun im Buch mit dem lapidaren Titen Ernst Jacobi , geb.33'" zu lesen. Jacobis Kindheit begann mit dem Aufstieg und Fall Adolfs Hitlers, 1945 war Jacobis Kindheit (und Hitlers Macht) zu Ende.

Wir haben uns so spät gefunden
ich weiss von deiner Kindheit nichts
schreib mir doch bitte etwas auf "

- diese Liebeserklärung von und Widmung an seine Frau steht dem Buch voran. Der Rhythmus dieser Widmung reißt alsdann 230 Seiten nicht mehr ab. Ernst Jacobi schreibt zwar in Prosa, aber das, zum Erstaunen der Leser, in bestechend schöner, unmanieriert-gebundener, selbstironisch gefärbter, genauer Sprache. Eigentlich in Odenform. Diese Sprache entpräche ihm, beteuert Jacobi, und er fühle sich in ihr nicht fremd. Mit Hebungen und Senkungen, mit Dehnungen und Verkürzungen, das eine Mal schneller, das andere Mal langsamer werdend, schildert er als ein Ich-Erzähler den Werdegang eines Knaben und künftigen Schauspielers ab dem Jahr 1933: jenes Jahr, in dem Max Reinhard emigrierte. Darin liegt schon der Schlüssel zu diesem seltsamen Buch. Während Max Reinhard emigrieren konnte, war Ernst Jacobi ob seiner Jugend zum Bleiben verdonnert. Ernst Jacobi: Das Geburtsdatum 1933 sei das Geringste, das über einen Menschen gesagt werden könne, und nicht von ungefähr stehe deshalb das Geburtsdatum auf dessen Grabstein. Eine Aktennotiz. Das sei für ihn der Ausgangspunkt.

Das Buch Ernst Jacobi Geb.33" ist zugleich eine Annäherung an die immer fremd gebliebene Mutter und die Suche nach Identität. Erst nach dem Schreiben dieses Buches habe sich die Distanz zur Mutter verringert, sagt Jacobi. Politisch unbedarft fühlt sich Jacobi keineswegs. Obwohl ihm seine Lebensphase 1933-1945 nicht unbedingt eine Verpflichtung zur Stellungnahme auferlegt hätte. Das aber glaubt man nur solange, bevor man das Buch zu lesen begonnen hat. Ist man mit dem Lesen fertig, hat man sich selbst mit dem Jungen Ernst Jacobi mitverändert.

[...] Wir hatten keine Antwort auf die Frage, was aus uns geworden wäre, wenn wir den Krieg gewonnen hätten. Man sagte uns in Nebensätzen, dass wir uns nicht den Kopf zerbrechen sollten. Seid froh, dass euch die Uniform erspart geblieben ist." Der Junge dachte: Was für eine Uniform? Wir hatten ja schon eine an. Euch kann man - Gott sei Dank - nichts in die Schuhe schieben. Ihr seid noch minderjährig. Kinder. Ohne Schuld." (S.178)
[...] Ich habe, was mich quält und formte, bewusst auf diesen Jahrgang Ž33 eingeschränkt. (...) Unter der Frage, was aus mir geworden wäre, entdeckte ich den Riss, in dem ich zur Besinnung kam. Dort hab ich das erworben, was ich Würde nenne ... nämlich die Fähigkeit, Schuld zu begreifen. Schuld zu tragen. Aus der Schuld zu lernen - und vor allem: Schuld vorauszusehen. Schuld macht nicht krumm. Wenn man aus ihr gelernt hat, kann man selbstbewusst und aufrecht gehen. (217)

Jacob denkt sich voller Scham zurück in seine Zeit als Junge, und übernimmt rückblickend Verantwortung. Ja, auch er habe aus seiner Schwäche heraus die Kälte und Stärke und Fassade der Nazis bewundert. Mir ist klar, dass ich auf einem schlimmen Weg war, und das habe ich versucht, mit einem alter ego, in einem Dialog mit dem Jungen, der ich einmal gewesen war, aufzuarbeiten..." Das Buch habe auch zu tun mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist. Und ich habe versucht, den Begriff Würde mit Schuld zu verbinden, weil ich denke, dass das sehr viel miteinander zu tun hat.

Jacobi wurde erst mit 21 majorenn. Bis dahin blieb er minderjährig. Das hält Jacobi nicht ab, gerade deshalb darüber zu schreiben: von seiner Bereitschaft, sich im Jungvolk verführen zu lassen, von Propaganda, Diktatur, Verblendung und Anpassung, über die Trennung von seiner Mutter und seinen Vater, einen Akademiker und Offizier, der sich von seiner nicht standesgemäßen Frau wieder scheiden ließ. Die Schauspieler-Laufbahn des Ernst Jacobi wird in seinem Buch dafür nur anhand kurzer Exkurse nur so ausführlich wie notwendig geschildert, denn wesentlicher ist Jacobi das historische Unterfutter seines Berufs.

Wenn ihr genug geweint habt", sagte Julius Bab in seiner Rede an die Nachgeborenen" - ihr werdet besser spielen." (S.194)

Dieser Satz wurde in der Zeit Jacobis am Max Reinhard Seminar oft zitiert. Er betraf an sich die Sentimentalisierung des Schauspielberufs. Doppeldeutiger könnte nicht ausgedrückt werden, was einen guten Schauspieler von einem schlechten, ein schlechtes Buch von einem guten, einen guten Menschen von einem schlechten unterscheidet. Ernst Jacobis Ernst Jacobi geb.33" ist ein Buch für Leser mit Gewissen und mit Blick auf die Zukunft. Das Alter und die Zeit spielen dabei keine Rolle, das werden all jene merken, die sich Zeit nehmen, dieses Buch zu lesen.
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am 14. Dezember 2008
Wer Jacobi von seinen besten TV-Rollen her kennt, schätzt das leise Vibrieren hinter seiner Stimme, das auf Verborgenes, auf Spannungen und Verletzungen aufmerksam macht, auf das Immer-noch-Lebendigsein des Kindes, das staunend und mit grosser Empfindsamkeit durch diese seltsame Welt geht.
Genau diese Qualitäten findet man auch in Jacobis uneitler Biographie, die vor allem auch die im Nationalsozialismus verlebten frühen Jahren beleuchtet. Mit einer zuweilen an die Filme Ingmar Bergman's erinnernden Schärfe werden sehr sinnlich Details eines Landaufenthaltes nördlich von Berlin geschildert, in der das Kind ohne die Mutter lange Zeit innerhalb eines völkisch orientierten Haushaltes zurechtkommen muss. Einsamkeit, Kälte, Fremdheit kriechen zuweilen aus den Zeilen, ein kollossales ins Leben Hineingeworfenwerden, ohne viel Wärme, Verständnis und Zuwendung. Aber es gibt auch die Entdeckung erster Erotik, Trost bei Tieren und in der Natur. Jacobis grosse schauspielerische Kunst kam auch durch grosse Verletzungen zustande, ebenso sein bei manchen Kollegen und Fernsehredakteuren gefürchteter "Eigensinn". Manchmal gerät die Beschreibung fast zu masochistisch, etwa in Schuldzuschreibungen bzgl. gewisser Gefühle gegenüber Phänomenen der Nazizeit. Jacobis Biografie steht quer zu den Selbstpreisungen vieler anderer Künstlerbiografien. Hier arbeitet sich einer ab, zu selbstquälerisch fast für unsere heutige Medienlandschaft, die es lieber plakativ, glanzvoll und hedonistisch mag. Jacobi steigt in den Steinbruch seiner Biographie hinab, versucht tiefe Mechanismen aufzuzeigen, die nicht in gut und böse, mutig und feige eingeteilt werden können. Er hält Ambivalenzen aus und bleibt am Ende nicht als politisch korrekter Held übrig. Vielmehr bleibt dieses berühmte Vibrieren, von dem man nicht sagen kann, wohin es im nächsten Moment führt. Eher verstörende, zweifelnde, fragende Kunst als das Alterswerk eines im Erfolg "angekommenen" Prominenten, der mit diesem und jenen anderen Promi gequatscht und gesoffen hat und nun selbstzufrieden auf sein Leben zurückblickt.
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