Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass der Dialog filmtheoretisch gesehen der bedeutenste Punkt des gesamten Films darstellt. Irrtum. Im neuesten Beitrag zur Reihe Praxis Film Nr. 26 heißt es, Zitat: Das Unwesentlichste am ganzen Drehbuch ist der Dialog (S. 104). Oliver Schüttes Kunst der Dialoggestaltung ist geeignet, dieses negative Image des Dialogs etwas aufzupolieren.
Das Buch geht auf die Bedeutung des Dialogs bei der Charakterisierung und späteren Identifizierbarkeit der Personen ein. Beschreibt die Auswirkung der Dialoggestaltung beim Aufbau der einzelnen Szenen. Wann setzt der Dialog ein. In welchem Verhältnis steht der Umfang der Szene zum Wissen des Zuschauers. Wie lässt sich Redundanz vermeiden und maximale Ökonomie in der Szenengestaltung herstellen. Da es in einem Drehbuch neben Regieanweísungen fast nur Dialoge gibt, hängen alle diese Punkte direkt mit der Dialoggestaltung zusammen.
Auch in diesem Buch von Oliver Schütte wird ein Mangel vieler filmtheoretischer Publikationen deutlich. Die eigenen theoretischen und methodischen Voraussetzungen sind kaum reflektiert. Schütte fordert mehrfach, dass sich im Dialog der Figuren eines Films ihre, Zitat: soziologische Bedeutung niederschlagen solle. Ein Bauarbeiter soll klingen wie ein Bauarbeiter, ein Hochschullehrer wie ein Hochschullehrer. Was Schütte meint, ist die soziale, gesellschaftliche Bedeutung einer Person, auf die ihre Rede Rückschlüsse zulassen soll. Für die Soziologie ist der Dialog bedeutungslos.