In seinem dritten Buch beschäftigt sich Dr. Josef Giger-Bütler mit den Möglichkeiten, wie depressive Menschen wieder zu sich finden und sich aus der Endlosschleife depressiven Denkens und Verhaltens (selber) befreien können. Insofern handelt es sich um eine konsequente Fortsetzung seiner ersten Bücher, welche die Entstehungsbedingungen ("Sie haben es doch gut gemeint") und die Behandlungsmöglichkeiten ("Jetzt geht es um mich") fokussieren.
Das erklärte Ziel des aktuellen Werkes, namentlich die Anleitung zur Selbsthilfe, soll den depressiven Menschen Hinweise und Anregungen geben, sich quasi im Eigenstudium mit dem Phänomen Depression sowie den eigenen depressiven Mustern auseinanderzusetzen. Dabei wird vom Autor jedoch ausdrücklich betont, dass die Inhalte vornehmlich als Begleithilfe zu verstehen sind, damit depressive Menschen die oftmals unüberwindbar erscheinende Hürde, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bestmöglich überwinden können. Der mögliche Anspruch von Leserinnen/Lesern (aber auch von potentiellen Kritikern), dass depressive Menschen nach der Lektüre des Buches symptomfrei durchs Leben schreiten, ist weder gänzlich realisierbar noch entspricht es der primären Intention des Autors.
Das Buch bieten den Betroffenen insbesondere zwei Dinge: Einsicht und Verständnis. Mit klaren Worten und anschaulichen Beispielen verdeutlicht Josef Giger-Bütler die Problematik depressiven Denkens und beantwortet dadurch zahlreiche Fragen, welche depressive Menschen tagtäglich beschäftigen. Dabei werden die Denk- und Verhaltensmuster depressiver Menschen weder tabuisiert noch dramatisiert, sondern mit grosser Empathie und Einfühlungsvermögen verdeutlicht. Die Schwierigkeiten der betroffenen Personen werden jederzeit ernst genommen und es wird eindrücklich veranschaulicht, dass es für ihre Probleme auch tatsächlich Hilfe gibt. Und: Diese Hilfe können sich Betroffene in weiten Teilen selber bieten. Dazu ermutigt das Buch und zeigt den diesbezüglichen Weg allgemein verständlich auf. Die zu diesem Zweck verwendeten Wiederholungen sind Mittel zum Zweck und verleihen den Ausführungen an Tiefe und Eindringlichkeit. Ohne Zweifel macht es dieses rhetorische Mittel der/dem (gesunden) Leserin/Leser nicht immer einfach, doch es ist zielführend - und genau darum (und nur darum) geht es letztlich in einem Werk, das leidenden Menschen Hilfe anbietet.
Insgesamt handelt es sich bei dem vorliegenden Werk nicht um ein Wunderheilmittel gegen Depression, sondern um eine von einem kompetenten Fachspezialisten behutsam verfasste Hilfeleistung für betroffene Menschen. Ich empfehle "Jetzt geht es um mich" jeder Person, die sich in den Schlingen der Depression verloren, einsam und hilflos fühlt, aber auch denjenigen Personen, welche mehr über das Phänomen Depression und die dazugehörenden kognitiven Mechanismen erfahren wollen.
Ein Buch, das auch ohne schwer verständliche Fachbegriffe die zentralen Aspekte rund um das Leiden depressiver Menschen auf den Punkt bringt und diese nicht bloss plakativ beschreibt, sondern auch Hilfe zur Veränderung anbietet!