Was ist der Unterschied zwischen Churchill, Adenauer, Kennedy,
Papst Johannes Paul II und Marcel Reich-Ranicki?
Keiner! Denn der wahre Gipfel ist nicht ereicht, wenn man Premier, Präsident,
Papst oder Literaturpapst wird, sondern erst wenn man es auch zu einem
Anekdotenbuch über sich selber gebracht hat, wie alle der oben genannten.
Franz Josef Görtz schreibt im Vorwort: Sein Wortwitz ist scharfzüngig, knapp
und präzise. Meistens aus dem Literarischen Quartett, dem Redaktionsflur
und am Telefon.
Manchmal sind schon die Überschriften komisch: 'Karasek schreibt einen Roman'.
Bei Anekdoten- Witz- und Gedichtbüchern ist es so, dass man nicht alle und alles
auf einmal lesen soll. Und man muss einen Sinn fürs hagiographische haben.
Meine Lieblingsbegebenheit mit Reich-Ranicki ist nicht drin:
Ein Fernsehteam hat eine Homestory in seiner Wohnung gedreht, jetzt sitzt der
Kameramann hinten in Reich-Ranickis Mercedes und filmt, wie der in die Redaktion
fährt, an dem großen Lenkrad herumkurbelt und an einer vorfahrtberechtigten Straße
warten muß. Da aber bremst ein Auto und läßt ihn einbiegen.
Ranicki tut dies mit den Worten:
Aha, ein freundlicher Mensch. Das kann kein Literat sein.
Sein Lieblingsdiktum im Kopf, mit dem er ihm vorgelegte Texte zu begrüßen pflegte:
'Das ist zu lang, mein Lieber' schließe ich sofort. Viel Vergnügen!