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»Meine einzige Schuld ist, als Kurdin geboren zu sein«: Eine junge Frau auf der Flucht vor türkischer Folter und deutscher Justiz
 
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»Meine einzige Schuld ist, als Kurdin geboren zu sein«: Eine junge Frau auf der Flucht vor türkischer Folter und deutscher Justiz [Broschiert]

Devrim Kaya , Günter Wallraff
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wann immer -- und das ist in letzter Zeit ja häufig -- in Deutschland die Frage der Kurden diskutiert wird, erfolgt das zumeist auf einem sehr abgehobenen Niveau. Da wird über die Lage in der Türkei, über Bleiberecht oder Abschiebung aus Deutschland oder ganz allgemein über die historische Situation diskutiert. Allzu leicht verliert der Betrachter dabei jedoch aus dem Auge, daß man hier über Menschen redet. Und allzu leicht ist die Diskussion deswegen auch wenig mitfühlend. Darum sollten viele Mitbürger einmal einen Blick in Devrim Kayas Buch werfen, denn hier wird die ganze Problematik aus einer anderen Sichtweise geschildert, nämlich der einer direkt Betroffenen.

Die Kurdin Kaya beginnt ihre bewegende Geschichte mit der Schilderung ihrer harten Jugend: Hin- und hergerissen zwischen rauhen Eltern und verständnisvollen Großeltern versucht das junge Mädchen in einer Türkei zurecht zukommen, die alles Kurdische verbietet. Als sie dann Begeisterung für die kurdische Arbeiterpartei PKK entwickelt, wird sie verhaftet. Die anschließende Zeit der Haft und Folter wird von Kaya erschütternd genau geschildert. Nach ihrer Flucht nach Deutschland sieht sich die junge Frau mit einem unmenschlichen deutschen Verwaltungsapparat konfrontiert, der ihr ein Bleiberecht verweigert.

Kaya macht bei ihren Schilderungen nicht den Fehler, zu sehr ins Einseitige zu verfallen. Sie geht ebenso kritisch an Aspekte der kurdischen Kultur heran wie auch an ihre anfängliche Begeisterung für die PKK. Dabei liefert sie eine eindrucksvolle emotionale Schilderung der Ereignisse -- und genau das ist die Stärke dieses Buches: Es ist keine theoretische Abhandlung, sondern die Schilderung eines wirklichen Lebens. So ist das Buch hilfreich, um einen Blick in eine unbekannte Türkei, aber auch in ein für viele unbekanntes Deutschland zu werfen. --Joachim Hohwieler

Pressestimmen

"Ich kenne viele Schicksale von Menschen, die zu uns flüchten und hierzulande weiter drangsaliert werden. Aber Devrims Geschichte ist ganz außergewöhnlich: ebenso fesselnd wie ergreifend erzählt." (Günter Wallraff)

Kurzbeschreibung

In Kurdistan aufgewachsen, von den türkischen Behörden verfolgt, kehrt Devrim Kaya als politischer Flüchtling in das Land ihrer Geburt, nach Deutschland, zurück. Ihr Asylantrag wird abgelehnt, sie muß untertauchen. In diesem sehr persönlichen Buch, das bei allem Bezug zur Politik immer die menschliche Seite in den Vordergrund stellt, beschreibt die ehemalige PKK-Anhängerin ihre aufwühlende Lebensgeschichte. "Ich kenne viele Schicksale von Menschen, die zu uns flüchten und hierzulande weiter drangsaliert werden. Aber Devrims Geschichte ist ganz außergewöhnlich: ebenso fesselnd wie ergreifend erzählt." Günter Wallraff

Über den Autor

Günter Wallraff, geboren 1942 in Burscheid bei Köln. Zuerst Buchhändler, dann Journalist und Schriftsteller. Heute engagiert er sich vor allem in Ostdeutschland gegen Rechtsradikalismus und Rassismus. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Er rief den anderen Soldaten zu: "Ich glaube, wir haben gefunden, was wir suchen! Laßt die anderen Businsassen aussteigen! Wir können die Straßensperre jetzt auch aufheben." Sie trieben alle Passagiere außer mir und meiner Freundin aus dem Bus. Plötzlich war der ganze Bus mit Soldaten gefüllt. Alle richteten ihre Kalaschnikows auf mich und riefen: "Hände hoch!" Verzweifelt schrie ich:"Was wollen Sie denn eigentlich von mir? Es kann sich nur um einen Irrtum handeln! Kontrollieren Sie doch erst einmal meinen Ausweis!" Einer stieß mich brutal mit dem Gewehrkolben in den Rücken, ein anderer zog mir im gleichen Moment die Füße weg, so daß ich der Länge nach auf den Boden des Busses hinschlug. Sie fesselten mir die Hände und Füße. Hilflos lag ich am Boden. Einer faßte meine Haare und schleifte mich zur Bustür. Wie ein totes Bündel warfen sie mich in den Schnee. Am Straßenrand standen die Businsassen und der Fahrer und verfolgten die Szene, unternahmen aber nichts, da sie fürchteten, erschossen zu werden, falls sie versuchten, sich einzumischen. Ich schrie ihnen zu:"Hilfe! Tun Sie doch was! Mein Name ist Devrim Kaya! Informieren Sie die Zeitung! Ich bin unschuldig!" Kaum hatte ich das gerufen, prasselten von allen Seiten Kolbenhiebe auf mich nieder. Ich bemerkte, als ich den Kopf etwas drehte, daß meine Freundin neben mir auf dem Boden lag. Ich versuchte wieder, um Hilfe zu schreien. Bevor ich noch ein Wort herausbringen konnte, schlugen sie mich mit ihren Gewehrkolben bewußtlos. Als ich wieder meine Augen aufmachte, lagen meine Freundin und ich in einem großen Zimmer gefesselt auf dem Boden. Ich wandte mich ihr zu: "Kollegin, wie geht's dir?" Als ich das sagte, trafen meinen Rücken wieder schwere Kolbenhiebe. Da wir auf dem Bauch lagen, bemerkte ich erst jetzt, daß sich im Raum außer uns noch viele bis an die Zähne bewaffnete Polizisten befanden. Einer schimpfte sofort los: "Was geht dich das an! Schau dich lieber selber an! Du schwimmst doch in deinem eigenen Blut!" Ein anderer drohte: "Wenn du nicht gleich dein Maul hältst, können wir dich auch knebeln! Weißt du nicht, daß es streng verboten ist, miteinander zu reden?" Dann verbanden sie Ayse die Augen und schleiften sie aus dem Raum. Ein paar Minuten später erhielt ich auch eine Augenbinde. Einige Männer schleppten und zerrten mich eine Treppe hinunter. Bis heute klingt mir noch das Quietschen der sich öffnenden Metalltür in den Ohren, als sie mich in eine Zelle stießen. In der Zelle befand sich ein Stuhl, auf den sie mich setzten. Meine Hände und Füße blieben gefesselt. Dann hörte ich wieder das Quietschen der Tür, woraus ich schloß, daß sie die Zelle wieder verlassen hatten. Ich versuchte aufzustehen, dabei stieß ich mir den Kopf an die Decke. Durch die Kolbenschläge zuvor konnte ich nicht ohne Schmerzen auf dem Stuhl sitzen, ich versuchte daher, mich vom Stuhl rutschen zu lassen, um mich auf den Boden zu legen. Das ging aber auch nicht, da sich direkt rechts und links neben meinem Stuhl schon die Zellenwand befand. Verzweifelt trat ich mit meinen Füßen an die Zellentür. Kurz darauf vernahm ich ein Klopfen. Ich dachte an meine Freundin und fragte leise: "Ayse, bist du es?" Auf einmal hörte ich eine Männerstimme ganz laut schreien: "Was ist denn mit dir los? Du willst wohl von mir gefickt werden?" Als ich dies hörte, drehte ich völlig durch. Mir war alles egal. Wütend schlug ich mit meinen gefesselten Händen an die Tür und rief zurück: Hau bloß ab, du Idiot! Du kannst mich mal! Laß mich in Ruhe!" In der kalten Zelle fühlte ich, daß mir etwas Warmes über das Gesicht lief. Es roch nach Blut. Ich verlor jedes Zeitgefühl. Alles drehte sich um mich. In diesem Moment erinnerte ich mich an Mazlum Dogan. Ich mußte auch so stark sein, wie er es gewesen war. In meine Zelle drang nun kein Laut mehr. Ich fühlte mich so allein und verlassen. Ich wußte jetzt, was es heißen mußte, lebendig begraben zu sein. Meine Gedanken zerfaserten sich immer mehr. Um mich irgendwie abzulenken, ging ich alles noch einmal in allen Einzelheiten durch, was ich beim kommenden Verhör sagen wollte. Auf einmal hörte ich eine Stimme wispern: "Mein Kind, meine Tochter, du bist doch gerade erst siebzehn. Was hast du mit der Politik zu schaffen? Und jetzt im Winter ist es doch so kalt hier. Ich werde dir helfen." Die Stimme kam langsam immer näher. Auf einmal schrie ein Mann: "Wer hat denn Frau Kaya hier eingesperrt? Bringt mir sofort den Schlüssel! Auf euch kann man sich doch gar nicht verlassen. Ich habe euch doch immer gesagt, daß ihr ganz freundlich sein müßt." Ich hörte jemanden schnell laufen. Die Schritte näherten sich. Dann hörte ich die Tür quietschen. Ich wurde von kräftigen Händen an den Armen gefaßt und vom Stuhl hochgezogen. Ich merkte, daß man mir Hand- und Fußfesseln löste. Als ich meine Hände frei hatte, wollte ich mir die Augenbinde selbst abnehmen. aus Kap. 6 Widerstand und Hoffnung - die PKK (Das erste Verhör im Gefängnis)
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