In diesem Buch wird der Depressive als das beschrieben, was er ist: Ständig am Rudern und Leisten, immer wieder aufstehen, immer orientiert an dem, was die anderen brauchen (aber nicht im altruistischen oder narzißtischen Sinn, sondern, weil er es gar nicht anders gewöhnt ist), innen oft leer, Ich-los, immer traurig, auch das schönste Erlebnis verhuscht sofort, Glück für 100% gibt es nicht, usw.
Sämtliche Therapien wollen immer, dass der Depressive sich zusammenreißt, endlich aufsteht, in die Gänge kommt, sich tolle Hobbies sucht. Aber da ist es schon wieder: Ich muss. Und genau darum geht es: Er kann nicht mehr. Er ist meist ein ständig überfordertes Kind gewesen und hat sich als Erwachsener auch ständig überfordert, weil sonst "funktioniert" er nicht, und dies muss er: Funktionieren, weil die anderen schaffen es doch auch.
Dieses Buch zeigt endlich auf, dass es nicht um´s Funktionieren und Müssen geht, sondern darum, zu verlangsamen, sich seiner ureigensten Bedürfnisse Schritt für Schritt gewahr zu werden, dadurch sein "Ich" zu finden, sich Pausen gönnen, Konflikte nicht als existenzbedrohlich wahrzunehmen.
Es ist ein liebevolles verstehen-wollendes Buch. In der ersten Hälfte beschreibt der Autor nochmal, was er im ersten Band ("Sie haben es doch gut gemeint", auch empfehlenswert!) ausführlich erklärt, im zweiten Teil geht es darum, was der Depressive tun kann, um seiner Katastrophenspirale zu entkommen. Das beste, was ich bisher über Depression gelesen habe.