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»Niemand zeugt für den Zeugen«: Erinnerungskultur und historische Verantwortung nach der Shoah (edition suhrkamp)
 
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»Niemand zeugt für den Zeugen«: Erinnerungskultur und historische Verantwortung nach der Shoah (edition suhrkamp) [Broschiert]

Ulrich Baer

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Seit einigen Jahren haben Bücher Hochkonjunktur, die sich mit der Kultur des Erinnerns an die Shoah auseinandersetzen. Einerseits werden dabei -- wie z. B. bei Peter Reichels Politik mit der Erinnerung -- Aspekte der Instrumentalisierung von Erinnerung herausgearbeitet, andererseits wird die Verantwortung, die aus dem Ablegen von Zeugnissen für die Nachkommenden erwächst, thematisiert. Um die Zeugenschaft als dem bislang "übersehenen zentralen Moment in den Auseinandersetzungen um den Umgang mit dem Holocaust" geht es bei dem vorliegenden, von Ulrich Baer herausgegebenen Band. Ohne die Augenzeuginnen und -zeugen wäre es nicht möglich gewesen, die wahre Geschichte der Vernichtung der europäischen Juden in ihren alle moralischen Vorstellungen sprengenden Dimensionen zu erfassen.

Auf hohem wissenschaftlichem Niveau greifen die dreizehn Verfasser des Bandes verschiedene Perspektiven der Zeugenschaft auf. Im ersten Teil diskutieren so renommierte Autoren wie Geoffrey Hartmann (Der längste Schatten) Reichweite und Begriff der Zeugenschaft. Probleme selektiver Wahrnehmung und Erinnerung werden dabei genauso analysiert wie Lösungskonzepte. Im zweiten Abschnitt treten Art und Form der Darstellung von Zeugnissen in den Vordergrund. Claude Lanzmann, Autor des Films Shoa, spricht in diesem Zusammenhang von der eigentlichen "Unmöglichkeit", die Judenvernichtung erzählen zu können. Nur durch die Aussagen der Zeugen gelang ihm letztlich die schwierige Annäherung an dieses Thema. Der dritte Teil ist schließlich dem mitunter sehr problematischen Verhältnis der Medien zur Zeugenschaft gewidmet. Fotos und Filme bilden Wahrheit nicht nur ab, sie kreieren sie auch.

Dieser intellektuell anspruchsvolle Band zeigt mit drastischer Deutlichkeit, dass Erinnerung beileibe nichts Leichtes ist. Nicht für die, die sich erinnern; nicht für die, die sich damit beschäftigen. --Manfred Schwarzmeier

Kurzbeschreibung

In diesem Buch wird der Holocaust erstmals als eine Krise der Zeugenschaft verstanden, die bis in die Gegenwart individuelle und kollektive Verhaltensweisen bestimmt. Niemand zeugt für den Zeugen greift also nicht nur in die aktuelle Debatte um die Erinnerungskultur ein, sondern bietet auch den Lesern einen theoretisch fundierten und wirklichkeitsnahen Ansatz, sich damit auseinanderzusetzen, was sie persönlich - und was die Deutschen als Nation - erinnern sollen und können.

Der Autor über sein Buch

Eindringliche und provokante Aufsaetze zur Gedaechtniskultur
Der vorliegende Sammelband zur Erinnerungskultur schafft einen völlig neuartigen Kontext für die Auseinandersetzungen um den Umgang mit dem Holocaust: Der Holocaust wird als eine radikale historische Krise der Zeugenschaft verstanden, deren Auswirkungen die individuellen und kollektiven Verhaltensweisen bis in die Gegenwart bestimmen. In den internationalen 14 Beiträgen wird nach der grundsätzlichen Möglichkeit des Zugangs zu einem Ereignis gefragt, das kollektive Begriffs- und Deutungsvermögen übersteigt. Als Antwort darauf werden literarische und filmische Darstellungen des Holocaust, Zeugenaussagen und die Anklagestrategien in den Nürnberger Prozessen, therapeutische Prinzipien und die Moraltheorie, verbreitete Erklärungsmuster des Rassismus und geschichtphilosophische Grundannahmen eingehenden Analysen unterzogen, wobei Zeugenschaft als bislang übersehenes zentrales Moment in den Diskussionen zur Erinnerungskultur herausgearbeitet wird. Im Anschluß an diese Erkenntnisse präsentiert der Band die Zeugenschaft grundlegend neu als allgemeine Frage nach der ethischen Haltung einer Person, die sich heute mit Zeugnissen von extremer Gewalt konfrontiert sieht. In den Beitraegen werden Fragen eroeffnet, die so noch nicht in deutschen Debatten gestellt wurden und radikal neue Perspektiven auf die Erinnerungskultur eroeffnen.

Dieses Buch greift also nicht nur konkret in die aktuelle Debatte um die Erinnerungskultur ein, sondern es stellt sich bewußt der brisanten und besonders für Nichtspezialisten wichtigen Frage, wie und warum man sich heute überhaupt noch mit dem Holocaust beschäftigen soll – und kann. Anders als in anderen Publikationen zum Thema wird den Lesern hier ein theoretisch fundierter und dennoch wirklichkeitsnaher Ansatz geboten, sich damit auseinanderzusetzen, was und wie sie persönlich – und was die Deutschen als Nation – erinnern sollen und können.

Die Beiträger wie Geoffrey Hartman, Shoshana Felman, Claude Lanzmann (Shoah), Avital Ronell oder Lawrence Langer haben die Debatte zu diesem Thema in den letzten Jahren maßgeblich bestimmt.

Der Herausgeber ist Assistant Professor of German an der New York University in den Vereinigten Staaten.

Über den Autor

Ulrich Baer lehrt Deutsche Literatur an der New York University. Seine jüngste Veröffentlichung The Poet’s Guide to Life: The Wisdom of Rilke ist in den USA ein großer Erfolg.
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