Pressestimmen
»Welchen Sinn hat die Lektüre dieser Briefe mit ihrer bestürzenden Intimität? Wie immer sagt die verborgene Form mehr als der manifeste Inhalt, ... so setzte sich nicht nur in der Bindung an Suhrkamp, sondern auch in der ehelichen Verbindung Koeppens Programm durch: immer dann das Potenzial nicht auszuschöpfen, wenn die Wünsche erfüllt waren. Die Abweisung durch Sybille Schloss führte zu seinem ersten Roman. Marion, die zu jung war, um sich seiner Projektionen zu erwehren, wurde nicht zur Muse, sondern zur lebenslangen Fessel, zur vordergründigen Legitimation seiner Schreibhemmung. Die Schlussfolgerung ist tragisch: Wolfgang Koeppen bekam in Marion seine Muse des Schweigens. Marion Koeppen hat diese Rolle mit ihrem Leben bezahlt.«
(Dorothea Dieckmann
Neue Zürcher Zeitung )
»Will man, darf man das lesen? Doch, es ist richtig, dass wir diese nicht für uns bestimmten Schreie hören: Sie erklären, unter welch qualvollen Bedingungen das große Werk des Schriftstellers Koeppen entstanden ist. Niemand wird nach der so faszinierenden wie bedrückenden Teilnahme an dieser liebevoll-zerstörerischen Beziehung Koeppens oft virtuos gleißende Texte lesen, ohne an den Schatten zu denken, unter dem sie entstanden sind.«
(Rolf Michaelis
Die Zeit )
»Dieser Briefwechsel führt anhand eines einzelnen, wenngleich prominenten Paares das Schweigen vor, das Schuld und Verleugnung hinterlassen haben. Zeugnis und Quelle für eine Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik zu sein, ist das große Verdienst dieser Veröffentlichung.«
(Oliver Vogel
Frankfurter Rundschau )
»Der jetzt bei Suhrkamp erscheinende Briefwechsel zwischen Koeppen und seiner 21 Jahre jüngeren Frau Marion könnte Licht in das Dunkel (seines Verstummens) bringen: In seiner über 35-jährigen Ehe befand sich Koeppen in einem zermürbenden Kampf gegen Marions Alkohol- und Tablettenabhängigkeit. Ein Drama, in das nur wenige eingeweiht waren. ... Als er Jahre nach Marions Tod in einem Gespräch gefragt wurde, ob die Trunkenheit seiner Frau ihn am Schreiben gehindert habe, antwortete Koeppen: ›Diese Frage beantworte ich eigentlich nicht. Ich liebte diese Frau.‹«
(
Der Spiegel )
Kurzbeschreibung
Über einen Zeitraum von sechsunddreißig Jahren schrieb Wolfgang Koeppen Briefe an seine um einundzwanzig Jahre jüngere Frau Marion. Es sind berührende Dokumente der Liebe und Fürsorge, aber auch der Angst und Resignation, und sie tauchen Marion Koeppen in ein völlig neues Licht. Denn anders als bisher wahrgenommen, erscheint in diesen erstmals veröffentlichen Briefen nicht die alkoholkranke Ehefrau als Ursache für die anhaltende Schreibkrise, sondern sie werfen die Frage auf: Ist es nicht Marion, der Wolfgang Koeppen Inspiration und Anregung verdankt, und hat sein literarisches Verstummen nicht ganz andere als private Gründe? Koeppens Briefe und die erhaltenen Gegenbriefe der Ehefrau zeigen eine für beide Seiten belastende, aber dennoch unauflösbare Verbundenheit: "denn ich liebe ja dich, du Einzigartige, Sonderbare, unverwechselbare, dich Märchenwesen, trotz allem, so wie du bist". Außerdem dokumentiert dieser Briefband die Entstehung einiger der bekanntesten Texte Wolfgang Koeppens, wie Das Treibhaus, Nach Rußland und anderswohin, Amerikafahrt, Jugend, und er eröffnet einen neuen Blick auf das Verhältnis zwischen Koeppen und seinen Verlegern, sei es nun Henry Goverts, Alfred Andersch oder Siegfried Unseld.