Da ich von "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt" hellauf begeistert war und selten bei einem Buch so viel lachte war klar, dass "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt" in mein Bücherregal einziehen muss. Die Leseprobe auf SPON war auch sehr vielversprechend, also sofort her damit. Leider hält das Buch nur bedingt, was sein Vorgänger und die Leseprobe versprachen.
Nur wenig Inhalt bezieht sich tatsächlich auf Hotelpannen, obwohl der Titel anderes vermuten lässt, stattdessen geht es um Pannen und lustige Erlebnisse aus der gesamten Welt des Reisens und Fahrens. Es sind dies:
Kapitel 1: Touristen-Abzocke
Eigentlich eine Warnung vor den verschiedenen, teils äußerst dreisten (abgebranntes Hotel in Indien), teils bewundernswert gut durchdachten Tricks, Touristen auszunehmen (oder sich gegen Abzocke zu wehren) hat das Kapitel seinen eigenen Witz. Sei es nun, weil man die Naivität mancher Touristen einfach belächeln muss, weil man sich an diverse Hollywood-Streifen erinnert sieht (Oceans 11 lässt grüßen) oder die Geschichten einfach gut geschrieben sind, das Kapitel macht Spaß. Dennoch kommt das Ziel nicht zu kurz, die Leser zu warnen und für diverse Tricks zu sensibilisieren.
Der Infokasten dieses Kapitels (Reisepannenvorbeugung) ist gut gemeint, hat aber erstens nichts mit dem vorausgehenden Kapitelinhalt zu tun und ist zweitens zum Großteil Allgemeinbildung jedes Reisenden (hoffentlich weiß jeder, wie und dass er Wertsachen verteilen sollte und sorgt für seinen empfindlichen Magen vor!) oder nicht unbedingt die sicherste Idee (alle Daten und Kopien vor der Reise an sich selbst mailen?!? PINS so verklausulieren, dass man sie am Besten noch selbst vergisst?!?).
Kapitel 2: Anekdoten von Touristik-Profis
Das Beste steht hier im Vorwort: Eine sehr kreative Beschwerde über das Flugzeugessen, direkt an Richard Branson gerichtet, die für den Beschwerdeführer der Beginn eines neuen Lebens war.
Mein Problem mit diesem Kapitel war, dass mir eigentlich alle Berichte über skurrile Reisebeschwerden (zu kurzer Sonnenuntergang am Äquator), menschliche Urlaubsdummheiten (nein, Animateure meinen die Flirtereien meist nicht ernst!) und peinliches Fehlverhalten (vielleicht sollte man auch als Stammgast die Gepflogenheiten im Hotel jedes Jahr neu kontrollieren?) aus SPON bekannt waren. Klar, Leseproben sind gut und hilfreich, diese war zu ausführlich.
Der "graue Kasten" am Kapitelende behandelt lustige Nachfragen von Touristen beziehungsweise im Reisebüro, von denen mir einige einfach zu albern waren, um glaubwürdig zu sein ("Wohnt Montezuma auch im Hotel?" und andere).
Am Wichtigsten finde ich die Moral dieses Kapitels, die unter Anderem lautet, dass man Automatikschaltungen bitte erst ausprobieren sollte, nicht alles einen Grund zur Reisebeschwerde darstellt und Informationen zum Reiseland vor dem Urlaub sinnvoll sind.
Kapitel 3: Aus dem Alltag von Flugbegleitern
Wie sollte es anders sein, das Kapitelvorwort behandelt Steven Slater, den nach seiner Flucht bekannt gewordenen Flugbegleiter...
Dieses Kapitel ist eines der drei Beispiele dafür, dass ein zweiter Teil der Landebahn vielleicht doch besser gewesen wäre, Stoff genug scheint es zu geben, wenn, wie in diesem Kapitel, die Passagiere ihre Manieren am Boden lassen (ich wäre ausfallend gegenüber einer gewissen Mutter geworden und bewundere die Ruhe der benannten Stewardess!!!) oder Stewardessen ihre Rache an allzu ungemütlichen Passagieren schildern.
Leider ist das Kapitel sehr kurz ausgefallen und nicht an allen Stellen glaubwürdig, lustig aber ist es allemal.
Der Schlusskasten lässt zu wünschen übrig, wenn nur ein kurzes, wenngleich passendes, Filmzitat aus "Up in the air" ausgeführt wird.
Kapitel 4: Prominente Extremreisende
In diesem Kapitel dürfen "bekannte" Persönlichkeiten wie Andreas Kieling, Tierfilmer, Tony Wheeler, der Gründer von Lonely-Planet, und Alexander Huber, Extremsportler, ihre weniger lustigen als beeindruckenden Reiseerlebnisse schildern. Das passt zwar in der Regel zum Buchthema, sprach mich aber dennoch nicht an, weil alle Berichte auf mich mehr wie angeberische Platzfüller als humorvolle Urlaubspannen wirkten.
Der Schlusskasten behandelt die fünf nervigsten Tiere der Welt, zu denen die Autoren Affen, Mücken, Keas, Quallen und Kakerlaken zählen und deren Nervfaktor sie erläutern. Ob das wirklich die nervigsten Tiere der Welt sind? Die Autoren halten sie jedenfalls dafür und lustig zu lesen waren die Begründungen allemal.
Kapitel 5: Bahnfahren weltweit
Wahrscheinlich könnte man mit den Pannen und Problemen der Deutschen Bahn, die natürlich auch in diesem Kapitel nicht verschont bleibt, schon Bücher en masse füllen, nachdem man dieses Kapitel gelesen hat ist man als Deutscher aber doch irgendwie froh, dass wir "nur" mit ausgefallenen Klimaanlagen/Heizungen und Verspätungen zu kämpfen haben, denn die Zusammenstellung in diesem Kapitel beweist, dass alles immer noch schlimmer kommen kann, in Indien vor Allem.
War der Schlusskasten über Bettwanzen und die Tatsache, dass selbst die besten Hotels eigentlich machtlos gegen sie sind, nötig? Er ist auf jeden Fall informativ, aber eben auch sehr ekelerregend, irgendwie vergeht einem beim Lesen die Lust auf Urlaub...
Kapitel 6: Skurrile Reise-News
Die Reise-News sind mein Lieblingskapitel aus "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt", denn so beängstigend einige Berichte auch sind (zum Beispiel die über diverse Tiere im Passagierraum von Flugzeugen), so kurzweilig, lustig und lesenswert ist das Kapitel mit Nachrichten über Wodka-geschuldete Odysseen, kuriose Hilferufe und andere Skurrilitäten.
Der Schlusskasten scheint immer wichtiger zu werden, beschäftigt er sich doch mit der Verwechslungsgefahr von Reisezielen, die in den letzten Jahren zuzunehmen scheint. So ist Sydney eben nicht gleich Sydney und Berlin nicht zwingend in Deutschland.
Kapitel 7: Flüge, die man nie vergisst - Teil 1
Das zweite Kapitel, das Lust auf mehr Landebahn-Bände macht. Einige Geschichten glaube ich schon einmal gelesen zu haben, vielleicht auch einfach bei SPON (?), andere will man lieber nicht selbst erleben (Eile wegen Bombendrohungen, Brand im Flugzeug) und über so manche darf man herzlich lachen (wenn Bodenpersonal die Bordtoilette benutzt kann das zu Verzögerungen führen...).
Am Ende finden sich Tipps, wann Flugtickets am günstigsten sind, die durchaus interessant zu wissen sind, auch wenn ein Großteil der Leser sie vermutlich niemals brauchen wird, weil er alles pauschal bucht.
Kapitel 8: Kreuzfahrt kurios
Der humorvolle Einstieg ins Kapitel gelingt erstaunlicherweise sehr gut, obwohl das Unglück der Carnival Splendor dafür herhalten muss. So geht es dann auch weiter, Schadenfreude, Bewunderung über Kreativität der Besatzung (Ein spontanes Klapperschlangenragout mitten auf dem Atlantik?) und lesens- und wissenswerte Berichte (nicht jede Insel hält der Flut stand!) wechseln sich in kurzweiligem Tempo ab.
Wissenswert ist auch der Schlussblock mit FAQs von Schiffspassagieren.
Kapitel 9: P-E-N-I-s-restaurant in Peking
Nochmal werde ich dieses Kapitel nicht lesen, da die Speisekarte dieses Restaurants doch sehr eklig ausfällt. Irgendwie ist es aber auch witzig, deshalb will ich an dieser Stelle nicht mehr erzählen, sondern zum Selbstlesen auffordern...
Sehr passend sind die Tipps gegen Durchfall am Kapitelende.
Kapitel 10: Flüge, die man nie vergisst - Teil 2
Dieses dritte "Landebahn"-Kapitel ist das beste davon und berichtet von humorvollen Piloten, Stewardessen und Sitznachbarn. Natürlich findet sich dabei auch teils sehr fieser, schwarzer Humor, den man als Leser sehr lustig findet, selbst aber nie erleben möchte (Wenn noch während des Starts folgende Worte durch die Lautsprecher schallen "Meine sehr verehrten Fluggäste, ich muss Ihnen eine schlechte Nachricht überbringen...." .... "die Kaffeemaschine ist ausgefallen" ist das nicht lustig, liebe mitlesende Stewardessen!).
Der Schlußkasten beschreibt gut und ausführlich die Rechte von Flug- und Bahnreisenden bei Verspätungen.
Kapitel 11: Abenteuer Mitfahrzentrale
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, sich als Fahrer oder Mitfahrer einer Mitfahrzentrale anzuschließen? Dann sollten Sie dieses Kapitel besser auslassen, es nimmt Ihnen vermutlich mit Berichten von hunderten Kilometern mit, leider alle Stereotypen erfüllenden, Obdachlosen, sich bis aufs Blut streitenden Mitreisenden und Ausbeutungen den letzten Spaß, den der Gedanke an geteilte Autofahrten machen kann.
Dass es auch anders geht beweist vor Allem die Rache eines Rausgeschmissenen, aber ein bitterer Nachgeschmack und die Frage, ob die Autoren Mitfahrzentralen in den Bankrott schicken wollen, bleibt.
Sehr lustig waren die Darwin-Awards, die sich Reisende schon verdient haben, zumal wenn Angeber über ihre eigene Ignoranz stolpern (Ja, man verdurstet schnell in Death Valley!).
Kapitel 12: Hotelbewertungen im Internet
Hotelbewertungen im Internet gehören mittlerweile zu den wichtigsten Informationsquellen für Reisende, so dass sie ganz zu Recht Einzug in dieses Buch gefunden haben.
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