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»Das Reichsorchester«: Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus
 
 
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»Das Reichsorchester«: Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus [Gebundene Ausgabe]

Misha Aster
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Siedler; Auflage: 1. Aufl. (13. August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886808769
  • ISBN-13: 978-3886808762
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 441.384 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Misha Aster
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Es ist in erster Linie diese nüchterne Detailschärfe, die das Buch spannend macht. Sie zeichnet von selbst ein sehr plastisches Bild des Misstrauens zwischen den Musikern, der korrupten Seilschaften innerhalb der NS-Kulturbehörden und der widersprüchlichen Entscheidungen, mit denen die Funktionäre ratlos lavierten zwischen ideologischen Vorgaben des Regimes und der sehr persönlichen Schwäche von Hitler und Goebbels für ihr Lieblingsorchester." (Deutschlandradio )

"Was der kanadische Politologe, Historiker und Dramaturg Misha Aster hier vorlegt, ist historisch und kulturpolitisch von Brisanz, handelt es sich doch um die erste wissenschaftliche Aufarbeitung der prekären Situation der Berliner Philharmoniker im Dritten Reich." (Süddeutsche Zeitung )

"Lesenswert ist Misha Asters Buch weit über das historische Interesse an der Geschichte der Berliner Philharmoniker hinaus. Einmal mehr wird in dieser Darstellung deutlich, wie die NS-Ideologie in ihrer Irrationalität sämtliche Bereiche des Lebens durchdrang, wie sie alles, was geschah, in ihrem Sinne verdrehte." (FAZ )

Kurzbeschreibung

Musiker im Zeichen des Hakenkreuzes

Die Berliner Philharmoniker, eines der bekanntesten Orchester der Welt, dienten den Nationalsozialisten als kulturelles Flaggschiff und Propagandainstrument. Der Historiker und Opernregisseur Misha Aster erzählt in seinem Buch davon, wie »die Berliner« für Hitler spielen mussten – und wie der Spagat zwischen Kunst und Politik das Orchester vor eine Zerreißprobe stellte.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verstaatlichten sie die Berliner Philharmoniker und unterstellten sie als »Reichsorchester« der Aufsicht von Goebbels’ Ministerium. In den folgenden Jahren hatten die Musiker sowohl im Reich als auch im Ausland in Hitlers Auftrag zu spielen: Auf dem Parteitag in Nürnberg, zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, später sogar in den besetzten Gebieten.
Das Regime nutzte das Orchester – und das Orchester nutzte das Regime. Es handelte sich um einen Ausnahmezustand auf Dauer, in dem die Musiker versuchten, künstlerische Autonomie mit ideologischen Vorgaben in Einklang zu bringen. Ohne Zweifel profitierten »die Berliner« von der privilegierten Behandlung durch die NS-Regierung, dennoch stellte sich das Orchester immer wieder gegen deren musikalische und politische Bevormundung.
Eindrucksvoll schildert Misha Aster anhand bisher unveröffentlichter Akten, wie die Musiker – unter ihnen Parteigenossen ebenso wie Juden – diese Zeit erlebten. Eine spannende Untersuchung über ein bisher kaum beachtetes Kapitel des »Dritten Reichs« und die Geschichte von Künstlern im Sog von Politik und Propaganda.

• 125. Geburtstag der Berliner Philharmoniker im August 2007
• Vorwort von Wolf Lepenies


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
ein notwendiges Buch 5. November 2007
Von Tom Kadi VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Als die Nazis an die Macht kamen, kämpfte das Berliner Philharmonische Orchester um sein Überleben. Seine Schwierigkeiten erinnern einen an die Situation der drei Berliner Opernhäuser in der Gegenwart: Seit Jahren wuchs sein Defizit, versuchte es staatliche Stellen davon überzeugen, dass es wegen seiner kulturpolitischen Bedeutung finanzielle Förderung verdient hätte. Die Stadt Berlin und die Institutionen des Reiches schoben aber die Verantwortlichkeiten immer wieder hin und her.
Als Goebbels 1933 in dieses Vakuum stieß und die Berliner zu seinem Lieblingsspielzeug und zum Reichsorchester" machte, gab das Orchester ohne größeren Widerstand diesen Avancen nach. Der Preis für die materielle und später auch persönliche (doppelte UK-Stellung im Krieg) Sicherheit war die Aufgabe der Orchester-Autonomie. Misha Aster macht deutlich, dass die Nationalsozialsten wenig verändern mussten, um die Berliner in ihrem Sinne gleichzuschalten: Es gab kaum jüdische Musiker und die wurden ohne großes Aufsehen vergrault. Ebenso ging es Furtwänglers jüdischer Sekretärin, auch die jüdische Konzertagentur Wolff war schnell aus dem Geschäft verdrängt. Die Nähe des Bürgertums zum Rechtsradikalismus wird besonders deutlich, wenn der Autor hervorhebt: So brauchte sich das Ministerium auch nach der Übernahme des Orchesters durch den Staat kaum in die Programmpolitik einzumischen: Die musikalischen Präferenzen der Nationalsozialisten und das Kernrepertoire des Berliner Philharmonischen Orchesters harmonierten von vornherein gut miteinander." Gespielt wurden überwiegend Beethoven, Brahms, Bruckner, Wagner und die Musik des Vorsitzenden der Reichsmusikkammer Richard Strauss. Störende moderne Musik selbst die des Antisemiten Stravinsky oder Werke von jüdischen Komponisten blieben außen vor.
Der Autor geht nicht chronologisch vor. Jedes Kapitel behandelt ein eignes Sachgebiet: Die Finanzen; die Orchestergemeinschaft; die Programmgestaltung oder die Reisen. Ob er darin so gut beraten war, ist fraglich. Denn diese Darstellungsweise führt zu einer ganzen Reihe von Wiederholungen. Etwa wenn die Widersetzlichkeit Furtwänglers über eine Vertragspassage nebst wörtlicher Zitierung: Die Bestellung von Nichtariern ist jedoch ausgeschlossen" in zwei Kapiteln behandelt wird. Dennoch über weite Strecken eine spannende und auch bedrückende Lektüre, nach der ich jedenfalls Interpretationen von Böhm, Gieseking, Kempff, Knappertsbusch oder Karajan nur noch mit sehr gemischten Gefühlen genießen kann.
Für ganz eilige Leser muss auf das vorzügliche Vorwort von Lepenies hingewiesen werden, das auf knapp 20 Seiten die wesentlichen Aussagen des Buches brillant zusammenfasst.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Überlebensort 1. November 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Die Rolle von Furtwängler,natürlich mit seinen Berlinern, wurde bereits in dem sehr interessanten Film von Szabo ,taking sides, thematisiert. Philharmoniker im Ent-Nazifizierungsverfahren. Die moralische Dimension wurde bereits in diesem Film am Beispiel " Furtwängler" reflektiert. Kein Parteimitglied, aber hochgradig für das Regime unterstützend tätig. Das war die Rolle er meisten Philharmoniker. Nur 12 von ca. 100 Mitgliedern waren aktive Nazis, aber jeder, der nicht völlig wegschaute, wusste, was ihnen das Überleben sicherte: die Funktionalisierung für die Interessen der Nationalsozialisten, sei es nun durch Konzerte in Werkshallen oder durch Tourneen in der befreundeten Welt,um zu beweisen, dass Deutschland eine Kulturnation sei.
Wenige haben bis heute überlebt und berichten von der Scham, vor teilweise schwer Versehrten zu spielen, die gleichen Alters waren.

Die Berliner Philharmoniker- auch dies ein Beweis für ihre Funktion im Nationalsozialismus- haben praktisch bis Kriegsende gespielt und kurze Zeit nach dem Krieg wieder begonnen, auch ohne Furtwängler, der nicht auftreten durfte.
Während andere Orchester jüngere Mitglieder an die Wehrmacht abgeben mussten, haben die Berliner nur ein Mitglied durch einen bösen Zufall an den Volkssturm verloren.
Klar, das keiner aufgemuckt hat, als vier wesentliche Mitglieder bereits 1934 wegen ihrer jüdischen Abstammung das Orchester verlassen mussten oder als die Mendelsohn-Büste in der alten Philharmonie verschwand.
Es war eben ein sicherer Ort.
Schon fascierend, einen Überlebensort zu besichtigen, auch wenn die Aufarbeitung erst nach mehr als fünfzig Jahren geschieht.
Wenn der Kontrabassist Hartmann sagt, wir waren kein Nazi-Orchester, stimmt dies in einem formalen Sinne, aber von der Funktion her waren gerade die Berliner Philharmoniker die kulturelle Säule dieses Regimes.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Analyse 30. Dezember 2007
Von Rautho
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch analysiert nahezu das Verhältnis zwischen dem Orchester und dem NS-Regime. Manches erscheint zu detailliert, wie zB das Kapitel über die Bilanzen des Orchesters zu jener Zeit; manches könnte bedeutsamer ausfallen, wie etwa die Rolle Furtwänglers. Was jedoch als großes Manko erscheint, ist die Tatsache, dass das Buch keine Diskographie der Aufnahmen des Orchesters vom Zeitpunkt der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis Kriegsende enthält. Gerade in diesem Punkt wäre die Detailarbeit für den musikinteressierten Leser hilfreich gewesen.
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