Die Rolle von Furtwängler,natürlich mit seinen Berlinern, wurde bereits in dem sehr interessanten Film von Szabo ,taking sides, thematisiert. Philharmoniker im Ent-Nazifizierungsverfahren. Die moralische Dimension wurde bereits in diesem Film am Beispiel " Furtwängler" reflektiert. Kein Parteimitglied, aber hochgradig für das Regime unterstützend tätig. Das war die Rolle er meisten Philharmoniker. Nur 12 von ca. 100 Mitgliedern waren aktive Nazis, aber jeder, der nicht völlig wegschaute, wusste, was ihnen das Überleben sicherte: die Funktionalisierung für die Interessen der Nationalsozialisten, sei es nun durch Konzerte in Werkshallen oder durch Tourneen in der befreundeten Welt,um zu beweisen, dass Deutschland eine Kulturnation sei.
Wenige haben bis heute überlebt und berichten von der Scham, vor teilweise schwer Versehrten zu spielen, die gleichen Alters waren.
Die Berliner Philharmoniker- auch dies ein Beweis für ihre Funktion im Nationalsozialismus- haben praktisch bis Kriegsende gespielt und kurze Zeit nach dem Krieg wieder begonnen, auch ohne Furtwängler, der nicht auftreten durfte.
Während andere Orchester jüngere Mitglieder an die Wehrmacht abgeben mussten, haben die Berliner nur ein Mitglied durch einen bösen Zufall an den Volkssturm verloren.
Klar, das keiner aufgemuckt hat, als vier wesentliche Mitglieder bereits 1934 wegen ihrer jüdischen Abstammung das Orchester verlassen mussten oder als die Mendelsohn-Büste in der alten Philharmonie verschwand.
Es war eben ein sicherer Ort.
Schon fascierend, einen Überlebensort zu besichtigen, auch wenn die Aufarbeitung erst nach mehr als fünfzig Jahren geschieht.
Wenn der Kontrabassist Hartmann sagt, wir waren kein Nazi-Orchester, stimmt dies in einem formalen Sinne, aber von der Funktion her waren gerade die Berliner Philharmoniker die kulturelle Säule dieses Regimes.